Plagiatsverfahren : Uni Düsseldorf erkennt Schavan den Doktorgrad ab
Seite 2/2:

Unterstützung aus der CDU, Rücktrittsforderungen aus der Opposition

Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer bezeichnete das Vorgehen der Universität Düsseldorf als "Farce". "Es war von Anfang an ein unfaires Verfahren", sagte er. Immer wieder sei mit gezielten Indiskretionen Rufschädigung betrieben worden. Die Standards guter wissenschaftlicher Praxis seien nicht eingehalten worden. "Das Procedere ist keine wissenschaftliche Überprüfung, sondern eine politisch motivierte Kampagne gegen eine sehr erfolgreiche Bundesforschungsministerin", sagte er.

Der Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann, der sich zurzeit mit Schavan in Südafrika aufhält, twitterte von unterwegs:

Auch die CDU in ihrem Wahlkreis sieht keinen Grund für Zweifel an der Bundesbildungsministerin. Die Entscheidung der Uni Düsseldorf mache endlich den Weg frei für eine rechtliche Prüfung, sagte der Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Alb-Donau/Ulm, Paul Glökler. Er sei überzeugt, dass seine Parteifreundin ihren Titel am Ende zurückbekomme.

Opposition fordert Rücktritt

Für den Ulmer CDU-Fraktionschef, Thomas Kienle, hat die Universität nur "eine vorgefertigte Meinung bestätigt". Positiv sei, dass im nun kommenden Klageverfahren die Betroffene gehört werden könne. Trotz der Plagiatsvorwürfe war Schavan erst Ende Januar in ihrem Heimatwahlkreis wieder als CDU-Bundestagskandidatin aufgestellt worden. 96 Prozent der Delegierten des Kreisverbands Alb-Donau/Ulm stimmten für die 57-Jährige.

Unmittelbar vor dem Beginn der Fakultätsratssitzung hatten Politiker von der SPD und den Grünen gesagt, dass Schavan bei einem Verlust des Doktortitels ihren Ministerposten abgeben müsse. Klar sei, dass bei einer Aberkennung des Titels "Frau Schavan nicht Bundesministerin bleiben kann", sagte der SPD-Bildungsexperte Ernst Dieter Rossmann der Welt. Die Grünen-Wissenschaftsexpertin Krista Sager sagte der Zeitung: "Für den Fall, dass die Universität Frau Schavan den Doktorgrad entzieht, kann sie nicht Ministerin für Bildung und Forschung bleiben."

Anzeige

Forschende Fachhochschulen

Die deutschen Fachhochschulen entwickeln sich von reinen Lehranstalten zu Schmieden der anwendungsbezogenen Forschung - unterstützt von Politik und Wissenschaftsrat.

Mehr erfahren >>

Kommentare

548 Kommentare Seite 1 von 59
Der Kommentarbereich dieses Artikels ist geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Das macht einen in der Tat nachdenklich

Sie schreiben: "Totschlag verjährt nach 30 Jahren und die Uni D...dorf hat ja mehr als 30 Jahre den Doktortiel anerkannt. Was ein Land, in dem wir hier leben."

Meines Erachtens bleibt nichts anderes übrig, als auch in diesem Bereich Verjährungsfristen einzuführen. Wenn eine Uni, sagen wir einmal, zehn Jahre lang einen Doktorgrad anerkannt hätte, könnte sie ihn dann nicht mehr entziehen. Eine solche oder eine ähnliche Regelung wird man künftig wohl per Gesetz vorschreiben müssen.

Die weitere Verrechtlichung des universitären Bereiches ist offenbar überfällig und notwendig: leider!

Gutachter

An dieser Stelle soll einmal das Augenmerk auf den Zweitgutachter von Frau Schavans Dissertation, Herrn Prof. Dr. Werner Heldmann, gerichtet werden.
In der Dissertation von Rudolf Hars: Die Bildungsreformpolitik der Christlich-Demokratischen Union in den Jahren 1945 bis 1954. Ein Beitrag zum Problem der Konservatismus in der deutschen Bildungspolitik ist im Vorwort (S. XIII) über Herrn Prof. Heldmann zu lesen:
„Eine kritische Beschäftigung mit dem deutschen Konservatismus läuft seit je Gefahr, auch politische Neuralgien zu wecken.
Daß diese Dissertation an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln dennoch zu einem guten Ende geführt werden konnte, verdanke ich vor allem den vielfältigen Anregungen der Herren Prof. Dr. A. Gail (Doktorvater, Universität Köln), Prof. Dr. G. van Norden (Drittgutachter, Gesamthochschule Wuppertal) sowie Prof. Dr. W. Keim, der Herausgeber der Arbeit.
Als Zweitgutachter war Herr Prof. Dr. W. Heldmann (Universität Düsseldorf) tätig.
Köln, den 6. Februar 1981 Rudolf Hars“

Sie verwechseln Studium und Berufsausbildung.

