Dissertation : NRW-Staatssekretär unter Plagiatsverdacht

Verliert der nächste Politiker den Titel? NRW-Staatssekretär Eumann soll für seine Dissertation Teile seiner alten Magisterarbeit verwendet haben.

Akademisches Arbeiten zieht sich gerne mal über Jahre. Gedanken entstehen, bauen aufeinander auf, entwickeln sich weiter oder werden revidiert. Ein wünschenswerter und wichtiger Prozess in der Wissenschaft. Ist es da schon ein Plagiat, wenn jemand das, was er selbst erdacht, erarbeitet und aufgeschrieben hat, in einer Doktorarbeit verwurstet?

Genau um diese Frage geht es im Fall von Marc Jan Eumann, Staatssekretär für Medien in Nordrhein-Westfalen. Er soll für seine Promotionsschrift weite Teile aus seiner 20 Jahre älteren Magisterarbeit abgeschrieben haben. Das wäre noch erlaubt, wenn es entsprechend angegeben und weiter entwickelt worden wäre. Die entscheidende Frage ist jetzt: Hat er ausreichend darauf hingewiesen? Deshalb prüft die Universität Dortmund derzeit, ob ihm der Doktortitel wegen Täuschung aberkannt werden muss.

Erst 2011 hatte Eumann seine Dissertation mit dem Titel Der Deutsche Presse-Dienst. Nachrichtenagentur in der britischen Zone 1945-1949 an der TU Dortmund mit der Verteidigung der Arbeit vor der Prüfungskommission mit summa cum laude abgeschlossen. Jetzt, gut zwei Jahre später, hat der Rektor der Uni Dortmund "erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten des Herrn Dr. Eumann" in seiner Dissertation festgestellt.

Ältere Vorarbeiten seien nicht deutlich genannt

Zweifel an der Eigenständigkeit der Promotionsarbeit hatte ursprünglich Arnulf Kutsch, Professor für Kommunikationswissenschaft in Leipzig, Ende vorigen Jahres in einer Buchbesprechung geweckt. Eumann habe im Wesentlichen seine Magisterarbeit, die er 1991 an der Uni Köln schrieb, kopiert, ohne sie zu zitieren, behauptete er. Lediglich im Vorwort finde sich ein unkonkreter Hinweis auf eigene ältere Vorarbeiten. 

Eumann selbst wurde dazu von einer Untersuchungskommission der Uni angehört. Jetzt stellt er nach dem aktuellen Rektoratsbeschluss fest: "Ich habe weiterhin keinen Zweifel, dass meine Dissertation eine substanzielle Erweiterung meiner Magisterarbeit darstellt." Er will um seinen Doktor streiten, zunächst in einer abschließenden Stellungnahme gegenüber der Hochschule. Dann muss die Kulturwissenschaftliche Fakultät in Dortmund in der Titelfrage entscheiden.

Nach den Affären um Guttenberg, Koch-Mehrin, Schavan und andere bekannte Politiker aus CDU, CSU und FDP geht jetzt natürlich auch der erste Promotionsskandal um einen SPD-Frontmann nicht ohne politische Begleitmusik ab. Schon sagt ein Sprecher der CDU-Landtagsfraktion: "Ein Medienstaatssekretär, der bei seiner medienhistorischen Promotion getäuscht hat – das ist eine irrwitzige Vorstellung." Aber mit der gebotenen Unschuldsvermutung bleibt der Staatssekretär zunächst im Amt.

Im akademischen Streit kommt es entscheidend darauf an, ob der Doktorand seine beiden Doktorväter und damit den ganzen Fachbereich über die Existenz der Magisterarbeit getäuscht hat. Dazu erklärt der Erstgutachter Horst Pöttker heute: "Ich musste davon ausgehen, dass die Magisterarbeit ein anderes Thema als die Dissertation hatte."

Anzeige

Forschende Fachhochschulen

Die deutschen Fachhochschulen entwickeln sich von reinen Lehranstalten zu Schmieden der anwendungsbezogenen Forschung - unterstützt von Politik und Wissenschaftsrat.

Mehr erfahren >>

Kommentare

57 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Größenordnung

Es geht im vorliegenden Fall wohl um die Klärung, wieviel übernommen wurde und ob es ausreichend gekennzeichnet wurde. Ansonsten ist selbst eine zweifache Einreichung einer Hausarbeit vergebene Liebesmüh' - wer schon zwei Kurse erwischt, die in Bachelor und Master ein hinreichend deckendes Thema haben, sollte wenigstens zeigen können, daß er den Master ansteuert, oder? Was für den Bachelorschein noch eine 2 ist, wird im Master zwangsläufig schlechter gewertet.