Regierungspläne: Niederlande wollen Bummelstudenten aussieben
Die niederländische Bildungsministerin sagt Langzeitstudenten den Kampf an. Wer sich im Studium zu viel Zeit lässt, soll exmatrikuliert werden.
- Datum: 02.04.2013 - 18:21 Uhr
© Universiteit Leiden

Die Universität Leiden begrüßt die Pläne der Bildungsministerin.
Die niederländische Regierung will den Leistungsdruck an Universitäten verschärfen. Nach den Plänen der sozialdemokratischen Bildungsministerin Jet Bussemaker sollen Studenten, die nicht schnell genug Leistungspunkte sammeln, exmatrikuliert werden. Ab September soll dies an Pilot-Universitäten erprobt werden.
Schon jetzt können niederländische Unis – anders als in Deutschland – Studenten rauswerfen, wenn sie im ersten Jahr nicht genügend Leistungspunkte erreicht haben. Aktuell müssen Studenten an den meisten Unis im ersten Jahr mindestens 40 von 60 möglichen Creditpoints erreichen. Ab September sollen die Hochschulen auch Studenten exmatrikulieren dürfen, die bereits im zweiten oder dritten Studienjahr sind.
Bildungsministerin Bussemaker will so faule Studenten aussieben. Diese störten ihre ambitionierten Kollegen, deshalb lasse das Niveau immer weiter nach, sagte Bussemaker in einem Interview mit dem niederländischen NOS-Radio. Die geplante Reform sei ein gutes Druckmittel, das Tempo und die Qualität an der Uni zu erhöhen.
Die meisten Hochschulen begrüßen die Reformpläne der Ministerin. Die Universität Leiden etwa, die an dem Pilotversuch teilnimmt, schreibt in einer Pressemitteilung: Wenn Studenten ihr Studium schnell absolvieren, sei das nicht nur besser für die Studenten selbst, sondern auch günstiger für die Gesellschaft.
Studenten protestieren
Viele Studenten sehen das anders. Kai Heijneman, der Vorsitzende der niederländischen Studenteninnung LSVB befürchtet, die Universitäten seien bald nur noch damit beschäftigt, Studenten so schnell wie möglich durchs Studium zu schleusen. "Damit drohen Hochschulen doch immer mehr zu Schnellstudierfabriken zu werden." Heijneman fürchtet, den Studenten könnte die Zeit für andere Tätigkeiten fehlen: "Nebenjobs, Freiwilligenarbeit oder Engagement in der Hochschulgruppe sind wichtige Faktoren der Bildung." Stattdessen handelten die Unis wie Unternehmen. "Sie nehmen in Kauf, dass sie aus allen Studenten Einheitsbrei machen."
Die Pilot-Hochschulen dürfen zunächst selbst entscheiden, wie sie die neuen Leistungsstandards umsetzen wollen. Sie können langsame Studenten exmatrikulieren oder sie lediglich von bestimmten Veranstaltungen ausschließen.
In fünf Jahren will Bildungsministerin Bussemaker die Erfahrungen der Pilot-Universitäten auswerten und dann entscheiden, ob die Reform flächendeckend eingeführt wird.








Wieso sollen Studenten nicht länger studieren dürfen? Als jemand, der gerade in der Regelstudienzeit in Elektrotechnik sein Diplom gemacht hat, meine ich, dass es für mich absolut nicht nachvollziehbar ist, warum diejenigen Studenten, die nicht Vollzeit studieren, rausgeworfen werden sollen.
Zitat: Bildungsministerin Bussemaker will so faule Studenten aussieben. Diese störten ihre ambitionierten Kollegen, deshalb lasse das Niveau immer weiter nach, sagte Bussemaker in einem Interview mit dem niederländischen NOS-Radio
Inwiefern stört mich denn ein Student, der halbtags studiert und nur die Hälfte der Prüfungen absolviert? Wieso mindert das meine Leistungsfähigkeit?
Was ist generell mit Leuten, die eigentlich nur teilzeit studieren wollen, weil sie nebenher arbeiten gehen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren? Warum will man die vom Studium ausschließen?
Und zu guter Letzt: Selbst wenn ein Student total faul ist und nicht ordentlich lernt (erfahrungsgemäß heißt faul übrigens noch nicht, dass man nicht erfolgreich ist!), kann man ihm doch immer noch Gebühren auferlegen, wenn er die Regelstudienzeit überschreitet!? Damit wäre dieses Argument "Die Studenten kosten so viel" nämlich auch vom Tisch.
Beste Grüße,
henry
Bestes Beispiel der Caos Computer Club.
Übernimmt wichtige Aufgaben der Gesellschaft für Lau.
Wieviel Langzeitinformatikstudenten sich darin doch beschäftigen.
Aber wenn man den einzelnen danach bewertet, wieviel er der Gesellschaft bringt, nach Kosten Nutzen Rechnung, da fallen mir Worte ein wie "sozialverträgliches Frühableben".
