PlagiatsvorwurfMerkel spricht Schavan ihr Vertrauen aus

Kanzlerin Merkel hat trotz der Aberkennung des Doktortitels "volles Vertrauen" in Annette Schavan. Die Ministerin will die Entscheidung der Uni Düsseldorf anfechten.

Kanzlerin Angela Merkel hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan  ihr "volles Vertrauen" ausgesprochen. Nach der Rückkehr der Ministerin aus Südafrika werde "Gelegenheit sein, in Ruhe miteinander zu reden", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert als Reaktion auf die Aberkennung des Doktortitels.

Schavan hatte bereits erklärt, trotz des Entzugs ihres Doktortitels nicht als Ministerin zurückzutreten. "Die Entscheidung der Universität Düsseldorf werde ich nicht akzeptieren und dagegen Klage einreichen. Mit Blick auf die juristische Auseinandersetzung bitte ich um Ihr Verständnis, dass ich heute keine weitere Stellungnahme abgeben werde", sagte sie in der südafrikanischen Stadt Johannesburg.Die Universität Düsseldorf hatte Schavan am Dienstag nach neun Monaten Prüfung wegen "vorsätzlicher Täuschung" in ihrer Promotionsarbeit den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel entzogen. Im zuständigen Fakultätsrat hatten 12 von 15 stimmberechtigten Mitgliedern für die Aberkennung des Titels votiert. Es gab zwei Nein-Stimmen und eine Enthaltung.

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Schavan hatte schon am Vorabend über ihre Anwälte erklären lassen, sie werde gegen die Entscheidung klagen. Der Prozess könnte sich über Monate hinziehen und durch weitere Instanzen gehen. Die Uni-Entscheidung ist somit noch nicht rechtskräftig.

Mehrere Oppositionspolitiker fordern den Rücktritt der CDU-Politikerin. "Frau Schavan ist als Wissenschaftsministerin nicht mehr glaubwürdig. Sie muss daraus ihre Konsequenzen ziehen", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte, eine Wissenschaftsministerin, der eine grobe Missachtung wissenschaftlicher Regeln nachgewiesen wurde, sei nicht länger tragbar. "Ich gehe davon aus, dass Frau Schavan sich und der Wissenschaft die Verlängerung dieser Affäre erspart und ihren Rücktritt erklärt."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, fordert ebenfalls einen schnellen Rücktritt Schavans. "Frau Schavan hat nicht so dreist getäuscht wie Guttenberg. Aber geschummelt ist geschummelt", sagte er. Als Vorbild für junge Doktoranden, die die wissenschaftlichen Regeln unbedingt einhalten wollen und müssen, sei Schavan denkbar ungeeignet. Der Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Michael Grosse-Bröhmer, dagegen unterstützt Schavan: "Die Entscheidung der Ministerin, gegen die Aberkennung ihres Doktortitels zu klagen, halte ich für richtig", sagte er. Daran ändere auch die Entscheidung der Universität Düsseldorf nichts.

Schavan ist nach dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) das zweite Regierungsmitglied im Kabinett Merkel, dem wegen Plagiatsvorwürfen der Doktorgrad entzogen wird. Die Ministerin, eine enge Vertraute Merkels, hatte Plagiate und eine Täuschungsabsicht in ihrer Doktorarbeit stets bestritten und die Prüfung durch die Uni selbst mit angeregt.
 

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Leserkommentare
  1. >> Ich schätze das wird nicht ihr letztes Wort sein und sie wird den nötigen Anstand haben zu gehen bevor es für sie peinlich wird. <<

    ... da nicht die Vergangenheitsform? Wäre sie gegangen bevor es peinlich wurde, wäre sie doch längst weg.

    Antwort auf "Peinlich!"
  2. ...wenn ihr es ganz nach oben bringen wollt: macht es wie eure vorbilder. schummeln, täuschen, aussitzen.

    sonst bringt ihr zwar gesellschaft und wissenschaft voran, euch selbst aber nicht.

    4 Leserempfehlungen
  3. Was kostet eine solche Klage gegen die Uni?

    Wieviel Gehalt bekommt Frau Schavan bis zur Klärung (vor dem letztmöglichen Gerich) als Ministerin noch.

    Wieviel höher ist ihre Ehrenrente als Ministerin a.D. (siehe Wulf), wenn sie noch ein paar Monate durchhält?

    Ich denke, Frau Schavan wird wissen was sie tut, und warum sie es macht.

    Natürlich ist auch ihr Ruf ruiniert - das ist der aber so oder so. Jeder, der ihr die Hand gibt, an dem sie vorbeigeht, dem sie den Rücken zuwendet oder auch jeder unvoreingenommene Mitbürger erinnert sich an ihre Doktorarbeit ....

    3 Leserempfehlungen
  4. Da Sie sich offenbar keinerlei Mühe beim Verfassen Ihrer Kommentare machen, erspare ich mir die Mühe, darauf zu antworten.
    Nix gegen Tippfehler, die im Eifer des Gefechts schon mal vorkommen. Aber das, was Sie hier in den Kommentarbereich gehackt haben, ist einfach unterirdisch.
    Sorry, aber ich glaube, daß Ihnen das mal jemand sagen muß.

    Antwort auf "nach 33 jahren...."
  5. Jeder Mensch mit einem Mindestmaß an Anstand würde nun sofort zurücktreten.

    Aber wenn Frau Schavan anständig wäre, dann wäre sie ja gar nicht in dieser Lage.

    Die Schlammschacht möge beginnen, Frau Schavan schreit förmlich danach.

    Eine Leserempfehlung
  6. 1. Ein Finanzminister, der mit schwarzen Kassen zu tun hat.
    2. Eine Bundeskanzlerin, die rote Linien nur deswegen nicht überschreitet, weil sie immer neue zieht.
    3. Ein Parteivorsitzender, der Fahrerflucht begangen hat.
    4. Ein Verteidigungsminister, der seitenweise in seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat.

    Und jetzt 5. Frau Schavan, die nicht einsehen möchte, dass man als Bildungsministerin einen untadeligen Ruf ob seiner wissenschaftlichen Arbeiten braucht.

    Anstand und Schamgefühl sind für die Dame wohl ein Fremdwort, sonst würde sie es annehmen, dass sie Mist gebaut hat.

    3 Leserempfehlungen
  7. Vielleicht haben dann die unzähligen Beschäftigten ohne Hochschulabschluss die Chance auf eine tarifliche Höhergruppierung, die meist an einem Studienabschluss hängt, obwohl es keine Leistungsunterschiede zwischen Mitarbeiter/innen mit und ohne Abschluss gibt.

    Eine Leserempfehlung
  8. >> Aber vor 33 Jahren war die Doktorarbeit
    noch Arbeit mit der echten Hand <<

    ... nahelegen, man würde es selbst nicht merken, wenn man seitenweise "mit der echten Hand" abtippt?

    Wenn man das glauben würde, müsste man andere Defizite vermuten.

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