Annette SchavanBloß nicht zurücktreten!

Annette Schavan hat ihren Doktortitel verloren, die Opposition fordert den Rücktritt. Die Regierung sollte auf keinen Fall nachgeben, kommentiert Ruben Karschnick. von 

Kaum hat die Uni Düsseldorf ihr Urteil gefällt, ruft die Opposition: Schavan ist nicht mehr haltbar! Wer nicht richtig zitieren kann, sei des Ministeramtes nicht würdig. Eine Plagiatorin im Kabinett von Angela Merkel, eine Wissenschaftsministerin ohne Hochschulabschluss – unmöglich.

Wieso eigentlich?

Anzeige

Das Urteil der Uni Düsseldorf ist umstritten. Diverse Wissenschaftler haben sich in den letzten Monaten dazu geäußert, die Meinungen gehen weit auseinander. Wohlgesonnene sagen, die Ministerin habe den historischen Umständen entsprechend (kein Copy-Paste, keine Wikipedia) eine gute Arbeit eingereicht. Puristen sagen dagegen: Ein Plagiat ist ein Plagiat.

Ruben Karschnick
Ruben Karschnick

ist Redakteur im Ressort Studium bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Fest steht: Die Uni Düsseldorf hatte keine andere Wahl, als den Titel abzuerkennen. Ihr Risiko war, künftig in dem Ruf zu stehen, man nehme es nicht so genau mit wissenschaftlichen Standards. Das kann sich keine Hochschule leisten.

Doch Schavan hat keine Straftat begangen. Sie hat ein paar Anführungszeichen ausgelassen, im schlimmsten Fall mit Absicht, um ihre Arbeit ein bisschen besser erscheinen zu lassen.

Schavan hat nicht das Parlament belogen

Bei Karl-Theodor zu Guttenberg lag der Fall anders. Der ehemalige Verteidigungsminister hat sich vor das Parlament gestellt und gelogen. Ihm konnte nachgewiesen werden, dass mehr als 90 Prozent seiner Doktorarbeit geklaut war. Das sind echte Rücktrittsgründe. Schavan hat weder im Bundestag die Unwahrheit gesagt noch mit der Chuzpe Guttenbergs abgeschrieben.

Die Kanzlerin sollte gelassen bleiben. So manche Doktorarbeit in Deutschland würde der Überprüfung durch Internetaktivisten und Kommissionen nicht standhalten. Ginge es gerecht im Sinne schavanscher Maßstäbe zu, müsste eine Aberkennungswelle durch die Republik rollen. Die Regierung muss zeigen, dass es einen Weg gibt, mit den Fünden der Plagiatsjäger souverän umzugehen.

Es gibt einen viel besseren Grund, warum die CDU-Politikerin als Wissenschaftsministerin abtreten sollte: Ihre politische Arbeit. Schavans Bilanz darf man getrost als schwach bezeichnen. Ihr Prestigeprojekt, das Deutschlandstipendium, steht heftig in der Kritik. Und obwohl Schavan Studiengebühren für notwendig hält, schafften viele Länder sie ab. Darüber sollte man sprechen. Im kommenden Herbst gibt es wieder eine Gelegenheit, ihr den wichtigeren Titel abzuerkennen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Vorsätzliche Täuschung, keine abgeschlossene Berufsausbildung, Bildungsministerin...

    24 Leserempfehlungen
    • rrbd
    • 06. Februar 2013 7:21 Uhr

    ... solange sie den DoktorGRAD behalten darf ...

    2 Leserempfehlungen
  2. 11. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf haltlose Spekulationen. Die Redaktion/au

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • WeLi
    • 06. Februar 2013 7:29 Uhr

    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/au

    das in Düsseldorf die CDU das Sagen hat??

    Unglaublich mit was für Ausreden die Leute kommen.

  3. Und vieles Inhaltliche meiner Meinung nach auch. Es geht ja nicht, wie der Autor verharmlosen möchte, um ein paar ausgelassene Anführungszeichen. Wenn, wie zu lesen ist, 60% der Arbeit abgeschrieben sind, ist das keine Kleinigkeit und meiner Meinung nach schon ein Grund zum Rücktritt (der sicher bald kommen wird).

    19 Leserempfehlungen
  4. Natürlich müsste eine Aberkennungswelle durch Deutschland rollen.

    Es kann doch nicht sein, das man durch ein "bisschen" Betrügen alles verändern kann. Wir lassen ja auch keinen ewischten Einbrecher laufen, nur weil es andere gibt, die wir noch nicht erwischt haben.

    Irgendwo muss man eine Grenze ziehen und die muss man nicht künstlich nach unten korrigieren, denn die ist in der Politik schon tief genug.

    26 Leserempfehlungen
    • H.v.T.
    • 06. Februar 2013 7:29 Uhr

    " Ginge es gerecht im Sinne schavanscher Maßstäbe zu, müsste eine Aberkennungswelle durch die Republik rollen."
    ----

    Wer sagt, dass das nach den Überprüfungen von maßgeblichen Politikern mit Doktorgrad nicht weiter geht ?

    Oder steht zu vermuten, dass vorzeitig der öffentliche Zugang nun per Erlass oder Gesetz gesperrt wird ?

    12 Leserempfehlungen
    • WeLi
    • 06. Februar 2013 7:29 Uhr
    15. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/au

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  5. Bildungsministerin beim plagiieren erwischt:

    "Sie hat ein paar Anführungszeichen ausgelassen, im schlimmsten Fall mit Absicht, um ihre Arbeit ein bisschen besser erscheinen zu lassen."

    Schüler mit Spickzettel erwischt:

    Er hat ein Gedächtnisstütze zugelassen, im schlimmsten Fall mit Absicht, um seine Arbeit ein bisschen besser erscheinen zu lassen.

    28 Leserempfehlungen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Annette Schavan | Angela Merkel | Hochschule | Wikipedia | Arbeit | Bundestag
Service