Die Lösung heutzutage für alle Probleme scheint mir frei nach den Neoliberalen Zeitgeist zu sein: Mehr Peitsche -.-
Könnte es sein, dass die Krankenschwester, von deren Steuern auch Universitäten finanziert werden, dazu eine andere Sicht der Dinge hat?
Hat diese Frau nicht auch einen Anspruch darauf, dass ein Student im Sinne des gegenseitigen Gebens und Nehmens, so wenig Kosten wie möglich verunsacht?
Viele Kommentare reden hier undifferenziert einem unsäglichen Egoismus das Wort. Sicherlich gibt es Gründe, die ein längeres Studium erfordern.
Wirtschaftliche; familiere, beispielsweise durch Schwangerschaft, etc.
Aber ein sich Ausleben, Selbstfinden, nicht unter Stress setzen wollen auf Kosten der Gesellschaft, ist m.E. asozial. Gegenüber den Steuerzahlern und gegenüber andern Studierwilligen, deren Platz vielleicht blockiert ist.
Könnte es sein, dass die Krankenschwester, von deren Steuern auch Universitäten finanziert werden, dazu eine andere Sicht der Dinge hat?
Hat diese Frau nicht auch einen Anspruch darauf, dass ein Student im Sinne des gegenseitigen Gebens und Nehmens, so wenig Kosten wie möglich verunsacht?
Viele Kommentare reden hier undifferenziert einem unsäglichen Egoismus das Wort. Sicherlich gibt es Gründe, die ein längeres Studium erfordern.
Wirtschaftliche; familiere, beispielsweise durch Schwangerschaft, etc.
Aber ein sich Ausleben, Selbstfinden, nicht unter Stress setzen wollen auf Kosten der Gesellschaft, ist m.E. asozial. Gegenüber den Steuerzahlern und gegenüber andern Studierwilligen, deren Platz vielleicht blockiert ist.
Ich war in den letzten 6 Semestern (also im Hauptstudium) eigentlich nur noch in der Uni, um in der Mensa Essen zu gehen. Wo genau koste ich der Uni eigentlich Geld?
Ach und was die Studien- und die Diplomarbeit betrifft: Die Ergebnisse meiner Arbeit konnte mein Betreuer verkaufen und damit noch ordentlich Geld einstreichen.
Soviel zum Thema "Studenten kosten Geld"...
P.S. Wenn man Studenten, von denen man der Meinung ist, dass sie nicht mit genügend Erfolg studieren, von der Uni kriegen will, gab es bei mir eine wesentliche effektivere und vor allem fairere Methode: Studenten mussten in einem bestimmten Zeitraum eine Prüfung erfolgreich bestehen. Schaffen Sie dies nicht, folgt die Exmatrikulation. Betrachte ich als viel sinnvoller, als die Studenten einfach rauszuschmeißen, nur weil Zeit x vergangen ist oder sie in einem Semester nicht genügend Leistungspunkte gesammelt haben.
Die Ökonomisierung des Universitätsbetriebes wird immer absurder. Wer aus Unis schnöde Ausbildungsstätten im Akkord-Betrieb macht, hat den tieferen Sinn von Universitäten nicht verstanden.
Sinn und Funktion einer Universität werden verstanden, aber als unnütz oder gar gefährlich angesehen. Und entsprechend entscheidet man sich, die Universität zu einer besseren Fachhochschule zu machen.
und in NL haben wir trotz Regierungsbeteiligung der sog. Sozialdemokraten eine geradezu uebel neoliberale Einstellung gegenueber Bildung und Kunst: Tendenz "Was sich nicht rentiert, hat kein Existenzrecht." Aus dem gleichen Grund wurde das staatliche Kulturbudget ab 2013 um 1/3 gekuerzt: auch Kunst und Kultur werden dem (kurzfristigen) Rentabilitaetszwang unterworfen.
Sinn und Funktion einer Universität werden verstanden, aber als unnütz oder gar gefährlich angesehen. Und entsprechend entscheidet man sich, die Universität zu einer besseren Fachhochschule zu machen.
und in NL haben wir trotz Regierungsbeteiligung der sog. Sozialdemokraten eine geradezu uebel neoliberale Einstellung gegenueber Bildung und Kunst: Tendenz "Was sich nicht rentiert, hat kein Existenzrecht." Aus dem gleichen Grund wurde das staatliche Kulturbudget ab 2013 um 1/3 gekuerzt: auch Kunst und Kultur werden dem (kurzfristigen) Rentabilitaetszwang unterworfen.
In Deutschland hatte ein Student an einer Privatuni das BWL Studium in 3 Semestern (statt 8 oder so) geschafft.
(Link: http://www.spiegel.de/uni... )
Der Witz war: Er musste dennoch die vollen Studiengebühren zahlen, das hat sogar ein Gericht entschieden. Begründung: Ob er nun länger oder kürzer studiert, stellt die Uni ihm ja immer die gleiche Leistung zur Verfügung. Also muss er auch voll zahlen.
Wenn man aber immer die gleiche Leistung von der Uni abverlangt, egal wie lange man studiert, dann belastet auch ein Langzeitstudent ja wohl kaum die Gesellschaft. Wieso ihn also loswerden wollen?
