Pro und Contra ZivilklauselSollen Universitäten fürs Militär forschen?
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Contra: Die Klausel schadet den Studierenden

 
Contra: Die Klausel schadet den Studierenden

Eine Zivilklausel würde die Forschungsfreiheit einschränken. Die Mitarbeiter der Universität Kassel sollten selbst entscheiden dürfen, was sie erforschen – und welche Schlüsse sie daraus ziehen. Dasselbe gilt für die Studierenden: Ich traue ihnen zu, dass sie sich selbst überlegen, wo sie ein Praktikum machen und bei welchem Unternehmen sie später einen Job annehmen. Die Universität soll freie Forschung ermöglichen, jenseits aller Ideologien.

Björn Müller
Björn Müller

23 Jahre, studiert Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Kassel. Er ist Vorsitzender der Liberalen Hochschulgruppe, die sich gegen eine Zivilklausel ausspricht.

Außerdem ist die Idee einer Zivilklausel realitätsfern. Denn viele Unternehmen sind sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich aktiv, das nennt man "Dual use". Wenn eine Firma ein Projekt ausschreibt, ist oft noch gar nicht klar, was mit den Forschungsergebnissen passiert und in welchem Bereich sie angewendet werden. Auch Erfindungen wie das Internet und GPS, die heute zivil genutzt werden, gehen auf Militärforschung zurück.

Dasselbe gilt für die Grundlagenforschung in allen naturwissenschaftlichen und technischen Fächern: Wenn zum Beispiel ein Chemiker neue Legierungen entwickelt, kann man diese Erkenntnisse für die Herstellung von Waffen verwenden. Man kann sie aber auch benutzen, um ein Haus zu bauen. In diesem Graubereich befänden sich viele Firmen, zum Beispiel solche, die Flugzeuge oder Satelliten herstellen. Auch ein Unternehmen wie VW dürfte nicht mehr mit der Universität kooperieren, wenn man die Klausel streng auslegen würde.

Gute Forschung lebt auch von Drittmitteln. Die Universität sollte sich bemühen, neue Gelder einzuwerben und den Studierenden damit beste Bedingungen zu bieten. An der Universität Kassel stammt bereits ein Viertel der Gelder von privaten Investoren. Mit der Klausel würden viele von ihnen abgeschreckt; auch solche, die gar keine direkte Rüstungsforschung betreiben. Wer glaubt, man könne Firmen durch eine Zivilklausel an Universitäten von der Rüstungsforschung abbringen, ist naiv: Die Unternehmen würden ihre Gelder statt an Universitäten an private Forschungsinstitute geben.

Das aber würde den Studierenden schaden. Für sie ist es eine Chance, sich schon während des Studiums zu vernetzen und zum Beispiel ihre Diplomarbeit in einer Firma zu schreiben – natürlich nur, wenn sie das wollen und mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Ich finde es wichtig, dass eine Universität in der Gesellschaft verankert ist. Dazu gehört eben in einer Stadt wie Kassel auch die Rüstungsindustrie. Ich spreche mich nicht gegen Frieden aus. Sonden für die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen.

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Leserkommentare
    • bayert
    • 24. Januar 2013 14:49 Uhr

    kann man per Zivilklausel diese Freiheit einschränken?

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  1. ... ist nicht absolut. Wir können uns eine Gesellschaft vorstellen, in der Menschenversuche stattfinden und jemand diese mit "Freiheit von Lehre und Forschung" verteidigen.

    Freiheit von Lehre und Forschung ist nicht alles. Die liberale Hochschulgruppe in Kassel ist übrigens nicht real existent.

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    • bayert
    • 24. Januar 2013 15:42 Uhr

    vom Gesetz eingeschränkt. Die Frage ist aber, ob eine gesetzeskonforme Forschung durch eine Zivilklausel, die ein Prof. nicht unterzeichnet hat, eingeschränkt werden kann.

    • Doug90
    • 24. Januar 2013 21:36 Uhr

    Lieber Herr Stefanson,

    wir existieren natürlich und traten auch bei der diesjährigen Hochschulwahl an. Weitere Infos finden Sie bei Bedarf hier:

    lhg-kassel.de

    facebook.com/LHGKassel

    Beste Grüße!
    Björn Müller

  2. was für ein schlechter Witz?

    Wer befindet denn bitte was darunter zu fallen hat und was nicht?

    Es gibt praktisch keine technische oder naturwissenschaftliche Sparte in der die militärische Nutzung von Forschungsresultaten nicht möglich ist!

    Wo beginnt unkritische Arbeit? Bei einer Atombombe? Ehrlich, könnte ich durch eine Neuentwicklung dazu beitragen eine solche handhabungssicherer zu machen, ich würde das möglicherweise tun.

    Aber das Beispiel ist zu platt, denn selbst jede noch so "zivile" Forschung ist dies nur durch den aufgrund von Kenntnismangel beschränkten Blick der Betrachter!

    Wer als Naturwissenschaftler glaubt, seine Arbeit könne nicht militärisch angewendet werden, der soll sofort den Stoffwechsel einstellen!

    Beste Grüße CM

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  3. GPS, Computer, Netzwerke und die Strahlentherapie. Ohne militärische Forschung an Universitäten wäre uns all das erspart geblieben.

    Wer weiss was die noch alles erfinden?

    11 Leserempfehlungen
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    Unter KEINEN Rahmenbedingungen würde ich zustimmen, da bräuchte man quasi nur die nötigsten Sachen (Brot, Wasser, Unterkunft)

    • bayert
    • 24. Januar 2013 15:42 Uhr

    vom Gesetz eingeschränkt. Die Frage ist aber, ob eine gesetzeskonforme Forschung durch eine Zivilklausel, die ein Prof. nicht unterzeichnet hat, eingeschränkt werden kann.

    Eine Leserempfehlung
  4. "Wenn es sich dagegen um Drohnenforschung handelte, sollte die Universität ablehnen."

    Japan: "Tierschützer jagen Walfänger mit Drohne"
    http://www.spiegel.de/wis...

    Eine grobe Offenlegungspflicht (Firma, Betrag, grobe Auftragsbeschreibung) der universitären Kooperationen würde meines Erachten viel weiter helfen, als dogmatische Verbote.

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    fördert geradezu die Verschleierung und verstößt doch auch gegen die Vertragsfreiheit?

    Beste Grüße CM

    • Fresh_J
    • 24. Januar 2013 15:58 Uhr

    .... die Freiheit die wir in der Lehre und Forschung genießen, verdanken wir doch zu einem großen Teil der Unabhängigkeit von Drittmitteln.

    Und die Kriege des 21. Jahrhunderts verlangen nicht nach neunen Legierungen, sondern nach Spionagesoftware, nichttötende Kampfmittel und führerlose Waffensysteme.

    Die weitreichenden Konsequenzen die diese Techniken auch jetzt schon haben stehen in keinem Verhältnis zu der eingeschränkten Freiheit der Lehre.

    Das diese Techniken so oder so entwickelt werden ist mir bewusst, aber bitte nicht an Orten die hauptsächlich vom Staat finanziert werden mit dem Ziel eine Freiheit zu entwickeln und erleben die jenseits von Liberalem "alle Beschränkungen sind doof" gequatschte liegt.

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  5. fördert geradezu die Verschleierung und verstößt doch auch gegen die Vertragsfreiheit?

    Beste Grüße CM

    Antwort auf "Information > Verbot"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte EADS | Wissenschaft | Atombombe | Diplomarbeit | Forschung | Frieden
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