Promotion : Was müssen Doktorväter wirklich können?

Wenn ein Doktortitel wegen Plagiats aberkannt wird, steht auch die Qualität der Betreuer und Gutachter infrage. Nicht alle Doktorväter haben dieselbe Qualifikation.

Wenn in einer Doktorarbeit etwas schiefgeht, sind auch betreuenden Professoren schuld. Diese These vertritt der frühere Präsident der Hochschulrektorenkonferenz George Turner. Er entlastet damit vor allem die frühere Bundesministerin Annette Schavan vom Plagiatsvorwurf. Turners These ist sehr umstritten, aber sie wirft die wichtige Frage auf, wie bei Dissertationen nicht nur die Qualität der Prüflinge, sondern auch die der Prüfer sichergestellt wird.

Über die Güte einer Doktorarbeit entscheidet immer der jeweilige Fachbereich, und zwar nach Vorschlag von zwei Gutachtern. Wer kann Gutachter werden? Wer darf also Doktorarbeiten prüfen?

Grundsätzlich gibt es die Mindestanforderung an alle Prüfer, dass sie selbst das Examen abgelegt haben müssen, das sie anderen abnehmen. Alternativ müssen sie etwas "Gleichwertiges" vorweisen können. So brauchen beispielsweise Master-Prüfer einen Magisterabschluss oder ein Diplom. Ein Universitätsprofessor kann in seiner Fachwissenschaft alles prüfen, also auch Doktorarbeiten. Denn für die Berufung ins Amt hat er oder sie in der Regel promoviert und zusätzliche Leistungen erbracht. Traditionell ist das meist die Hochschullehrerprüfung (Habilitation).

Es gibt aber auch andere Wege zu einem Professorentitel und damit zum Promotionsrecht. So gibt es etwa an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) einen Prüfer für Doktorarbeiten, der selbst weder habilitiert noch promoviert ist. Er hat an der DSHS, bevor sie 1970 Universität wurde, ein Sport-Diplom gemacht. Damit wurde er anschließend Lehrkraft für "Bewegungskultur und -gestaltung", also Tanzen. Auf diesem Gebiet bescheinigte ihm seine Hochschule 2005 besondere akademische Fähigkeiten und ernannte den Mitarbeiter zum außerplanmäßigen Professor.

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Kommentare

28 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Wird hier der Täter zum Opfer gemacht?

"Er entlastet damit vor allem die frühere Bundesministerin Annette Schavan vom Plagiatsvorwurf."

Also die Betreuer sind eigentlich Schuld, denn sie haben ja nicht gemerkt dass ihr Doktorand betrügt. In einigen Fachgebieten wo z.B. experimentelle Forschung betrieben wird ergibt sich die Arbeit aus den Experimenten, dass macht auch eine Plagiesierung unwahrscheinlich.
In den Geisteswissenschaften, wo eine Dissertation ein einzelner großer Erguss ist, manchmal völlig ohne experimentelle Basis, ist das natürlich schwieriger. Aber ich stelle mir die Frage: Bei Tausenden bis Zehntausenden an fachliche relatierten Arbeiten, wie soll ein Doktorvater da noch das Plagiat finden? Hier muss professionelle Software her, das kann ein Mensch alleine eigentlich nicht bewältigen...

Formale Eignung

Zu Kommentar 3: "Andererseits sagt es nichts bis wenig über die tatsächliche Eignung eines Professors zur Betreuung einer Doktorarbeit, ob er diese formale Voraussetzung hat oder nicht."
Tatsächlich halten sich die Landesgesetze an die formale Eignung (wie auch das HRK). Siehe auch Waldeyer bei Hailbronner (hg.), Kommentar zum HRK § 15 Rd.nr. 41: "Das Prüfungsorgan, das die Prüfer bestellt, wäre nämlich überfordert, wenn es die Gleichwertigkeit der Qualifikation beim Fehlen formeller Qualifikationsnachweise eigenständig feststellen müssste."

Ingenieurprfessoren sind heute - auch an FHs - durchweg Dr. Ing.
Zu Kunsthochshculen zitiert der ASrt. die Promotionsordnung der Musikhochschule Köln. Nach dem zugrundelieenden Kunsthochschulgesetz wird zwischen wissenschaftlichn profesoren und künstlerischen unterschieden und, wie gesagt, die Dissertation als vertiefte wiss. (!) Arbeit" charakterisiert.

Was Doktorväter mitbringen müss(t)en: Zeit

Was Doktorväter mitbringen müssten, wäre Zeit. Das ist aber heute illusorisch, deswegen gibt's auch nur Forderungen nach Ersatz.

Ein Doktorvater, der sich den derzeitigen Entwurf durchliest und dann mit seinem Doktoranden mal 3 Stunden am Stück spricht, wird hinterher vermutlich ziemlich genau wissen, ob der Doktorand weiß, was er verfasst hat - bzw. was von dem, was in dem Entwurf steht, vermutlich dem Doktoranden zuzurechnen ist. Aber mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Doktorvater so viel Zeit investiert hätte.

Ich vermute mal, es wird ohnehin nie geforderte Qualifikationen für Doktorväter geben - wer sollte denn dann die ganze Arbeit tun, die derzeit von Leuten unentgeldlich geleistet wird, weil diese Leute mit einem Titel dafür entschädigt werden? Doktoranden sind es doch, die die praktischen Handgriffe übernehmen (und schon auch zurecht, denn das gehört zu ihrem Lernpensum) und auf deren Jobs die Publikationen beruhen.

Mit Gruß von
Oya