Leserartikel

PromotionNach dem Master für die Wirtschaft qualifizieren

Karriere in der Forschung gelingt nur wenigen. Die Unis müssten deshalb nach US-Vorbild andere Perspektiven eröffnen, fordert Leser Gerd Kloeck. von Gerd Kloeck

Nach dem Master promovieren rund zwei Drittel der Biologiestudenten, das sind einige Tausend pro Jahr. Auf Teilzeitstellen oder mit kargen Stipendien forschen die meisten Doktoranden mehr als drei Jahre lang auf hohem Niveau. Doch den wenigsten gelingt es anschließend, auf Dauer in der Forschung zu bleiben.

Ein ähnliches Problem gibt es auch in den USA, die sogenannte Doktoren-Blase. Um den Akademikern bessere Perspektiven zu bieten, werden dort nach der Promotion Professional-master-Programme angeboten. Zoologen, Botaniker oder Ökologen mit Doktortitel erhalten zwei oder drei Semester lang eine fundierte Grundbildung in Betriebswirtschaft, Management und Recht. So bereiten sie sich gezielt auf Tätigkeiten außerhalb der Universität vor.

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So, wie man sich hier derzeit in einem Masterstudium Biologie auf Naturschutz oder Meeresbiologie spezialisieren kann, sollte auch eine Vertiefung in einem Wahlbereich entsprechend der Inhalte des professional master möglich sein. In Deutschland gibt es immerhin Kurse für sogenannte Soft Skills. Doch allein der Begriff signalisiert gegenüber den eigentlichen harten Studieninhalten eine Abwertung.

Das Konzept eines professional master geht weit darüber hinaus. Biologen werden zum Beispiel gezielt auf eine Tätigkeit in der Wirtschaft vorbereitet. Fachinhalte werden dabei eng mit weiteren Qualifikationen verknüpft. Das kann so aussehen, dass das Seminar Projektmanagement eine Tagung zum Thema Meeresbiologie organisiert. Im Englischkurs üben die Teilnehmer kreatives Schreiben und wissenschaftliches Bloggen. Im Rahmen eines Projektsemesters üben Biologen und Wirtschaftswissenschaftler Teamarbeit für eine Unternehmensberatung.

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US-amerikanische Universitäten stärken Ihre Doktoren inhaltlich für den Arbeitsmarkt. Dieses Modell ließe sich auf Deutschland übertragen. Das Timing sollte verbessert werden. Es ist nicht sinnvoll, erst zu promovieren, um anschließend einen professionell master aufzusatteln. Für eine Karriere in der Wirtschaft ist ein Doktortitel selten nötig. Besser wäre eine solche Option schon im Master-Studiengang.

Einen professional master für deutsche Akademiker anzubieten, bevor sie promovieren, hat den Vorteil: Falls den Studierenden nach dieser Qualifizierung klar wird, dass sie doch lieber Wissenschaftler bleiben möchten und bei schlechter Bezahlung mehrere Jahre Lebenszeit in eine ungewisse Zukunft investieren wollen, steht ihnen diese Möglichkeit offen. Sie haben dann aber Erfahrungen, die sie im amerikanischen System erst als post doc sammeln können, schon vor der Entscheidung zur Promotion gemacht.

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Leserkommentare
  1. Hier ein link zu einer Seite, die Informationen ueber Professional Masters - Programme in den USA sammelt und zur Verfuegung stellt:

    http://www.sciencemasters...

    Meine Erfahrung als Mitgruender eines aehnlichen Programms (Mathematik und Statistik, seit 2006 an der Georgetown University in Washington) ist, dass das Interesse von Studenten und von potenziellen Arbeitgebern alle unsere Erwartungen weit uebertroffen hat. Unsere Absolventen haben i.d.R. noch vor Abschluss mehrfache gute Angebote; manche Studenten wechseln noch vor Abschluss auf eine Vollzeitstelle und beenden ihr Studium auf Teilzeitbasis.

    Unsere Absolventen kommen aber typischerweise nicht mit einem Doktortitel an, sondern haben entweder einen frischen dem Bachelor aehnlichen Abschluss oder haben ein paar Jahre Berufserfahrung. Ca. 15% beginnen dann hinterher eine Promotion in VWL oder Mathematik oder Statistik.

    Sog. soft skills (Kommunikationsfaehigkeit, Faehigkeit zur Teamarbeit, Flexibilitaet) sind wichtig, werden aber nur begleitend gefoerdert und oft in Praktika erworben. Sie sind nicht Gegenstand von Kursangeboten. BWL-Kenntnisse werden von uns nicht speziell vermittelt, was unseren Absolventen nicht zu schaden scheint.

  2. Batchelor (FH)
    Master (FH)
    Batchelor (Uni)
    Master (Uni)
    Dr.
    demnächst Dr. (FH) und dann ganz logisch
    Dr. (Uni)

    Wir (=unsere Bildungspolitiker) sind verrückt.
    Diese Typenvielfalt lohnt sich nur im Automobilbau.
    Bei den Abschlüssen blickt keiner mehr durch.

    Es fängt an beliebig zu werden. Nachdem wir schon Sonderschullehrer und promovierte Pädagogen ohne Hochschulabschluss als Bildungsminister hatten und demnächst in der Schule wie in den USA Nichtleistung nicht mehr bemerkt werden darf, wird es wohl irgendwann egal sein, was und wo man studiert hat.

    • 7x7-7
    • 11. September 2013 23:45 Uhr

    Es ist schon beängstigend, dass Fachbereiche ungehemmt gefördert werden, obwohl deren Absolventen weder industrieller noch gesellschaftlicher Wert kennzeichnet, bzw.die bestenfalls nur in befristeter Form zum Selbsterhalt des Fachbereichs dienen. Hier sollten die Förderungen entsprechend gekürzt werden, um dem Treiben ein nachhaltiges Ende zu setzen. Aber was sollten wir auch von einer ungelernten Bildungsministerin anderes erwarten, als den weiteren Ausbau einer Exzellenzinitiative in deren Ergebnis man nur noch am Ausformulieren von Förderanträgen ist und schon seit Jahren kein Labor mehr von innen gesehen hat. Ich würde mir eine Verwaltungsform wünschen, bei der Mitarbeiter langfristig eingestellt werden könnten, die dann bei erstarren im Beamtenkoma auch wieder freisetzbar wären. Somit wären wieder langfristig angelegte Projekte in der Grundlagenforschung möglich, die nicht auf kurzfristige Erfolge setzen. Vielleicht gelingt es dann auch augenscheinlich minderwertige Fachbereiche wieder aufzuwerten, da richtungsweisende Ergebnisse mit den eigenen Absolventen produziert wurden.

    Gute Nacht !

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Master | Promotion | Arbeitsmarkt | Doktortitel | Forschung | Karriere
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