Zukunft der Wissenschaft : Mehr Exzellenz, mehr Studiengebühren

Der Wissenschaftsrat hat über die Zukunft des Wissenschaftssystems nachgedacht. Ihr "Zukunftspakt 2022" bietet viel Stoff für Debatten.

Deutschland soll langfristig über Studiengebühren nachdenken, der Bund soll das Bafög allein finanzieren, die Exzellenzinitiative wird fortgesetzt und für Fachhochschulen geöffnet. Diese Vorschläge für einen "Zukunftspakt 2022" von Bund und Ländern macht der Wissenschaftsrat. Beschlossen ist noch nichts, die Vorschläge finden sich in einem vertraulichen Entwurf, über den das Gremium ab kommendem Mittwoch in erster Lesung beraten will.

Die Vorschläge der Experten aus Bund, Ländern und aus der Wissenschaft werden mit Spannung erwartet. Schließlich geht es um viele Milliarden Euro und große Reformen. Im Juli will der Wissenschaftsrat seine Empfehlungen präsentieren – gerade noch früh genug, um den Koalitionsvertrag der nächsten Bundesregierung beeinflussen zu können.

Diese muss sich bald mit den Ländern über Perspektiven für die Wissenschaft einigen. Die großen Milliardenprogramme laufen aus: Im Jahr 2015 der Pakt für Forschung und Innovation, der den außeruniversitären Organisationen zehn Jahre lang erhebliche Etatzuwächse verschaffte, 2017 die Exzellenzinitiative für die Unis und 2020 der Hochschulpakt, mit dem hunderttausende neuer Studienplätze geschaffen werden.

Neue Debatte über Studiengebühren

Eine Revolution plant der Wissenschaftsrat offenbar nicht, aber Stoff für Debatten bietet der Entwurf. So hat das Gremium sich bisher wegen der unterschiedlichen Auffassung seiner Mitglieder aus der Politik in der Studiengebührenfrage zurückgehalten. Nun, da sie in Deutschland gänzlich abgeschafft wurden, bringen die Experten sie neu ins Spiel, eine "radikale Infragestellung der Finanzierungsgrundsätze des Wissenschaftssystems" sei "erforderlich".

Der Exzellenzwettbewerb soll in modifizierter Form fortgesetzt werden. Bisher wurden die "Eliteunis" für die Umsetzung ihrer Zukunftskonzepte über fünf Jahre gefördert. Unipräsidenten, die sich die Wettbewerbe nun in größeren Zeitabständen von zehn Jahren gewünscht hatten, könnten enttäuscht werden, sollte das Papier politische Realität werden: Empfohlen wird nun ein Rhythmus von sechs Jahren. Auch Fachhochschulen sollen sich beteiligen. Alle zwei Jahre soll eine Hochschule sich wieder bewerben dürfen.

Allerdings erklärt der Wissenschaftsrat, sich vom bisherigen Wettbewerbs-Charakter der Exzellenzinitiative verabschieden zu wollen. Der Wettbewerb sei zwar "hochgradig außenwirksam, aber auch aufwendig und mit Blick auf die 'Verlierer' nicht unproblematisch". Doch ein Wettbewerb ist ein Wettbewerb – wie das in der geplanten Konkurrenz um Zukunftskonzepte umgangen werden soll, bleibt im Nebel. Bestenfalls könnten unspektakuläre Summen ausgelobt werden. Jedenfalls formuliert der Entwurf das Ziel, Deutschland solle mittelfristig zwei bis fünf Spitzenuniversitäten auf die vorderen Plätze internationaler Rankings bringen. Die Benennung von "Bundesuniversitäten" lehnt das Gremium dabei ab.

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Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Studiengebühren werden (wieder-)kommen

Nicht das ich ein Fan dieser Gebühren wäre, aber bei den klammen Kassen sowohl im Staatssäckel als auch in den Kommunen, ist es nur noch ein Wann und nicht ein Ob, dass Studiengebühren wiedereingeführt werden muessen.

Und ist man ehrlich, muss man zugeben, dass die zumindest kurzfristige Abschreckung von Studiengebühren für Studenten aus kleineren Verhältnissen die Studiengebührengegner nie glaubhaft belegen konnten und den Beweis schuldig geblieben sind. Vielleicht sind 500 € noch nicht hoch genug,um die finanzielle Lage von Teilen der Studentenschaft prekärer zu machen? Jedenfalls befürchten manche und in dieser Befürchtung stimme ich vollkommen überein, dass die Einführung der Gebühren nur der Anfang eines Weges ist, der am Ende auf britische Verhältnisse hinauslaufen könnte.
Dann wären wir endgültig in der Zwei-Klassen-Bildung angelangt.