Prognose des CHEIn Deutschland werden die Masterplätze knapp

Bildungsforscher sagen einen Mangel an Masterplätzen voraus. In den kommenden Jahren könnten Zehntausende Bewerber leer ausgehen. von Christian Endt

In den kommenden Jahren könnten die Masterplätze an deutschen Universitäten knapp werden. Eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zeigt, dass die Universitäten mit viel mehr Bewerbern rechnen müssen als bisher angenommen. Die Wissenschaftler sehen die Politik in der Pflicht, Geld für weitere Studienplätze bereitzustellen.

Die Forscher entwarfen drei Zukunftsszenarien. Jedes von ihnen basiert auf einer anderen Anzahl von Master-Bewerbern.

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Das erste Szenario geht davon aus, dass nur die Hälfte der Bachelorabsolventen den Master anstrebt. Mit dieser Zahl rechneten auch Bund und Länder, als sie vor sechs Jahren den Hochschulpakt 2020 beschlossen: Laut diesem sollten die Universitäten bis 2020 so viele neue Masterplätze schaffen, dass sie für jeden zweiten Bachelorabsolventen ausreichen. Doch laut der CHE-Studie haben Bund und Länder die Studentenzahlen damals zu gering geschätzt. Selbst wenn nur die Hälfte der Bachelorabsolventen einen Master anstrebe, sei die Zahl der Bewerber weitaus höher, als ihn die Behörden bisher einplanen.

Für realistischer halten die CHE-Forscher ihr zweites Szenario: Danach bewerben sich mehr als zwei Drittel der Bachelors anschließend auf einen Master. In diesem Fall käme es zu einem deutlichen Engpass bei den Studienplätzen.

Im schlimmsten Fall fehlen 36.000 Plätze

Im extremsten Szenario nehmen die Forscher an, dass 85 Prozent der Bachelorabsolventen ein Masterstudium antreten möchten. Das entspräche, so das CHE, dem politischen Ziel eines steigenden Bildungsniveaus. Laut der Berechnung wären im Jahr 2016 dann 265.000 Studienplätze nötig. Zum Vergleich: 2011 haben etwa 114.000 Studenten ein Masterstudium aufgenommen. Selbst mit den im Hochschulpakt eingeplanten Ausbaumaßnahmen bedeutet das deutschlandweit eine Lücke von 36.000 Studienplätzen.

Ab dem Jahr 2017 könnte sich die Lage wieder entspannen. Wegen des Geburtenrückganges gehen die Forscher dann von einem leicht sinkenden Bedarf aus. Bis dahin könnten Studenten nach dem Bachelor erst einmal Berufserfahrung sammeln, schlägt CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele vor.

Auch fordert Ziegele die Universitäten auf, mehr weiterbildende Masterstudiengänge anzubieten. Diese sind berufsbegleitend und belasten daher das Uni-System nicht.

Zusätzliches Geld nötig

Die Wissenschaftler des CHE weisen auf eine Reihe von Unsicherheiten in ihrer Prognose hin. Ein Wirtschaftsaufschwung mit steigender Nachfrage am Arbeitsmarkt könnte es für Bachelorabsolventen attraktiv machen, direkt in den Job zu wechseln. In dem Fall würde der Master unattraktiver.

Am Donnerstag und Freitag dieser Woche tagt die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Fortschreibung des Hochschulpakts 2020. Bisher konnten sich Bund und Länder nicht einigen, wie Investitionen zu finanzieren sind. Ziegele appelliert an die Politik, zusätzliche Mittel bereitzustellen: "Die berechneten Szenarien zeigen die Dramatik auf, die nun im Masterbereich auf die Hochschulen zukommt."

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Leserkommentare
  1. wenn es um Hochschulen geht: Wäre sehr interessant, das nach Fachrichtungen aufgeschlüsselt zu sehen.

    Eine Leserempfehlung
  2. Masterplätze werden höchstens knapp gemacht, um möglichst viele billige Bachelors auf den Arbeits"markt" zu nötigen.
    Man macht echt alles falsch, was man nur falsch machen kann.
    Abschaffung unseres weltweit angesehenen Systems, viel zu viele Studenten und jetzt lässt man diese noch auf halber Strecke liegen.
    Unglaublich wie eiskalt man junge Menschen abserviert.

