Buch "Die Turbo-Studenten"Studieren im Schnelldurchlauf

Zum Master in 20 Monaten: Drei Studenten haben ihr Studium in Rekordzeit absolviert und ein Buch darüber geschrieben. Ein exklusiver Auszug aus "Die Turbo-Studenten". von Robert Grünwald, Marcel Kopper, Marcel Pohl und

Turbostudenten-Buch-Autoren

Die drei Autoren der Erfolgsstory: Robert Grünwald, Marcel Kopper und Marcel Pohl.  |  © Gabal Verlag

Nur vier Semester brauchte Marcel Pohl, um ein auf elf Semester angelegtes Studium zu absolvieren. Der BWL-Bachelor gelang ihm nach zwei Semestern, einen anschließenden Masterabschluss erreichte er ebenfalls in zwei Semestern. 

Allein durch diese Leistung hebt sich der jetzige Bankkaufmann von anderen Studenten ab. Deutschlandweit bekannt aber wurde der Absolvent der Hochschule für Oekonomie & Management (FOM) in Essen, als seine Uni ihn verklagte. Er müsse die Studiengebühren für die gesamte Regelstudienzeit zahlen, hieß es. Pohl verlor im Rechtsstreit. Das Amtsgericht Arnsberg entschied, dass er trotz seines verkürzten BWL-Studiums die vollen Kosten tragen muss.

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Möglich wurde Pohls Blitzstudium durch einen ehrgeizigen Lernplan, den er mit zwei Freunden entwickelte: Tagsüber absolvierten die Kommilitonen die im Studiengang vorgeschriebenen Praxisblöcke in Unternehmen, abends und am Wochenende besuchten sie Seminare an verschiedenen Standorten ihrer Fachhochschule. Weil ihr dualer Studiengang keine Anwesenheitspflicht vorsieht, konnte das Trio 60 Prüfungen in 20 Monaten abschließen.

Das Turbostudium ist umstritten

Ist dieses Durchpeitschen eines Studiums wirklich sinnvoll? Wie wertvoll ist eine akademische Ausbildung, in der keine Zeit zum Reflektieren bleibt, in der Gedankenansätze, die nicht direkt zum Erfolg führen, verworfen werden, und in der die Weiterentwicklung der Persönlichkeit kaum Raum findet? Das Turbo-Studium, wie es Pohl und seine Kommilitonen durchgezogen haben, ist umstritten – selbst unter Wirtschaftsvertretern, die sich Kandidaten wünschen, die nicht nur gradlinig zum Anschluss gerannt sind.

Marcel Pohl bereut sein Blitzstudium nicht. Heute arbeitet der 23-Jährige bei einer Bank, promoviert nebenbei – und hat mit seinen ehemaligen Mitstreitern ein Buch geschrieben, das die Erfolgsstrategie der drei Hochleistungsstudenten nachzeichnet und Tipps zum effizienten Arbeiten gibt.

ZEIT ONLINE bringt vor dem Erscheinungsdatum am 15. Juli exklusiv das siebte Kapitel:

Leserkommentare
  1. Da weiß man ja gar nicht mehr, was man schreiben soll. Quoten-BWL-Bash-Kommentar: Mit einem richtigen Studiengang (z.B. Informatik) wäre das gar nicht möglich gewesen, da braucht man mindestens alleine 3 Semester für Vorbereitung und Durchführung der beiden Abschlussarbeiten.

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    "Mit einem richtigen Studiengang (z.B. Informatik)..."

    Und da heisst es immer die BWLer seien arrogant. ;)

    Wir könnten ja eine Abstufung der Studiengänge vornehmen und den master titel durch den Zusatz "first class, second class" usw. ergänzen, was halten Sie davon?

    Also: Informatiker werden master first class (Zusatz: heroes of the universe), die Naturwissenschaftler master second class, die Ingenieure master third class (Zusatz: für ein Physikstudium hat es leider nicht gereicht) und die BWLer bekommen den master shit class. Einverstanden?

    • tnie
    • 11. Juli 2013 16:33 Uhr

    ach naja, wenn man vorher eine entsprechende Ausbildung gemacht hat und ordentlich was in der Birne hat, dann ist das (je nach Hochschule /Studienordnung) vermutlich auch bei Informatik und anderen Fächern möglich. Vielleicht ein Semster mehr, je nach dem was man an Übungen abgeben muss und so, aber einen Bachelor schnell zu machen, wenn man das meiste schon aus der Ausbildung kennt ist ja kein Hexenwerk.

    Dass die drei was drauf haben und eventuell sogar ein normales Studium geschafft hätten sollte man ihnen nicht absprechen. Wer das tut ist wirklich arg angreifbar für Neid-Unterstellungen.

