GroßbritannienOxford auch für Arme

Bisher mussten Bewerber für ein Graduiertenstudium an der Uni Oxford nachweisen, über mehrere Zehntausend Pfund zu verfügen. Ein Student klagte dagegen – mit Erfolg. von 

Graduierte auf der akademischen Abschlussfeier in Oxford (Archiv)

Graduierte auf der akademischen Abschlussfeier in Oxford (Archiv)  |  © Paul Hackett/Reuters

Für Graduierte, also Studierende mit Bachelorabschluss, war eine Bewerbung an der englischen Oxford-Universität bisher eine teure Sache. Mehrere zehntausend Pfund mussten sie vor dem Studienstart vorweisen können, andernfalls würde Oxford ihnen keinen Studienplatz im Master oder für ein Doktorandenprogramm geben. Die Eliteeinrichtung wollte so sicherstellen, dass Studierende die Studiengebühren sowie die Lebenshaltungskosten zahlen können. Doch jetzt muss die Uni die Zulassungsregeln überarbeiten. Ein Bewerber hatte zuvor das St. Hugh’s College, eines von 38 Colleges Oxfords, verklagt: Die "Auswahl nach Reichtum" diskriminiere Bewerber, die über nicht so viel Geld verfügten.

Uni und Bewerber einigten sich jetzt vor Gericht, berichtet der Guardian. Der Bewerber, der akademisch alles für ein Studium in Oxford mitbrachte, bekommt seinen Platz, die Uni erlässt neue Bestimmungen für die Zulassung. Diese sollen bis zum September dieses Jahres in Kraft treten, so dass für das im Herbst beginnende Studienjahr Geld keine so große Rolle bei der Auswahl spielen wird.

Anzeige

In dem Fall hatte der Bewerber nachweisen müssen, über genügend Geld zu verfügen, um allein 12.900 Pfund (rund 15.000 Euro) pro Jahr für seine Lebenshaltungskosten zahlen zu können. Voraussichtliche Einkünfte während des Studiums, etwa durch Jobben, ließ die Uni bei dem Nachweis nicht gelten. Dazu würden noch mehrere zehntausend Pfund Studiengebühren kommen, heißt es in dem Zeitungsbericht. Die Uni hatte die Regel mit dem Argument verteidigt, Studierende müssten in der Lage sein, ihr Studium zu absolvieren, ohne durch finanzielle Sorgen abgelenkt zu werden. Die strengen Regeln waren uniweit erst 2010 eingeführt worden.

Wegen der stetig steigenden Studiengebühren hat die Zahl der Bewerbungen für ein weiterführendes Studium in Großbritannien in jüngster Zeit insgesamt nachgelassen. 2011/12 nahmen acht Prozent weniger Studierende ein Masterstudium auf als im Jahr zuvor. Es heißt, allein in Oxford könnten pro Jahr 1.000 Studierende ihren Platz im Master nicht annehmen, weil ihnen das Geld fehlt – und das, obwohl sie akademisch bereits ausgewählt worden seien. Das seien immerhin 15 Prozent aller ausgewählten Studierenden. Oxford habe in Großbritannien die schärfsten Zulassungsregeln, was den Nachweis von Geld angehe.

Erschienen im Tagesspiegel

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. 1. hm...

    das heißt doch aber, wer angenommen wird, muss noch immer die Lebenshaltungskosten stemmen und die Studiengebühren werden ja mit dem Urteil auch nicht geändert.
    Das Gerichtsurteil ändert wohl, wer ein Studium anfangen darf. Wenn die Bedingungen aber so bleiben, dann bleibt weiterhin die Elite (die des Geldes) unter sich in Oxford.

  2. Es ist kein Urteil über die momentane Regelung gefällt worden. Die Einigung des Colleges mit dem genannten Bewerber bezieht sich nur auf diesen Einzelfall.

  3. Wenn man Bildung als "Business" sieht, ist das die logische Konsequenz. Wie viele Massnahmen, die derzeit in Grossbritannien eingefuehrt werden ist das Ziel klar. Eine mittelalterliche Staendegesellschaft, mit nahezu keiner sozialen Mobilitaet.

  4. Der Artikel ist durchaus informativ, lässt aber die Rahmenbedingungen ohne Erwähnung.
    Nicht nur Oxford hat derartige Studiengebühren, auch in anderen Teilen der Insel legt man pro Semester einiges an Geld hin. Die Elite grenzt sich nicht in Oxford ab, studieren ist in GB allgemein deutlich teurer als in Deutschland. Ob das nun gut oder schlecht ist wird jeder anders sehen.

    Hinzu kommt, daß es bei weitem nicht so üblich ist, den Master direkt an den Bachelor anzuhängen. Häufig gehen die Briten nach dem Bachelor normal arbeiten und schreiben sich später, wenn sie eine akademische Laufbahn tatsächlich interessiert, erneut für ein Masterstudium ein.
    Der Unterschied zu Deutschland ist wieder, das man hier sofort in einem Rutsch den höchst gewünschten Abschluß anstreben soll um danach durchgehend bis zur Rente zu arbeiten. Selbst die Industrie hierzulande zieht den Master häufig dem Bachelor vor obwohl die Zusatzqualifikation kaum Vorteile für das jeweilige Unternehmen bringt.

    Fazit: Die Abschlüssen werden zwar jetzt gleich genannt, von den Zielgruppen (sowohl Studenten als auch Arbeitgebern) aber vollkommen unterschiedlich behandelt. Ohne also Hintergründe zu nennen, impliziert es beim Leser wieder völlig an den Haaren herbeigezogene Vergleiche.

  5. Thomas Hardy: Herzen in Aufruhr

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Hochschule | University of Oxford | Oxford | Reichtum | Student
Service