Hochschule : Professor gilt als Plagiator und keinen stört's

Die Dissertation eines Heilbronner Professors steht unter Plagiatsverdacht. Seine Hochschule fühlt sich für die Prüfung nicht zuständig und lässt ihn weitermachen.

"Diese Doktorarbeit gehört zu den schlimmsten von mehreren Dutzend, die wir bislang als Plagiate dokumentiert haben", sagt Gerhard Dannemann, Mitarbeiter des Internet-Forums Vroniplag und Rechtsprofessor an der Berliner Humboldt-Universität (HU). Er zählt "Plagiatfundstellen" auf mehr als 170 von 260 Seiten einer Innsbrucker Dissertation aus dem Jahr 2002. Der angegriffene Autor Ronald Moeder ist heute Professor für Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule in Heilbronn. Er ist "überzeugt, dass eine Überprüfung der Universität Innsbruck die Unrichtigkeit der gegen mich erhobenen Anschuldigungen erweisen wird".

Vroniplag wurde durch Insider-Tipps aus der HU auf die inzwischen zehn Jahre alte Dissertation aufmerksam. An der Berliner Uni hatte Moeder nach eigenen Angaben zunächst eine "Vorfassung" seiner Doktorarbeit eingereicht. Wegen "einer unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheit mit meinen Betreuern" habe er den Dissertationsantrag dann aber doch zurückgezogen. Ein Jahr später legte er eine "überarbeitete und inhaltlich erweiterte" Fassung in Innsbruck vor. So schildert es Moeder im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Sein Innsbrucker Doktorvater sagt, er habe von der Vorarbeit überhaupt nichts gewusst: "Sonst hätte ich mich bei der HU kundig gemacht."

Seit einem Vierteljahr geht die Uni Innsbruck der Frage nach, ob die Plagiatsvorwürfe zur Aberkennung des Doktortitels führen müssen. Über das Untersuchungsergebnis wird die Hochschule die Öffentlichkeit aber nicht informieren. Ein Uni-Sprecher verweist auf eine in Österreich – wie sonst nirgendwo in Europa – geltende "Amtsverschwiegenheit". Die ist allerdings politisch stark umstritten. Ein Innsbrucker Professor bemängelt: "Die Universität kontrolliert sich selbst und entscheidet, was unter das Amtsgeheimnis fällt – wenn sie will: alles."

Innsbruck soll es richten

Die Hochschule Heilbronn hat gleichwohl in Innsbruck eine Anfrage nach dem Weiterbestand des Doktortitels  gestartet und hofft, darauf  irgendwann eine klare Antwort zu erhalten. Bis dahin sieht Rektor Jürgen Schröder "keinen Anlass, Moeders Tätigkeit an unserer Hochschule infrage zu stellen". Anders als etwa in einem Berliner Fall wird der Hochschullehrer bis zur Klärung der Plagiatsvorwürfe auch nicht vorläufig vom Dienst suspendiert.

Sollte der Titel fallen, stellt sich allerdings automatisch die Frage, ob Moeder bei seiner Bewerbung in Heilbronn betrogen hat. So verlor etwa eine Dozentin der Fachhochschule Frankfurt wegen eines erschlichenen Doktorgrades vor zwei Jahren ihren Arbeitsplatz. Ein Göttinger Beispielfall zeigt, dass ein falscher Doktor ferner mit strafrechtlichen Sanktionen rechnen und Schadensersatz an seinen Buchverlag zahlen muss.

Dass Heilbronn die Plagiatsfrage einfach Innsbruck überlässt, ist durchaus verwunderlich. Die schwäbische Hochschule hat eine eigene Satzung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Danach ist ein amtlicher Kreis von Ombuds- oder Vertrauensleuten die Anlaufstelle bei wissenschaftlichem Fehlverhalten wie Plagiaten. Das Gremium "greift von sich aus einschlägige Hinweise auf", die auch von "Dritten" stammen können – im Falle Moeder etwa vom Berliner Professorenkollege Dannemann. Die Heilbronner Satzung spricht ausdrücklich von der Vorbildfunktion der Hochschullehrer, die natürlich durch früheres Fehlverhalten als Doktorand beeinträchtigt werden kann. Laut Rektor Schröder hat die Hochschule dazu schon im Februar "eine Stellungnahme und Erklärung von Moeder angefordert". Mehr ist in Heilbronn nicht passiert.

Ein endgültiges Ja oder Nein zu Moeders Doktortitel ist eine Ermessensentscheidung der Uni Innsbruck. Bei solchen Urteilen erweckt die Uni Innsbruck mitunter den Anschein besonderer Toleranz und Milde. Aber Doktortitel hin oder her: Jede Hochschule, selbst eine ohne Promotionsrecht wie die in Heilbronn, kann Lehrkräfte wegen eines Plagiats auch abgestuft sanktionieren. Schon eine öffentliche Rüge kann dem akademischen Image bei Kollegen und Studenten und damit der Karriere schaden. Vor ein paar Jahren widerfuhr das etwa Rechtsprofessoren in Berlin und Darmstadt. Mit dem bloßen Fingerzeig auf Innsbruck macht die Heilbronner Hochschule aber einen großen Bogen um ihre eigene Verantwortung.

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Kommentare

67 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Da sehen Sie mal...

in diesem Fall hätte ich vermutlich keinerlei Anstoß genommen ;-)

Mein Problem ist rein formal:

Mein Hund steht z.B. bei meiner Haushälterin im Verdacht, meine Socken zu zerreissen. Das ist extrem plausibel. Besonders für meine Haushälterin. (Und erst recht wenn man die Haushälterin ganz weglässt. Die Bild macht aus sowas dann: "Hund zerfetzt Socken!";-)

Das Problem ist halt nur, daß mein Hund damit wirklich überhaupt
nichts zu tun hat, das weiss ich zufällig aus erster Hand ;.)

Aber Spaß beisete:

Wenn jemand Plagiator i s t, dann schreibt man z.B.: "X ist Plagiator". Wenn jemand v e r d ä c h t i g t wird, Plagiator zu sein, warum schreibt man dann aber "X g i l t als Plagiator ?"

Ich frage mich halt bei sowas immer:
Bei wem? Bei meiner Haushälterin?
Und dann lese ich meistens was anderes...