Der Plagiatsfall Schavan wurde öffentlich so intensiv diskutiert wie kein zweiter. Rechtsexperten, Wissenschaftsorganisationen und Journalisten veröffentlichten Einschätzungen dazu, wie der Fall zu sehen sei. Viele übten harsche Kritik an der Universität Düsseldorf. Deren Rektor, Michael Piper, ging vor wenigen Tagen in die Offensive: Einige Kritiker würden gegen den Rechtsstaat argumentieren, sagte er und forderte eine Entschuldigung. Damit hat Piper nicht Unrecht. Denn so sehr über den Fall öffentlich gestritten wird, so eindeutig ist er im Verwaltungsrecht; einige Kommentatoren vollziehen eine Art publizistische Selbstjustiz. Wir zeigen, welche Argumente fundiert sind und welche als realitätsfern abgestempelt werden können.

"Schavans Klage gegen die Universität hat vor Gericht gute Chancen"

Annette Schavan befindet sich nun im Rechtsstreit mit der Universität Düsseldorf. Darin geht es nicht mehr um die vieldiskutierte Wissenschaftlichkeit der Doktorarbeit, sondern um den Titelentzug als "Rücknahme eines begünstigenden Verwaltungsakts". Das ist nichts anderes als ein Führerschein-Entzug durch die zuständige Behörde. Es kommt nicht darauf an, ob die getroffene Fakultätsentscheidung die einzig mögliche oder richtige war, sondern lediglich, ob sie "vertretbar" ist. Das stellt etwa Volker Epping klar, Rechtsprofessor in Hannover und führendes Mitglied im Deutschen Hochschulverband der Universitätsprofessoren.

Die Philosophische Fakultät – in diesem Falle ganz Behörde – hat eine Ermessensentscheidung getroffen; sie gilt als "vertretbar", wenn sie nicht in sich widersprüchlich und nicht von offensichtlich sachfremden Erwägungen beeinflusst ist. Ansonsten gilt die Einschätzung der Behörde als vertrauenswürdig: "Vor dem Verwaltungsgericht begegnen sich Staat und Bürger nicht auf Augenhöhe", sagt Epping.

"Schavan ist nicht Guttenberg"

Schavans Vergehen seien nicht so schlimm und damit ein Grenzfall: Mit dieser Begründung fordert etwa der Publizist Wolfram Weimer ein milderes Urteil oder sogar den Freispruch. In diesem Fall ist es hilfreich, den offiziellen Untersuchungsbericht der Guttenberg-Kommission zu Rate zu ziehen, der wegen seines rechtswissenschaftlichen Tiefgangs von Juristen geschätzt wird. Darin heißt es: "Die Kommission geht in Anlehnung an die allgemein anerkannte Rechtsprechung davon aus, dass sich der Täuschungsvorsatz aus der Quantität und Qualität der objektiven Verstöße gegen die Standards guter wissenschaftlicher Praxis, also aus objektiven Indizien, herleiten lässt."