Trotz der Rekordzahl von derzeit 2,5 Millionen Studenten schaffen es Arbeiterkinder nach wie vor nur selten an die Hochschule. Dies geht aus der neuen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) hervor. Demnach studieren von 100 Kindern aus Akademikerfamilien 77. Von 100 Kindern aus Facharbeiterfamilien sind es hingegen nur 23.

"Der Zugang zum deutschen Hochschulsystem ist sozial nach wie vor selektiv", sagte DSW-Präsident Dieter Timmermann. Daran hätte auch die neue Studienstruktur mit dem schnelleren Bachelor-Abschluss nichts verändert. "Die hochschulpolitischen Schlüsselbegriffe unserer Zeit sind Exzellenz, Elite, Autonomie. Von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit ist kaum die Rede."

Um dies zu ändern, plädiert Timmermann für eine Reform des Bafög. Bund und Länder sollten sich dem jetzt nicht mehr verweigern. Die Anhebung der studentischen Ausbildungsförderung steht nun schon im zweiten Jahr aus. Bereits im Januar 2012 hatte der Bafög-Beirat der Bundesregierung eine Erhöhung der Fördersätze um fünf Prozent sowie der Elternfreibeträge um sechs Prozent verlangt. Diese Forderung hatte sich die Regierung allerdings nicht zu eigen gemacht.

Laut der DSW-Sozialerhebung wird derzeit ein Viertel der Studierenden voll oder teilweise mit Bafög gefördert. Stipendien bekommen nur vier Prozent. Sechs Prozent haben Kredite aufgenommen, um ihre Ausbildung zu finanzieren. Dies sind den Ergebnissen zufolge vor allem Kinder aus ärmeren Elternhäusern.   

Weniger Zeit für Jobs

Der Mehrheit der Studenten reicht das Geld von Staat oder Bank aber nicht aus, 61 Prozent gaben an, neben dem Studium noch zu jobben – im Schnitt 7,4 Stunden die Woche. Insgesamt ist die Erwerbstätigenquote unter den Studierenden allerdings leicht zurückgegangen. Als eine mögliche Ursache gilt laut Sozialerhebung der Verzicht auf Studiengebühren. Besonders Studenten aus ärmeren Familien hatten zuvor darüber geklagt, für die Gebühren nebenbei arbeiten zu müssen. Aus Sicht von Hochschulforschern lässt aber auch das straffer organisierte Bachelorstudium mit seiner dichten Abfolge von Lehrveranstaltungen heute weniger Zeit für Nebenjobs.

Wie die repräsentative Umfrage ergab, ist hier allerdings eine Verbesserung eingetreten, die Klagen der Studierenden über die hohe Arbeitsbelastung im Bachelor-Studium haben Wirkung gezeigt. Die Unis haben Lehrveranstaltungen entzerrt. Nun wendet ein Student durchschnittlich 35 Stunden in der Woche für Vorlesungen, Seminare und Selbststudium auf – zwei Stunden weniger als noch bei der Umfrage 2009.