Nach dem Master promovieren rund zwei Drittel der Biologiestudenten, das sind einige Tausend pro Jahr. Auf Teilzeitstellen oder mit kargen Stipendien forschen die meisten Doktoranden mehr als drei Jahre lang auf hohem Niveau. Doch den wenigsten gelingt es anschließend, auf Dauer in der Forschung zu bleiben.

Ein ähnliches Problem gibt es auch in den USA, die sogenannte Doktoren-Blase. Um den Akademikern bessere Perspektiven zu bieten, werden dort nach der Promotion Professional-master-Programme angeboten. Zoologen, Botaniker oder Ökologen mit Doktortitel erhalten zwei oder drei Semester lang eine fundierte Grundbildung in Betriebswirtschaft, Management und Recht. So bereiten sie sich gezielt auf Tätigkeiten außerhalb der Universität vor.

So, wie man sich hier derzeit in einem Masterstudium Biologie auf Naturschutz oder Meeresbiologie spezialisieren kann, sollte auch eine Vertiefung in einem Wahlbereich entsprechend der Inhalte des professional master möglich sein. In Deutschland gibt es immerhin Kurse für sogenannte Soft Skills. Doch allein der Begriff signalisiert gegenüber den eigentlichen harten Studieninhalten eine Abwertung.

Das Konzept eines professional master geht weit darüber hinaus. Biologen werden zum Beispiel gezielt auf eine Tätigkeit in der Wirtschaft vorbereitet. Fachinhalte werden dabei eng mit weiteren Qualifikationen verknüpft. Das kann so aussehen, dass das Seminar Projektmanagement eine Tagung zum Thema Meeresbiologie organisiert. Im Englischkurs üben die Teilnehmer kreatives Schreiben und wissenschaftliches Bloggen. Im Rahmen eines Projektsemesters üben Biologen und Wirtschaftswissenschaftler Teamarbeit für eine Unternehmensberatung.

US-amerikanische Universitäten stärken Ihre Doktoren inhaltlich für den Arbeitsmarkt. Dieses Modell ließe sich auf Deutschland übertragen. Das Timing sollte verbessert werden. Es ist nicht sinnvoll, erst zu promovieren, um anschließend einen professionell master aufzusatteln. Für eine Karriere in der Wirtschaft ist ein Doktortitel selten nötig. Besser wäre eine solche Option schon im Master-Studiengang.

Einen professional master für deutsche Akademiker anzubieten, bevor sie promovieren, hat den Vorteil: Falls den Studierenden nach dieser Qualifizierung klar wird, dass sie doch lieber Wissenschaftler bleiben möchten und bei schlechter Bezahlung mehrere Jahre Lebenszeit in eine ungewisse Zukunft investieren wollen, steht ihnen diese Möglichkeit offen. Sie haben dann aber Erfahrungen, die sie im amerikanischen System erst als post doc sammeln können, schon vor der Entscheidung zur Promotion gemacht.