Das Studium ist das Äquivalent zu einer Berufsausbildung. Sonst hätten ja alle die Diplomer wie ich z.B. keine Berufsausbildung und dürften gar nicht arbeiten.

Und die Mediziner, die auch keine andere Berufsausbildung haben, "nur" das Studium und den Facharzt, hätten nach Ihrer Theorie keine Befähigung als Mediziner zu arbeiten.

Ein Studium ist aber die akademische Berufsausbildung.

Aber niemand überspringt einfach so das Diplom oder den...

... Magister.

Ich kenne nur ein Beispiel in der Biologie, wo das der Fall war und einen, wo ein Doktorand direkt zum Jun.-Prof. ernannt wurde.

Bei denen gehörte eine Menge Können dazu, wie es bei Schavan war weiß ich nicht, aber trotz des Übersprunges besitzt sie einen Uni-Abschluss, so steht es nun mal geschrieben. Kann man doof finden, ist aber so.

@Phronesis: Es gab bis in die 90ger Jahre ....

... in vielen Studieengängen die Möglichkeit, den einzig möglichen Abschluß Promotion = Direktpromotion!
.
Nur weil Heute jemand versucht, die Löcher in einer Wählscheibe zu drücken und das nicht geht,(da fehlt historische Erfahrung) war und ist es möglich, mit Wahlscheiben Telefonverbindungen zu bekommen :))
.
Glaub es doch bitte, ich und auch einige hier kennen wohl mehrere Leute, die mit einer Direktpromotion ihr Studium abgeschlossen haben.
.
Sikasuu

Ich glaube Ihnen ja, aber es geht um etwas anderes.

Ich kenne aus meinem Studium auch eine (!), die direkt zur Doktorarbeit übergangen ist und die Diplomarbeit nicht machte.

Dieser würde aber, im Falle der Aberkennung ihrer Doktorarbeit, der Grad einer Diplomabsolventin zufallen, so dass sie einen Uni-Abschluss und damit das Äquivalent zur Berufsausbildung mit Abschluss hat.

Und ich meine, das wäre bei Schavan dann auch der Fall, dass sie sozusagen auf den Magister zurückfällt.

- ABER: ich bin absolut kein Anhänger der Frau Schavan, ihre Deformierung unseres Studiensystems wird noch mehr böse Überraschungen aufweisen, spätestens in ein paar Jahren,

Was ist daran schlimm?

Seit wann wird man eines Berufes habhaft nur indem man darin eine Ausbildung abgeschlossen hat? Im Handwerksbereich ist es üblich jemanden ab einer bestimmten Zeit PRaxisarbeit zb als Lüftugnstechniker zu bezeichnen. Auch wenn er niemals die 3-Jährige Ausbildung absolviert hat.

Die von Ihnen erwähnte Grünen-Politikerin ist sehr wohl theologin, denn das wissenschaftliche Arbeiten setzt keinen Abschluss voraus. Auch ist der Begriff Theologe noch nicht einmal ein geschützer.

Insofern mal den Ball flach halten.

Shakespeare: "Wer durch Schuld steigt, fällt durch die Tugend"

... dafür gibt es keine Verjährungsfrist. Die Zeit ist lediglich der Maßstab, bis die Schuld von der Tugend ausgeglichen wird.

Sie können dies auch als Mechanismus des Gewissens begreifen. Der Volksmund nennt das ausgleichende Gerechtigkeit. Allerdings ist dies alles unter dem falschen Determinismus unserer Menschenära angesiedelt, die sich auf die platonische Mindfucking-Logik bezieht.

Daher leben wir immer noch nach der Athener Schule der Dekadenz und bezeichnen das als Bildung.

Haben Sie noch in Erinnerung wieviele "Rohrkrepierer"

Gasschröder seinerzeit produziert hat? Manche Dinge eignen
sich einfach nicht für den ideologischen Politiktanz.
Was glauben Sie, was herauskäme, wenn man die Promotionen
der Opposition mit gleicher Energie untersuchte? Ich schätze 2:1 für Aberkennung. Hier ist eine Bombe losgetreten worden.Mancher SPD-Freund hat das noch gar nicht erkannt.

Der Kommentarbereich dieses Artikels ist geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis.