PromotionWas müssen Doktorväter wirklich können?

Wenn ein Doktortitel wegen Plagiats aberkannt wird, steht auch die Qualität der Betreuer und Gutachter infrage. Nicht alle Doktorväter haben dieselbe Qualifikation. von 

Wenn in einer Doktorarbeit etwas schiefgeht, sind auch betreuenden Professoren schuld. Diese These vertritt der frühere Präsident der Hochschulrektorenkonferenz George Turner. Er entlastet damit vor allem die frühere Bundesministerin Annette Schavan vom Plagiatsvorwurf. Turners These ist sehr umstritten, aber sie wirft die wichtige Frage auf, wie bei Dissertationen nicht nur die Qualität der Prüflinge, sondern auch die der Prüfer sichergestellt wird.

Über die Güte einer Doktorarbeit entscheidet immer der jeweilige Fachbereich, und zwar nach Vorschlag von zwei Gutachtern. Wer kann Gutachter werden? Wer darf also Doktorarbeiten prüfen?

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Grundsätzlich gibt es die Mindestanforderung an alle Prüfer, dass sie selbst das Examen abgelegt haben müssen, das sie anderen abnehmen. Alternativ müssen sie etwas "Gleichwertiges" vorweisen können. So brauchen beispielsweise Master-Prüfer einen Magisterabschluss oder ein Diplom. Ein Universitätsprofessor kann in seiner Fachwissenschaft alles prüfen, also auch Doktorarbeiten. Denn für die Berufung ins Amt hat er oder sie in der Regel promoviert und zusätzliche Leistungen erbracht. Traditionell ist das meist die Hochschullehrerprüfung (Habilitation).

Titel in der Hochschul-Hierarchie

Titel markieren Unterschiede und Distanzen in der akademischen Welt. Alle hier genannten wissenschaftlichen Hochschullehrer können Doktorarbeiten betreuen und prüfen.

Professor ist die Dienstbezeichnung für Hochschullehrer. Sie forschen und lehren  selbständig und ohne Weisung von anderen an Universitäten, Fach- und Kunsthochschulen forschen.

Als Juniorprofessoren werden Nachwuchswissenschaftler bezeichnet, die promoviert sind und eine Zeitstelle haben. Sie können sich über sechs Jahre zum Professor weiterqualifizieren.

Außerplanmäßiger Professor ist der Titel für Uni-Mitarbeiter, denen der jeweilige Fachbereich eine quasi-professorale Qualifikation zuerkennt, aber keine entsprechende Stelle schafft. Traditionell geht der Namenszusatz nach mehreren Berufsjahren an herausragende Privatdozenten, etwa an Unikliniken. An Unis an Rhein und Ruhr ist dafür kein Doktorgrad nötig. In manchen Bundesländern bekommen ausscheidende Juniorprofessoren den Namenszusatz als Abschiedsgeschenk verliehen.

Privatdozenten

Privatdozenten haben nach dem Doktorexamen zusätzlich die traditionelle Hochschullehrerprüfung (Habilitation) bestanden. Sie hoffen auf eine Professorenstelle. Um den Titel Privatdozent zu behalten, müssen sie in jedem zweiten Semester zwei Wochenstunden lehren.

Honorarprofessor ist ein Titel, den die Fachbereiche überragenden Vertretern der Berufswelt (Manager, Anwälte, Politiker) verleihen. In manchen, aber nicht allen Bundesländern sind Lehrverpflichtungen damit verbunden.

Kunsthochschulen unterscheiden noch zwischen wissenschaftlichen Professuren (etwa für Musikgeschichte) und künstlerischen Professuren (etwa für Flöte).

Es gibt aber auch andere Wege zu einem Professorentitel und damit zum Promotionsrecht. So gibt es etwa an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) einen Prüfer für Doktorarbeiten, der selbst weder habilitiert noch promoviert ist. Er hat an der DSHS, bevor sie 1970 Universität wurde, ein Sport-Diplom gemacht. Damit wurde er anschließend Lehrkraft für "Bewegungskultur und -gestaltung", also Tanzen. Auf diesem Gebiet bescheinigte ihm seine Hochschule 2005 besondere akademische Fähigkeiten und ernannte den Mitarbeiter zum außerplanmäßigen Professor.

Leserkommentare
  1. Eigentlich nichts, oder nichts Vergleichbares wie in der freien Wirtschaft.

    • Bashu
    • 20. März 2013 16:32 Uhr

    "Er entlastet damit vor allem die frühere Bundesministerin Annette Schavan vom Plagiatsvorwurf."

    Also die Betreuer sind eigentlich Schuld, denn sie haben ja nicht gemerkt dass ihr Doktorand betrügt. In einigen Fachgebieten wo z.B. experimentelle Forschung betrieben wird ergibt sich die Arbeit aus den Experimenten, dass macht auch eine Plagiesierung unwahrscheinlich.
    In den Geisteswissenschaften, wo eine Dissertation ein einzelner großer Erguss ist, manchmal völlig ohne experimentelle Basis, ist das natürlich schwieriger. Aber ich stelle mir die Frage: Bei Tausenden bis Zehntausenden an fachliche relatierten Arbeiten, wie soll ein Doktorvater da noch das Plagiat finden? Hier muss professionelle Software her, das kann ein Mensch alleine eigentlich nicht bewältigen...

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    Wenn bei einer Doktorarbeit etwas schief läuft, gibt es, denke ich, alle Möglichkeiten, wer Mitschuld trägt oder auch nicht.
    Oft haben sicher beide einen Anteil, ohne dass das einen der Beteiligten ausdrücklich entlastet. Die Möglichkeiten, dass nahezu ausschließlich der Doktorand oder vorwiegend der Professor Fehler gemacht haben, gibt es auch, und das Fehlverhalten des einen kann den anderen entlasten oder auch nicht - was ich sagen möchte: wirklich fair beurteilen lässt sich eine solche Situation sicher nur, wenn die Umstände in allen Einzelheiten geklärt sind; jemanden von Status wegen etwas in die Schuhe schieben oder ihn von kritischen Betrachtungen ausnehmen zu wollen, ist mit Sicherheit ungerecht. - Was man bei allem sicher nicht vergessen darf, ist aber, dass der Professor fast immer am längeren Hebel sitzt, gerade deswegen sollte man ihm vielleicht _auch_ genau auf die Finger schauen...

  2. Wenn bei einer Doktorarbeit etwas schief läuft, gibt es, denke ich, alle Möglichkeiten, wer Mitschuld trägt oder auch nicht.
    Oft haben sicher beide einen Anteil, ohne dass das einen der Beteiligten ausdrücklich entlastet. Die Möglichkeiten, dass nahezu ausschließlich der Doktorand oder vorwiegend der Professor Fehler gemacht haben, gibt es auch, und das Fehlverhalten des einen kann den anderen entlasten oder auch nicht - was ich sagen möchte: wirklich fair beurteilen lässt sich eine solche Situation sicher nur, wenn die Umstände in allen Einzelheiten geklärt sind; jemanden von Status wegen etwas in die Schuhe schieben oder ihn von kritischen Betrachtungen ausnehmen zu wollen, ist mit Sicherheit ungerecht. - Was man bei allem sicher nicht vergessen darf, ist aber, dass der Professor fast immer am längeren Hebel sitzt, gerade deswegen sollte man ihm vielleicht _auch_ genau auf die Finger schauen...

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  3. Zu Kommentar 3: "Andererseits sagt es nichts bis wenig über die tatsächliche Eignung eines Professors zur Betreuung einer Doktorarbeit, ob er diese formale Voraussetzung hat oder nicht."
    Tatsächlich halten sich die Landesgesetze an die formale Eignung (wie auch das HRK). Siehe auch Waldeyer bei Hailbronner (hg.), Kommentar zum HRK § 15 Rd.nr. 41: "Das Prüfungsorgan, das die Prüfer bestellt, wäre nämlich überfordert, wenn es die Gleichwertigkeit der Qualifikation beim Fehlen formeller Qualifikationsnachweise eigenständig feststellen müssste."

    Ingenieurprfessoren sind heute - auch an FHs - durchweg Dr. Ing.
    Zu Kunsthochshculen zitiert der ASrt. die Promotionsordnung der Musikhochschule Köln. Nach dem zugrundelieenden Kunsthochschulgesetz wird zwischen wissenschaftlichn profesoren und künstlerischen unterschieden und, wie gesagt, die Dissertation als vertiefte wiss. (!) Arbeit" charakterisiert.

    • Oyamat
    • 20. März 2013 17:12 Uhr

    Was Doktorväter mitbringen müssten, wäre Zeit. Das ist aber heute illusorisch, deswegen gibt's auch nur Forderungen nach Ersatz.

    Ein Doktorvater, der sich den derzeitigen Entwurf durchliest und dann mit seinem Doktoranden mal 3 Stunden am Stück spricht, wird hinterher vermutlich ziemlich genau wissen, ob der Doktorand weiß, was er verfasst hat - bzw. was von dem, was in dem Entwurf steht, vermutlich dem Doktoranden zuzurechnen ist. Aber mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Doktorvater so viel Zeit investiert hätte.

    Ich vermute mal, es wird ohnehin nie geforderte Qualifikationen für Doktorväter geben - wer sollte denn dann die ganze Arbeit tun, die derzeit von Leuten unentgeldlich geleistet wird, weil diese Leute mit einem Titel dafür entschädigt werden? Doktoranden sind es doch, die die praktischen Handgriffe übernehmen (und schon auch zurecht, denn das gehört zu ihrem Lernpensum) und auf deren Jobs die Publikationen beruhen.

    Mit Gruß von
    Oya

  4. ist der Herr Turner mit dieser Formulierung nicht der einzige, wenn er meint, dass wenn ein solches Plagiat entdeckt wird, dass dann auch die Hochschule, bzw. das Gremium, was den Doktortitel ermöglicht hat, diese in eine gewisse Lage bringt. Nur, die Schlussweise, die der Herr an den Tag legt, ich zitiere den Spiegel:

    "An Schavans mangelhaftem Zitierstil seien sowohl ihr Doktorvater als auch die Universität Düsseldorf schuld. "

    legt mir gewisse Zweifel nahe, insofern, dass er hier wohl jemanden vergessen hat zu erwähnen. Wer könnte das wohl sein?

    Es nervt zusehends solche Statements sich anzuhören, oder zu lesen. Mag sein, dass hier evtl. Dinge (ich rede von Herrn Turner) aus dem Zusammenhang gebrachtund zitiert wurden, aber dennoch sollte man nicht verschweigen, dass der Hauptanteil bei demjenigen liegt, der einen solchen Täuschungsversuch unternimmt. Natürlich, wenn das Gremium der Doktorväter-mütter hier nichts merkt, ist das schon sträflich, insofern geht dieses Statement wirklich im Rauschen unter.

  5. Davon, dass es die Betrüger entlastet, wenn die Prüfung nicht funktioniert, erschließt sich mir nicht. Wenn umdeklariertes Pferdefleisch verarbeitet wird, dann werden die Betrüger auch nicht dadurch entlastet, dass die Lebensmittelkontrollen nicht gegriffen haben.

    Aber das eigentliche Problem sehe ich in der Struktur. So ist es unangemessen, dass der Betreuer gleichzeitig Prüfer ist. Das öffnet einfach die Tore zur Kumpanei. Welche Bewertung bekommt wohl der Lieblingsstudent des Professors?

    Der Fall Guttenberg hat gezeigt, dass die Zweitgutachten keinen Wert haben. bei SPON wurde der Zweitgutachter interviewt:

    http://www.spiegel.de/uni...

    Die Frage: "Sollten Zweitgutachter die Arbeit nicht grundsätzlich unabhängig bewerten?"
    Die Antwort: "[...] Sie müssten sich immer voll in den Stoff einarbeiten, das kostet immens viel Zeit, die kaum jemand hat."

    Meine Bewertung: Der Zweitgutachter hat seine Arbeit nicht gemacht, weil er "keine Zeit" hat! Er bewertet die Arbeit ohne sich vorher in das Thema eingearbeitet zu haben. Und er gibt das auch noch offen zu. In anderen Jobs wird man sofort abgemahnt, wenn man eine solche Arbeitseinstellung an den Tag legt.

    So sind Zweitgutachten einfach eine sinnlose Geldverschwendung, für die der Steuerzahler aufkommen muss.

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    Ich stimme Ihnen zu, dass es zu häufig vorkommt, dass Zweitgutachten per Nachfrage beim Betreuer zustandekommen.

    Das ist ein Fehlverhalten des Zweitgutachters, ja.. wohl möglich.

    Aber ich empfinde es als eine Unverfrorenheit, hier von "Geldverschwendung" zu reden. Diese Zeit fehlt unter anderem, weil die meisten mit Peer-Reviews, Universitätsbürokratie, DFG-Berichten, ERC-Berichten, Fakultätssitzungen, mdl. Prüfungen und anderem schon relativ gut zeitlich ausgelastet sind. Dann eine Woche auf diese Konferenz, dann eine Woche auf die andere Konferenz und dort mit Jetlag "den Wissenschaftsstandort Deutschland" mit Vorträgen repräsentieren... neben den Vorträgen dann mit unfassbar schlechter Internetanbindung die Kommunikation mit Doktoranden und Postdocs aufrecht erhalten, die immer irgendeine Frage haben... und während des Fluges dann - wenn die Zentrale Universitätsverwaltung nicht irgendeinen Bericht haben möchte oder sich mit irgendeiner direkt zwischen Arbeitsgruppen hergestellten Kooperation schmücken möchte - in eine Diss hineinlesen... denn zum Glück ist telefonische Erreichbarkeit im Flugzeug nicht gegeben.

    Zu Zweitgutachten habe ich Ende der 1990iger mal folgendes erlebt, was verdeutlicht, wo das Problem teilweise liegt. Der Erstgutachter wollte die Arbeit mit summa cum laude bewerten, der Zweitgutachter nur ritae, letztlich wurde es ein cum laude. Das ist einem Doktoranden des Zweitgutachters nicht gut bekommen, denn da war dann der vormalige Erstgutachter als Fak-Mitglied in dem Promotionsausschuss und hat grundlos die eigentlich recht gute Arbeit des Doktoranden so schlecht geredet, so dass der schlechter davon kam als es (nach informeller Mehrheistmeinung) angemessen gewesen waere. Der wurde also abgestraft fuer das angeblich unkollegiale Verhalten seines Betreuers. Das kommt dabei raus, wenn jegliche Aufsicht fuer Professoren fehlt. Sowas gibt es auch nur in DE, dass man tun und lassen kann was man will, bspw. einfach Veranstaltungen ausfallen lassen oder das Lehrdeputat nicht erfuellen. Wenn Studenten jedes Jahr mehr als 10,000 EUR Studiengebuehren zahlen muessen, dann laeuft das nicht. (Wobei ich solche Gebuehren als zu hoch empfinde.)

  6. Ich stimme Ihnen zu, dass es zu häufig vorkommt, dass Zweitgutachten per Nachfrage beim Betreuer zustandekommen.

    Das ist ein Fehlverhalten des Zweitgutachters, ja.. wohl möglich.

    Aber ich empfinde es als eine Unverfrorenheit, hier von "Geldverschwendung" zu reden. Diese Zeit fehlt unter anderem, weil die meisten mit Peer-Reviews, Universitätsbürokratie, DFG-Berichten, ERC-Berichten, Fakultätssitzungen, mdl. Prüfungen und anderem schon relativ gut zeitlich ausgelastet sind. Dann eine Woche auf diese Konferenz, dann eine Woche auf die andere Konferenz und dort mit Jetlag "den Wissenschaftsstandort Deutschland" mit Vorträgen repräsentieren... neben den Vorträgen dann mit unfassbar schlechter Internetanbindung die Kommunikation mit Doktoranden und Postdocs aufrecht erhalten, die immer irgendeine Frage haben... und während des Fluges dann - wenn die Zentrale Universitätsverwaltung nicht irgendeinen Bericht haben möchte oder sich mit irgendeiner direkt zwischen Arbeitsgruppen hergestellten Kooperation schmücken möchte - in eine Diss hineinlesen... denn zum Glück ist telefonische Erreichbarkeit im Flugzeug nicht gegeben.

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