    6 Leserempfehlungen
  3. Das war doch zu erwarten. Da die Industrie hierzulande nicht verstehen will, daß der Master ein Abschluß mit Ausrichtung auf Forschung oder Akademische Laufbahn ist, werden weiterhin bei normalen Jobangeboten Masterabsolventen den Bachelorabsolventen vorgezogen obwohl mit dem Master für die meisten der ausgeschriebenen Stellen keine zusätzliche/weiterreichende Qualifikation erworfen wurde.
    Wäre die Einstellungspraxis eher wie in Ländern in denen diese Abschlußform abgekupfert wurde, würden sich weit weniger Studenten genötigt fühlen einen Master zu machen um adequate Job- und Gehaltschancen zu haben. Vorteil für die Industrie wäre sogar, daß diese Leute eher mit dem Studium fertig sind.

    Naja, vielleicht lernt man es ja hierzulande auch noch irgendwann... aber mit Disserationen wird das ja ähnlich gehandhabt, also hab ich da eher wenig Hoffnung.

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    Ähm … drei Jahre Studium lehren einem genau was? Genau: die Grundlagen.

    Eine Analogie: derjenige, der seine kleine Eisscholle wie seine Westentasche kennt, gerät beim Blick in die Ferne schnell ins Wanken; während derjenige, der seine kleine Eisscholle als auch ein paar weitere Hüpf-Pfade dazu kennt, bei Gegenwind durchaus zu reagieren in der Lage ist.

    Ich selbst bin in meinem dritten Jahr als Wirtschaftsingenieur und ohne außeruniversitäres Engagement wäre die Bilanz meines Studiums eher bescheiden. Nicht weil ich etwa lernschwach wäre, sondern weil die Grundlagen der Grundlagen nicht zu großen Sprüngen reichen. Ich würde gern einen Ausflug mit Ihnen in eine Welt machen, in der Bachelors die Unternehmen gestalten – und dann möchte ich ganz schnell wieder ins Jetzt.

    Vorsprung durch Technik ist übrigens das, woran sich Deutschland noch klammern kann – wir brauchen kreative Köpfe, wenn wir weiter in der ersten Liga spielen wollen.

    Worauf Sie Ihre Behauptungen aufbauen, wäre wohl sehr interessant …

    ...in einem Land wie Südkorea, in dem Bachelor und Master es schon seit vielen Jahrzehnten gibt, ist es normal, wenn von 50 Absolventen 3 oder 4 dann den Master machen. Das sind völlig andere Zahlenverhältnisse. Die 3 oder 4 gehen tatsächlich in die Forschung.

  4. "Auch fordert Ziegele die Universitäten auf, mehr weiterbildende Masterstudiengänge anzubieten. Diese sind berufsbegleitend und belasten daher das Uni-System nicht."

    Wieso nicht? Brauchen diese keine Betreuung? Und keine IT-Infrastruktur? Und keine Labore?

  5. Ähm … drei Jahre Studium lehren einem genau was? Genau: die Grundlagen.

    Eine Analogie: derjenige, der seine kleine Eisscholle wie seine Westentasche kennt, gerät beim Blick in die Ferne schnell ins Wanken; während derjenige, der seine kleine Eisscholle als auch ein paar weitere Hüpf-Pfade dazu kennt, bei Gegenwind durchaus zu reagieren in der Lage ist.

    Ich selbst bin in meinem dritten Jahr als Wirtschaftsingenieur und ohne außeruniversitäres Engagement wäre die Bilanz meines Studiums eher bescheiden. Nicht weil ich etwa lernschwach wäre, sondern weil die Grundlagen der Grundlagen nicht zu großen Sprüngen reichen. Ich würde gern einen Ausflug mit Ihnen in eine Welt machen, in der Bachelors die Unternehmen gestalten – und dann möchte ich ganz schnell wieder ins Jetzt.

    Vorsprung durch Technik ist übrigens das, woran sich Deutschland noch klammern kann – wir brauchen kreative Köpfe, wenn wir weiter in der ersten Liga spielen wollen.

    Worauf Sie Ihre Behauptungen aufbauen, wäre wohl sehr interessant …

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "quod erat expectandum"
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    • Laru
    • 14. April 2013 9:48 Uhr

    Ich weiß ja nicht was sie mit ihrer Analogie genau meinen... aber ich verstehe genau das Gegenteil von dem was sie ausdrücken wollten.

    "derjenige, der seine kleine Eisscholle wie seine Westentasche kennt, gerät beim Blick in die Ferne schnell ins Wanken"

    Sie meinen mit diesem Satz doch hoffentlich nicht den Bachelor oder? Denn dieser Satz ist genau das, was der Master beinhaltet. Der Master ist ein derart spezialisierter Studiengang in MINT-Fächern, dass man im Beruf nur in einem sehr geringen Umfeld von dieser Qualifikation gebrauch machen kann. Der Bachelor ist ehr als Allgemeinqualifizierender Abschluss zu bezeichnen, genau das wonach die Industrie geschrien hat.
    Die Industrie wollte junge, billige, nicht mit unendlich viel Fachwissen vollgestopfte Ingenieure die sie nach ihrem Willen weiter formen können.

