In den kommenden Jahren könnten die Masterplätze an deutschen Universitäten knapp werden. Eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zeigt, dass die Universitäten mit viel mehr Bewerbern rechnen müssen als bisher angenommen. Die Wissenschaftler sehen die Politik in der Pflicht, Geld für weitere Studienplätze bereitzustellen.

Die Forscher entwarfen drei Zukunftsszenarien. Jedes von ihnen basiert auf einer anderen Anzahl von Master-Bewerbern.

Das erste Szenario geht davon aus, dass nur die Hälfte der Bachelorabsolventen den Master anstrebt. Mit dieser Zahl rechneten auch Bund und Länder, als sie vor sechs Jahren den Hochschulpakt 2020 beschlossen: Laut diesem sollten die Universitäten bis 2020 so viele neue Masterplätze schaffen, dass sie für jeden zweiten Bachelorabsolventen ausreichen. Doch laut der CHE-Studie haben Bund und Länder die Studentenzahlen damals zu gering geschätzt. Selbst wenn nur die Hälfte der Bachelorabsolventen einen Master anstrebe, sei die Zahl der Bewerber weitaus höher, als ihn die Behörden bisher einplanen.

Für realistischer halten die CHE-Forscher ihr zweites Szenario: Danach bewerben sich mehr als zwei Drittel der Bachelors anschließend auf einen Master. In diesem Fall käme es zu einem deutlichen Engpass bei den Studienplätzen.

Im schlimmsten Fall fehlen 36.000 Plätze

Im extremsten Szenario nehmen die Forscher an, dass 85 Prozent der Bachelorabsolventen ein Masterstudium antreten möchten. Das entspräche, so das CHE, dem politischen Ziel eines steigenden Bildungsniveaus. Laut der Berechnung wären im Jahr 2016 dann 265.000 Studienplätze nötig. Zum Vergleich: 2011 haben etwa 114.000 Studenten ein Masterstudium aufgenommen. Selbst mit den im Hochschulpakt eingeplanten Ausbaumaßnahmen bedeutet das deutschlandweit eine Lücke von 36.000 Studienplätzen.

Ab dem Jahr 2017 könnte sich die Lage wieder entspannen. Wegen des Geburtenrückganges gehen die Forscher dann von einem leicht sinkenden Bedarf aus. Bis dahin könnten Studenten nach dem Bachelor erst einmal Berufserfahrung sammeln, schlägt CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele vor.

Auch fordert Ziegele die Universitäten auf, mehr weiterbildende Masterstudiengänge anzubieten. Diese sind berufsbegleitend und belasten daher das Uni-System nicht.

Zusätzliches Geld nötig

Die Wissenschaftler des CHE weisen auf eine Reihe von Unsicherheiten in ihrer Prognose hin. Ein Wirtschaftsaufschwung mit steigender Nachfrage am Arbeitsmarkt könnte es für Bachelorabsolventen attraktiv machen, direkt in den Job zu wechseln. In dem Fall würde der Master unattraktiver.

Am Donnerstag und Freitag dieser Woche tagt die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Fortschreibung des Hochschulpakts 2020. Bisher konnten sich Bund und Länder nicht einigen, wie Investitionen zu finanzieren sind. Ziegele appelliert an die Politik, zusätzliche Mittel bereitzustellen: "Die berechneten Szenarien zeigen die Dramatik auf, die nun im Masterbereich auf die Hochschulen zukommt."