Kritik am Plagiatsverfahren : Düsseldorfer Uni-Rektor fordert Entschuldigung

In der Plagiatsaffäre um Annette Schavan wurde die Uni harsch kritisiert. Nun wehrt sich ihr Rektor. Zwei prominente Kritiker sollen sich entschuldigen.

Michael Piper, der Rektor der Universität Düsseldorf, verlangt in einem offenen Brief eine Entschuldigung von Kurt Biedenkopf und Ernst-Ludwig Winnacker. Der einstige CDU-Politiker Biedenkopf und der ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft Winnacker hatten die Universität in Zeitungsartikeln massiv angegriffen, nachdem sie der CDU-Politikerin Annette Schavan den Doktorgrad entzogen hatte. Piper richtet sich nun gegen "Beschimpfungen"und "ehrabschneidende" Darstellungen.

Biedenkopf, emeritierter Juraprofessor und einstiger Ministerpräsident von Sachsen, hatte in einem Beitrag in der "Welt" vom 9. Februar behauptet, die Fakultät habe Schavan ohne "belastbare Beweise" der Täuschung bezichtigt, der Verfasser der "Sachstandsermittlung", der Judaistikprofessor Stefan Rohrbacher, habe sich "in seinem Eifer, die ,CDU-Politikerin’ und ihr Tun besonders streng zu bewerten, nicht auf seinen Auftrag beschränkt, Verstöße gegen die Regeln festzustellen". Er habe sich "dazu hinreißen" lassen, "die Entstehung der Regelverletzungen auch rechtlich zu bewerten", schreibt der 83-jährige Biedenkopf und betont, die Fakultät habe Schavan stets als "CDU-Politikerin" charakterisiert. Die Universität habe es dann versäumt, Schavan und ihren Doktorvater mündlich anzuhören und einen "Drittgutachter" zurate zu ziehen. Die Fakultät sei "ein Ort des Skandals", Schavan habe mit ihrer Klage gegen das Verfahren gute Chancen auf Erfolg.

Der Düsseldorfer Rektor Piper wendet sich in seinem Schreiben vom Freitag gegen "eine Reihe von falschen Darstellungen", vor allem gegen den von Biedenkopf erweckten Eindruck, die Fakultät sei politisch gegen Schavan eingenommen gewesen: Die Unterstellung, Rohrbacher habe sich vom Eifer gegen "die CDU-Politikerin" leiten lassen, sei "ehrabschneidend" und grenze an "üble Nachrede": "Ich erwarte Ihre Entschuldigung", schreibt Piper.

Auch von Winnacker verlangt er eine Entschuldigung. Der 71-Jährige hatte der Universität in der Süddeutschen Zeitung vom 13. Februar eine "Hetzjagd" auf Schavan vorgeworfen. Winnackers "aus der Luft gegriffene Beschimpfungen" seien "beispiellos unter den vielfältigen Meinungsäußerungen im Fall Schavan". Auch sei Winnackers Behauptung, es gebe in Deutschland "keine Mechanismen, um mit wissenschaftlichem Fehlverhalten umzugehen", falsch, denn die Uni sei dem Gesetz Nordrhein-Westfalens und der Promotionsordnung gefolgt. Winnackers Ruf "Es wird Zeit, dass endlich jemand die Dinge in die Hand nimmt" zeuge "von einem abenteuerlichen rechtsstaatlichen Verständnis" und stehe auch "in krassem Gegensatz zur grundgesetzlichen Garantie der Freiheit der Forschung, die ihren unmittelbaren Ausdruck in der wissenschaftlichen Autonomie der Hochschulen findet".

Die Universität Düsseldorf sieht sich seit Monaten massivem Druck ausgesetzt. Zahlreiche Wegbegleiter Schavans aus der Wissenschaftspolitik haben sich mit Kritik eingeschaltet, sogar die Allianz der zehn großen Forschungsorganisationen. Aus der Korrespondenz Pipers mit Biedenkopf geht hervor, dass das Verfahren der Uni auch hinter den Kulissen beeinflusst werden sollte. Piper erwähnt ein Schreiben Biedenkopfs vom Oktober an die Uni, auf das er ihm "in aller Höflichkeit" geantwortet habe.