    Was die Industrie aber nicht verstanden hat ist, dass diese Jungen leute auch ein Arbeitsumfeld brauchen in dem sie sich entwickeln können. Da macht es keinen Unterscheid ob man Bachelor, Master oder Doktor ist.
    Dieses Umfeld kostet Geld. Der Trugschluss -> Master einstellen. Ich postuliere mal folgendes: Maximal 10% aller Masterstudenten profitieren beim ersten Job von ihrer spezialisierten Fachrichtung im Masterstudium... und ich glaube damit untertreibe ich nur.

    Es grüßt:
    Einer von denen die ja auf ihrer Eisscholle festsitzen ...

    PS: Ich habe einen Tippfehler bei ihnen Entdeckt ... sie haben "Wirtschaftsingenieur" geschrieben, sie meinten sicher: "BWL" xD

  6. Eine Universitäre ausbildung sind immer nur Grundlagen, egal welche Bezeichnung der Abschluß trägt oder was glauben sie warum Mediziner nach dem toll klingenden Abschluß "Staatsexamen" erstmal eine Facharztausbildung machen dürfen, also quasi in die Lehre gehen und das alles nach 6 Jahren Studium. Wer glaubt, daß ihm ein-zwei Jahre mehr Schulbank drücken (und damit auch nur limitiert Erfahrungen zu sammeln) den großen krativen Durchbruch bringen, hat meiner bescheidenen Meinung nach die falsche Vorstellung was ausbildung bedeutet.

    "Kreativität ist Intelligenz die Spaß hat." hat ein berühmter Albert mal gsagt. Das ist nichts was man mal eben erlernt.
    Und ja, für die Forschung (um auf ihren Audislogan zu kommen) sind Masterabsolventen sicher gut. Doch wieviele der Arbeitnehmer in in der R&D-Abteilung? Die Relation machts, nicht das Gießkannenprinzip.

    • Ingor
    • 10. April 2013 19:54 Uhr

    dass Deutschland keine natürlichen Rohstoffe hat. Unser einziger Rohstoff ist die Bildung, den es zu fördern gilt und nicht mit Strafzöllen (Studiengebühr) zu belegen. Für die Bankenrettung, die Abwrackprämie für Autos und sinnlose Gießkannenförderung von erneuernbaren Energien ist immer Geld da, nur für die Bildung nicht. Auch der Master ist kein Luxus. Ich habe als Ingenieur mit Hochschulausbildung Wissen in der Industrie nutzbringernd anwenden können, dass Fachhochschulingenieure nicht haben. Der hier in den Kommentaren genannte "billgere" Bachelor rechnet sich also nicht, wenn den Firmen dadurch Wettbewerbsvorteile verlorengehen.

    4 Leserempfehlungen
    • AtoY
    • 10. April 2013 21:36 Uhr

    und Bachelor eingeführt haben, merken sie jetzt plötzlich, dass dieser Bachelor vielerorts nicht reicht und man doch einen Master braucht. Nur hat man aber vergessen die Masterplätze zu schaffen oder sie werden an diverse ausländische Studenten vergeben.
    Das ist leider die Realität bei uns.

    Ich studiere selber derzeit und ich weiß 100%, dass für mich selbst mit guten Noten kein Platz da ist, ich werde es berufsbegleitend machen müssen oder einfach ins Ausland gehen, da gibt es scheinbar genug.

    Versteht mich nicht falsch, aber was bei uns vor Ort geschieht ist schon mehr als komisch. In einem Studiengang, wo auch ein sehr guter Freund von mir rein wollte, sind zu über 80% nur Inder/Iraner etc. am studieren, das sind alles nette Menschen, kenne einige persönlich, aber ich verstehe nicht, wieso man diese Menschen hier ausbildet, während man im gleichen Zug für die einheimischen (egal ob Migrant oder nicht usw.) keinen Platz hat.

    Der o.g. Freund von mir (hat btw ausländische Wurzeln) hat dann angefangen nach seinem Bachelor zu arbeiten und wird jetzt berufsbegleitend studieren. Genau das gleiche blüht mir auch, weil bei uns schlicht und ergreifend lieber irgendwelche Inder/Iraner etc. ausgebildet werden. Im gleichen Zug schreit aber die Kanzlerin bei jeder zweite Rede nach "Fachkräften", weil sie angeblich fehlen.
    Wo sollen sie alle herkommen, wenn man hier für die eigene Bevölkerung keine Plätze schafft?
    Es ist auch kein Wunder, dass sehr viele Akademiker das Land verlassen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitsmarkt | Bachelor | Master | Universität | Geld | Studie
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