HilfsprogrammUni-Asyl für verfolgte Forscher

Die Organisation Scholars at Risk hilft Akademikern, die in ihrer Heimat bedroht werden. Manchen rettet sie sogar das Leben. von Sarah Schaschek

Wer ihn verraten hat, weiß Felix Kaputu nicht. Nur, dass die Regierung im Kongo es ernst meinte, als sie ihn 2006 verhaftete. Das Land stand kurz vor der Wahl, Kaputu unterrichtete an der Universität Lubumbashi Literaturwissenschaft und Englisch für Soziologen und Informatiker. Einmal äußerte er außerhalb eines Kurses die Sorge, dass die Datenbanken der Wahlcomputer manipuliert werden könnten. Wenige Wochen später saß er im Gefängnis – als vermeintlicher Rebellenführer.

Von Professoren erwartet die Regierung im Kongo Dankbarkeit, nicht Zweifel. Weil Kaputu oft zu internationalen Konferenzen reiste, schien er verdächtig. Eine Bemerkung reichte, um ihn festzunehmen. Im Gefängnis fühlte er sich wie tot, erzählte Kaputu jetzt auf einer Konferenz der Organisation Scholars at Risk an der Freien Universität Berlin (FU). Dort haben Vertreter deutscher Universitäten über die Gründung einer deutschen Sektion des Netzwerks beraten.

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Scholars at Risk half bei Kaputus Befreiung. Kollegen, die er bei einem Aufenthalt in den USA kennengelernt hatte, informierten Amnesty International. Kaum war er frei, vermittelte Scholars at Risk Kaputu nach Harvard. Das Netzwerk sorgte dafür, dass er ein Jahr dort bleiben konnte. Später ging er drei Jahre nach Boston, inzwischen lehrt er afrikanische Literatur und Politik in Belgien. Die Wissenschaft ist die einzige Verbindung zur Heimat. In den Kongo kann er nicht zurückkehren.

Ein Netz von 300 Universitäten weltweit

Kaputu nennt sich einen "obdachlosen" Forscher, aber einen, der wertvolles Wissen mitbringt. Scholars at Risk setzt sich dafür ein, dass dieses Wissen genutzt wird, dass verfolgte Wissenschaftler nicht nur in Sicherheit gebracht werden, sondern auch weiterforschen können. Meistens organisiert das Netzwerk einen Gastaufenthalt an einer Partneruniversität, manchmal hilft es beim Nachzug der Familie, bei Asylanträgen oder Einwanderung.

Praktisch vom ersten Tag der Ausreise an wird an einer langfristigen Lösung gearbeitet, sagt die Direktorin der europäischen Sektion des Netzwerks, Sinead O'Goreman – auch wenn viele Forscher am liebsten in die Heimat zurückkehren möchten.

Weltweit sind bislang 300 Universitäten Mitglieder im Netzwerk. Nicht alle nehmen regelmäßig Forscher auf, manche veranstalten Vorträge über akademische Freiheit oder helfen Flüchtlingen zu studieren. Das Netzwerk, das im Jahr 2000 in Chicago gegründet wurde, beobachtet die politische Lage in über 50 Ländern. Verfüge das Team über ausreichend Informationen, könne es jemanden, der akut gefährdet ist, binnen 24 Stunden außer Landes bringen, sagt Sinead O'Goreman. Meist dauert der Prozess aber einige Monate, bis eine Gastuniversität gefunden ist, die dann die Kosten übernimmt. Es steht nur ein kleines Notfallbudget zur Verfügung, zusätzlich arbeitet das Netzwerk aber eng mit dem Scholar Rescue Fund zusammen, einer privaten Stiftung in den USA.

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    • Schlagworte Einwanderung | Gefängnis | Kongo | Student | USA | Wahlcomputer
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