PlagiatsverfahrenUni Düsseldorf erkennt Schavan den Doktorgrad ab

Annette Schavan hat in ihrer Dissertation nicht korrekt zitiert. So urteilte die Uni Düsseldorf und entzog ihr den Doktorgrad. Schavan will die Entscheidung anfechten.

Die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universtität entzieht Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Doktortitel. Der zuständige Fakultätsrat habe im Plagiatsverfahren mit zwölf Stimmen für die Aberkennung gestimmt, teilte der Ratsvorsitzende, Professor Bruno Bleckmann, mit. Zwei Mitglieder stimmten dagegen, eines enthielt sich.

Der Rat habe es als erwiesen angesehen, "dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte". Der Rat habe eine "vorsätzliche Täuschungsabsicht" festgestellt, heißt es in der Stellungnahme der Universität.

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Dem Rat der Philosophischen Fakultät gehören 19 Mitglieder an, von denen 15 stimmberechtigt sind. Das Gremium hatte das Hauptverfahren gegen Schavan vor zwei Wochen eröffnet. Es folgte damit einer Empfehlung des Promotionsausschusses.

Schavan will gegen die Aberkennung gerichtlich vorgehen. Das ließ sie über ihre Anwälte mitteilen. "Die Entscheidung ist in einem fehlerhaften Verfahren zustande gekommen uns sie ist auch materiell rechtswidrig", hieß es in einer Erklärung.

Bildungsministerin ohne Hochschulabschluss

Schavan hatte zuletzt mögliche Flüchtigkeitsfehler beim Verfassen der Dissertation nicht ausgeschlossen, Plagiatsvorwürfe aber zurückgewiesen. Die Promotion ist Schavans einziger Studienabschluss, sie besitzt somit keinen Hochschulabschluss mehr.

Die Kritik an der Dissertation der Ministerin war erstmals im April 2012 im Internet aufgetaucht. Die Tragweite der angeblichen Zitierfehler ist unter Wissenschaftlern umstritten. Schavan hält sich derzeit zu einer fünftägigen Reise in Südafrika auf, wo sie politische Gespräche über berufliche Bildung und Wissenschaftskooperation führt.

Schavan hatte gesagt, sie wolle auch nach der Bundestagswahl Ministerin bleiben. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Schavan gestützt und gesagt, sie habe volles Vertrauen in die Arbeit der Ministerin.

Leserkommentare
  1. 513. Njet...

    Locker bleiben. Ich habe Guttenberg gewiss nicht als Maßstab angegeben, sondern lediglich ins Verhältnis gesetzt.
    Es gibt unterschiedliche Qualitäten des Plagiierens.

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  2. Ich wusste gar nicht, dass auch Promotionsausschüsse und Fakultätsräte nach Parteibuch besetzt werden.

    Geht noch ein bisschen mehr Verschwörungstheorie?

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  3. Für mich stellt sich die Frage ob eine Begründung der Uni-Düsseldorf soviel Vertrauen geniesst, dass sie einer zweiten oder dritten Fachmeinung stand hält.

    Bei Standard & Poor's hat es auch einige Jahre gedauert bis die US-Regierung vermutete Zweifel in Tatsachen umändern konnte, so das daraus eine scheinbar gerechtfertigte Anklageschrift der US-Regierung formuliert werden konnte. Ich plädiere also dafür das man die Gegenklage abwarten muss. Rücktrittsforderungen sind für mich derzeit nur populistisch.
    Übrigens bin seit 50 Jahren SPD-Wähler , also bitte…….

  4. Ich stelle beim Lesen der Kommentare immer wieder fest, dass Schadenfreude die größte Freude ist.

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  5. Wenn der Titel einmal eingetragen ist, bleibt er es natürlich, es sei denn, man beantragt erneut eine Änderung. Dennoch muss man die erste Eintragung beantragen, ganz so, wie Sie es geschildert haben, eine Automatismus gibt es da nicht: Mein Personalausweis wurde nach 10 Jahren turnusmäßig erneuert, selbstverständlich ohne "Dr.". Meine Urkunde hängt übrigens bei meinen Eltern - ich wette Dr. Guttenberg hatte sie im Büro, oder wenigstens im Wohnzimmer :)

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    • vetus
    • 06. Februar 2013 14:57 Uhr

    Unverständlich bleibt, dass Frau Ministerin Schawan es nicht vermochte, rechtzeitig zurückzutreten, um Schaden für sich und ihr Amt so weit möglichst zu vermeiden. Wahrscheinlich sind in so einem Fall seltsame psychische Abwehrmechanismem im Spiel.

    Eine Chance, die Angelegenheit durchzustehen hatte die Ministerin nicht, wenn man sich unter schavanplag.wordpress.com den Plagiatsbefund ansieht (dabei haben ihr auch vor 30 Jahren allein die nicht zitierten Quellen Anschauung genug geboten, wie mit Zitaten umzugehen ist).

    So bleibt es zu hoffen, dass der Rücktritt jetzt schnell geschieht und Frau Schawan auf weitere unnötige und aussichtslose Zur-Schau-Stellung ihrer selbst vor einem Gericht verzichtet.

  6. "Es sollten nach und nach sämtliche Doktorarbeiten überprüft
    werden. Nur so kann der Wert des Doktortitels wiederhergestellt werden."

    Es geht einfacher: Wir sollten den "Dr." als "Titel" abschaffen, dann wäre der akademische DoktorGRAD das, was er sein sollte, nämlich Nachweis einer wissenschaftlichen Leistung und nicht Karriereöffner.

    Hat übrigens die "Völlblutwissenschaftlerin" Schavan weitere Publikationen außer ihrer Dissertation vorzuweisen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte Annette Schavan | Düsseldorf | CDU | Angela Merkel | Grüne | SPD
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