Auf ihrer Homepage antwortet die Uni auf Fragen zu ihrem Vorgehen und erwähnt auch "Interventionsversuche" von Dritten, für die "politische Motive" nicht auszuschließen seien. Vor allem hätten sich Stimmen aus Einrichtungen zu Wort gemeldet, die vom Bundeswissenschaftsministerium finanziell abhängig sind, "sie dürfen also durchaus als befangen angesehen werden".

Erschienen im Tagesspiegel

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Kommentare

101 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Weil schon Ihr Vergleich schlecht ist ...

"Und wenn sie 50 Jahre

ohne Führerschein Unfallfrei gefahren sind, bekommen sie den auch nicht geschenkt wenn sie erwischt werden.

Warum hier Ausnahmen machen?"

Sie bauen den falschen Vergleich: Frau Schavan hat sich die Doktorurkunde nicht imaginiert und den Doktorgrad nur vor den Namen gepappt, ohne jemals die dazugehörigen Prüfungen absolviert zu haben. Das hat aber ihr "Falschfahrer", der sich die Fahrerlaubnis einfach imaginär selbst ausgestellt hat. Deshalb paßt der Vergleich nicht.

Lesen ist wohl nicht Ihre Stärke...

Lesen Sie noch mals Paragraph 2 Abs. 8 durch.

"Werden Tatsachen bekannt, die Bedenken gegen die Eignung oder Befähigung des Bewerbers begründen, so kann die Fahrerlaubnisbehörde anordnen, dass der Antragsteller ein Gutachten oder Zeugnis eines Facharztes oder Amtsarztes, ein Gutachten einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung oder eines amtlichen anerkannten Sachverständigen oder Prüfers für den Kraftfahrzeugverkehr innerhalb einer angemessenen Frist beibringt."

Wo steht hier etwas, dass dieser nicht bestraft wird, weil er ohne Fahrerlaubnis gefahren ist? Wo steht, dass er es ohne eine schriftliche und praktische Prüfung es weiterhin darf?

Sie reden Unsinn und das am laufendem Band.

Herausgabeanspruch ist eine Sache, Ersitzung eine andere, insbesondere wenn gutgläubiger Erwerb ausgeschlossen werden kann.

Und selbst wenn man Frau Schavan Gutgläubigkeit attestierte, so mal im Scherz, was dann?

Anerkennung einer eigentlich nicht doktorwürdigen Arbeit wie im Fall Althusmann? Dass große Teile ihrer Arbeit abgekupfert sind und damit nicht wissenschaftlichen Standards entsprechen ist offenkundig. Täte man Frau Schavan einen Gefallen, wenn man dies im Verfahren ermittelte und ihr ihren Titel in Schande trotzdem ließe?

Ja, genau das

"Anerkennung einer eigentlich nicht doktorwürdigen Arbeit wie im Fall Althusmann?"

Das sieht die einzig zuständige Stelle anders als Sie. Sie entscheiden das nicht.

"Dass große Teile ihrer Arbeit abgekupfert sind und damit nicht wissenschaftlichen Standards entsprechen ist offenkundig."

Ist es nicht. "abgekupfert" = Täuschung. Ich bin gespannt, wie das Gericht das sieht. Ich bin nicht so gut mit dem Gehirnscan, so wie viele Diskutanten hier und anderswo in der jüngeren Vergangenheit ...

"Täte man Frau Schavan einen Gefallen, wenn man dies im Verfahren ermittelte und ihr ihren Titel in Schande trotzdem ließe?"

Ja, denn erstens ist das Ganze kein "Titel in Schande lassen", das ist mir zuviel Trommelwirbel und Gejohle.

Schwerer als ihre miese Arbeit wiegt die allgemeine Rechtssicherheit, der Rechtsfrieden nach Verjährung. Denn hätte hier eine Verjährung sofort gegriffen, hätte sie nur eine Fachdiskussion geführt, mehr nicht. Die kann man aber auch mit fast jedem promovierten Mediziner führen, denn deren Arbeiten sind fachbereichsbezogen meist lachhaft simpel. Da meckert aber komischerweise niemand - außer in der Scientific Community. Und da auch nur verhalten.

So mußte sie zurücktreten, weil sie vor Gericht ziehen mußte. Was passiert denn, wenn sie vor Gericht Recht bekommt? Wiedereinsetzung in Amt und Würden?

Wohl kaum.

Auch die miesesten Taten müssen irgendwann Schnee von gestern sein, abgesehen von Mord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das hat sich bewährt.