Libeskind-BauEU-Prüfer werfen Lüneburger Uni Korruption vor

Um Millionen für den Libeskind-Bau zu bekommen, soll die Universitätsleitung die EU getäuscht haben. Bildungsministerin Johanna Wanka wusste möglicherweise davon. von 

Die EU-Antibetrugsbehörde Olaf wirft der Leuphana-Universität vor, sich eine Förderung in Millionenhöhe erschlichen zu haben. Bei der Vergabe des Geldes, das die EU zugesichert hatte, um ein Audimax nach einem Entwurf von Daniel Libeskind zu bauen, seien die Verfahrensregeln nicht eingehalten worden. Das kritisieren die Prüfer in einem vertraulichen Bericht, der dem Weser Kurier vorliegt.

Den rund 60 Millionen Euro teuren Bau hatten Hochschulpräsident Sascha Spoun und sein Vizepräsident Holm Keller kurz nach ihrem Antritt im Jahr 2006 initiiert. Mehr als zehn Millionen Euro sollte die EU finanzieren, 21 Millionen das Land Niedersachsen.

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Die Prüfer kritisieren unter anderem die Berufung von Libeskind zum nebenberuflichen Professor im Jahr 2007. Die Uni habe den Lehrposten auf Libeskind "zugeschnitten", um dessen Pläne später ohne Ausschreibung realisieren und als "Eigenleistung" der Uni verschleiern zu können. Hier sei "ein klarer Umgehungscharakter zu erkennen", zitiert der Weser Kurier aus dem bisher unveröffentlichten Bericht. 90.000 Euro (50.000 Euro Honorar und 40.000 Euro Sach- und Personalmittel) erhielt Libeskind pro Jahr für die Professur, weitere 500.000 Euro für die "baukünstlerische Begleitung". Weiter liegen der EU-Behörde Hinweise vor, "dass es möglicherweise zu Versuchen gekommen ist, über Umwege Zahlungen an Daniel Libeskind zu leiten.

Ministerin zweifelt an der Finanzierung

Die EU will ihre Hinweise nun der Staatsanwaltschaft übermitteln. Bereits im Herbst 2011 ermittelte diese, leitete aber mangels Beweisen kein Verfahren ein.

Die niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne) rechnet damit, dass die EU bereits bewilligtes Geld zurückfordern werde. "Die Hochschule wird das Problem haben, nachfinanzieren zu müssen", sagte Heinen-Kljajić am Donnerstag im Landtag. Die Opposition fürchtet, dass Niedersachsen dafür aufkommen muss.

In der Vergangenheit war das Finanzkonzept der Universität bereits mehrfach kritisiert worden. Auch die rechtzeitige Fertigstellung gilt als unsicher. Nach Informationen des Weser Kuriers werde der Bau erst im August 2015 vollendet. Geplant war 2014. Im Fall einer Verspätung würde die EU ihre Förderung ebenfalls zurückziehen.

Leserkommentare
  1. baut Libeskind seit ca. 10 Jahren nur mehr Müll. Schade, mochte seine frühen Bauten wirklich sehr.

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    • hairy
    • 31. Mai 2013 21:42 Uhr

    ist hier nicht das Problem. Er hat halt ein großes Büro zu füttern. Problem ist eher, wie finanziert wird. Ein paar Provinzfiguren wollten halt einen Protzbau, auf Kosten des Steuerzahlers, und scheuten offenbar vor korrupten Praktiken nicht zurück. Hoffe, es kommt die Staatsanwaltschaft mal in die Gänge.

  2. es macht einfach keinen Sinn noch mehr Geld in "Bildung" zu stecken.

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  3. Die Gelder werden wieder veruntreut für die überschätzten Stararchitekten. Statt die Bildungswiese aufzuräumen wird die Baulobby gefüttert.

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  4. In Zeiten, in denen dem Staat das Geld fehlt, müssen nicht nur jene hart angegangen werden, die dem Staat ihren Obulus verweigern, sondern auch jene, die das Geld des Staates verschleudern. Während bei der Steuerhinterziehung die Daumenschreiben angezogen wurden, können die Politiker immer noch auf den Schutz ihrer Kumpanen hoffen. Hat schon jemand etwas davon gehört, dass die betrügerischen griechischen Politiker belangt würden (reich genug wären sie, um Strafen zu bezahlen)? Nein, denn eine Krähe hackt der andern kein Auge aus. Es lebe die Doppelmoral: haltet den Dieb (d.h. den Steuerhinterzieher) schreien, und selbst krminell sein.

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    • bayert
    • 31. Mai 2013 15:58 Uhr

    beachtlich, da das W3 Grundgehalt in Niedersachsen schlappe 65086.32 Euro/Jahr beträgt (für eine Vollzeitprofessur).

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  5. hat sich angie mit frau janka das nächste kuckucksei ins amt geholt

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    ... hat sich dieser verantwortungslose Satz des Schreibers "Bildungsministerin Johanna Wanka wusste möglicherweise davon." ja schon gelohnt. Sie springen ohne nachzufragen auf diese böse Unterstellung auf. Und der Autor selbst liefert natürlich auch nichts, nicht einmal Halbgares. Der wäre besser angeln gegangen.

    ....checkt die Frau Wanka ab, bevor ihr sie beruft, aber nee.....
    Die bittere Wahrheit ist wohl : Es gibt keine"sauberen" Politiker mehr !

    Mit den Ein/Aus/Abtrittsurkunden kann Frau Merkel langsam aber sicher ihre Kanzlei tapezieren !

    • bkkopp
    • 31. Mai 2013 16:39 Uhr

    Der Bau sieht ganz bestimmt nicht danach aus. Bei den sehr reichen amerikanischen Stiftungsuniversitäten würde man sich einen vergleichbaren Bau höchstens dann leisten, wenn ihn ein grosszügiger Sponsor bezahlt. Ein solches Vorhaben aus öffentlichen Mitteln qualifiziert die Protagonisten als reif für die Klapsmühle.

    Vielleicht haben wir überhaupt zuviele relativ kleine und in Wissenschaft und Lehre zu unbedeutende Hochschulen. Es scheint Parallelen zu den Krankenhäusern zu geben. Zuviele, zu klein, schlecht ausgelastet - aber immer satte Verwaltungsgemeinkosten.

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  6. Millionen werden verschwendet, die der Bildung zustatten kommen könnten. Unsere Studenten werden keinen Deut intelligenter von solchen architektonischen Verirrungen.

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