"Wenn man aber immer die gleiche Leistung von der Uni abverlangt, egal wie lange man studiert, dann belastet auch ein Langzeitstudent ja wohl kaum die Gesellschaft. Wieso ihn also loswerden wollen?"
weil es genügend Leute in der Politik gibt, die sich gerne als Hardliner präsentieren wollen und weil es wohl so eine Art Wettbewerb gibt, wer die "schönste" Statistik hat. Wer wirklich was auf dem Kasten hat, würde so einen Gesetzesentwurf nie billigen, oder entwerfen. Das ist eben die Engstirnigkeit derjenigen, die meinen, was für die Gesellschaft zu gelten hat. Solche Leute mögen meist keine Pluralität.
Ganz so kann man das nicht sagen. Ich mache selbst gerade ein Fernstudium. Das ganze kostet mich insgesamt 10 000 Euro. Hauptsächlich ist die Summe jedoch dadurch gerechtfertigt, dass mir teure Programme mit hohen Lizenzkosten zur Verfügung gestellt werden. Diese brauche ich, egal ob ich all diese Programme an einem Tag oder in fünf Jahren erlerne. Aus diesem Grund ist es auch bei meinem Studium so geregelt, dass mich das Studium auf jeden Fall 10 000 Euro kostet, wobei diese Summe auf sechs Semester aufgeteilt wird (was die Finanzierung auch erleichtert).
Wenn ich jedoch eine Vorlesung doppelt belegen möchte, eine Prüfung wiederhole etc. kostet mich das 350 Euro Wiederholungsgebühr, weil die Uni dann die Leistung doppelt erbringt (Vorlesung, Korrektur der Prüfung, Korrektur der Testataufgaben).
Es ist tatsächlich so, dass im von Ihnen geschilderten Fall die gleiche Leistung einfach in kürzerem Zeitraum abgerufen wurde und daher der volle Preis auch gerechtfertigt war, da der Student in einem Semester mehr Leistungen von mehreren Professoren und eventuell auch mehr Unterrichtsmaterial in Anspruch genommen hat.
"Wenn man aber immer die gleiche Leistung von der Uni abverlangt, egal wie lange man studiert, dann belastet auch ein Langzeitstudent ja wohl kaum die Gesellschaft. Wieso ihn also loswerden wollen?"
weil es genügend Leute in der Politik gibt, die sich gerne als Hardliner präsentieren wollen und weil es wohl so eine Art Wettbewerb gibt, wer die "schönste" Statistik hat. Wer wirklich was auf dem Kasten hat, würde so einen Gesetzesentwurf nie billigen, oder entwerfen. Das ist eben die Engstirnigkeit derjenigen, die meinen, was für die Gesellschaft zu gelten hat. Solche Leute mögen meist keine Pluralität.
Ganz so kann man das nicht sagen. Ich mache selbst gerade ein Fernstudium. Das ganze kostet mich insgesamt 10 000 Euro. Hauptsächlich ist die Summe jedoch dadurch gerechtfertigt, dass mir teure Programme mit hohen Lizenzkosten zur Verfügung gestellt werden. Diese brauche ich, egal ob ich all diese Programme an einem Tag oder in fünf Jahren erlerne. Aus diesem Grund ist es auch bei meinem Studium so geregelt, dass mich das Studium auf jeden Fall 10 000 Euro kostet, wobei diese Summe auf sechs Semester aufgeteilt wird (was die Finanzierung auch erleichtert).
Wenn ich jedoch eine Vorlesung doppelt belegen möchte, eine Prüfung wiederhole etc. kostet mich das 350 Euro Wiederholungsgebühr, weil die Uni dann die Leistung doppelt erbringt (Vorlesung, Korrektur der Prüfung, Korrektur der Testataufgaben).
Es ist tatsächlich so, dass im von Ihnen geschilderten Fall die gleiche Leistung einfach in kürzerem Zeitraum abgerufen wurde und daher der volle Preis auch gerechtfertigt war, da der Student in einem Semester mehr Leistungen von mehreren Professoren und eventuell auch mehr Unterrichtsmaterial in Anspruch genommen hat.
Auf Wunsch entfernt. Die Redaktion/mak
könnten Sie bitte Post Nr. 6 streichen. Ich war etwas voreilig mit dem Button....
Danke!
wird an den Schichten gespart, die sich am Wenigstens wehren können! Studenten haben auch keine Lobby, durch die ihre Interessen vertreten werden. Was kostet es schon, wenn Studenten ein paar Semester länger studieren?
Von der Überbürokratisierung, den alternativelosen Euro-Rettungsmaßnahmen, der EU-Vetternwirtschaft, etc. redet keiner. Und es ist auch gar nicht so schlimm wenn Zypern-Politiker rechtzeitig ihre Millionen beiseite schaffen, werden das dumme, arbeitende Fußvolk Zwangsabgaben entrichten muss.
Insofern passt diese Meldung ins übliche Schema.
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