    Was mich stört ist: warum werden einem solche Systemopfer hier als Siegertypen vorgestellt? Wenn ZO eine Plattform für selbstständig und kritisch denkende Gemüter ist - warum dann son ein Artikel? Nur damit sich hier in den Kommentaren ein paar Trolle ausmotzen dürfen? Oder hat das Börsenblatt abgewunken und der Autor wollte seine enorme Arbeit nicht verschwenden, einen (mittelmäßigen) einseitigen Artikel zu tippen?

    • amlmsh
    • 11. Juli 2013 11:13 Uhr

    "Wir leben in einem Zeitalter der Beschleunigung."
    "Wir hatten uns einfach entschieden – für das Besondere, die Schnelligkeit..."
    Also kur: schwimmen mit dem Strom.

    Gratulation zur Wochenendeseminar Rethorik auf Kosten logischen Denkens.
    Ein Buch zu lesen, bevor man eins schreiben will, braucht man ja auch nicht.
    Dank ZO die machen sogar noch Werbung fuer einen!
    Oh, mann!

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    "Gratulation zur Wochenendeseminar Rethorik auf Kosten logischen Denkens."

    So kleine Schmankerl lob ich mir. Der war gut.

  2. Zeit zum Reflektieren ist gerade bei der Berufswahl mehr als kritisch zu sehen.

    12 Leserempfehlungen
  3. "Dieser ganze Gründerenthusiasmus lag uns dreien natürlich auch im Blut, war Sache unseres in allen Lebensbereichen auf Tempo eingestellten Naturells."

    Juchuu!! Die Welt ist gerettet!

    Hier habe ich aufgehört zu lesen.

    Mal ehrlich: Das mag mit BWL gehen. Das geht, wenn man nicht nebenbei noch arbeiten muss. Aber in richtigen Studiengängen hätten die Herrschaften versagt.

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    ...dass drei Personen BWL in beliebig kurzer Zeit studieren, finde ich nicht überraschend, nachdem ich bei VWL 2 Jahre reingeschnuppert hatte und dann geflüchtet bin, weil ich mir Sorgen um meinen Verstand gemacht habe.
    BWL studieren bedeutet Platitüden auswendig zu lernen und sich in Mathematik hauptsächlich mit linearen Prozessen zu beschäftigen. Alles ist viel zu stark vereinfacht, dadurch recht übersichtlich und linear, A verursacht B etc. aha.

    Ob man darauf stolz sein sollte, das alles schnellstmöglich in sein Hirn bekommen zu haben, keine Ahnung.

    Was ich erstaunlich finde, ist, dass eine derartige Nullnachricht in einem Buch veröffentlicht werden konnte, der deutsche Buchmarkt scheint sehr verzweifelt zu sein.
    Die Äußerungen der drei im Text bestehen wiederum im wesentlichen aus Platitüden.
    Kein Grund zur Besorgnis soweit, außer: die Vorstellung, dass sie jetzt Entscheidungsträger sind, ist angsteinflößend.
    Es wäre schön, wenn im Bereich der Wirtschaft Leute arbeiten würden, die nachdenken und zweifeln können, und verstehen, warum das wichtig ist.

    Es muss auch ein Reifeprozess erkennbar sein. Pure Rekordsucht lässt vermuten dass Leistungen unter der einzigen Prämisse: Anzahl pro Zeit bewertet werden.
    Ich möchte nicht Kunde eines Beraters sein der sich einen neuen Rekord an Abschlüssen auf die Fahne geschrieben hat.

  4. "Aber man muss es selbst entscheiden: ob man einfach mit dem Strom schwimmt oder dagegen."

    Bei dem Satz musste ich endgültig kotzen!
    Die drei schwimmen nicht nur mit dem Strom, sie versuchen auch noch schneller zu sein als die anderen Schwimmer. Das können sie nur, weil sie sich für ein Fache entschieden haben, in dem eigenständiges Denken nicht von Nöten ist, sondern nur ein bloßes Einpaucken und nachplappern der vorherrschenden Lehrmeinung. Außerdem waren sie an einer Privatuni.
    In einem richtigen Fach, wo wissenschaftliches Denken gefragt ist und an einer staatlichen Uni, währen die nie so schnell gewesen.

    Und jetzt kommen gleich wahrscheinlich wieder die Kommentare darüber wie neidisch ich doch angeblich bin.

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    • Dirac
    • 11. Juli 2013 20:39 Uhr

    Also, ich empfinde das schon als eine starke Leistung. Hut ab, das muss man erstmal schaffen. Die Frage ist nur: Muss man das schaffen wolle?
    Ich kann einfach kaum verstehen, warum die drei Jungs eine so schöne Lebensphase so schnell abschließen wollten. Während meines 12-semestrigen Studium hatte ich so viel Spaß und eine davor und danach nie gekannte Freiheit erlebt. Nicht nur das Leben, selbst das Lernen hat einigen Spaß gemacht, dass ich es nie bereut habe, zwei Semester länger zu brauchen
    Ich hoffe nur, dass sie es später mal nicht bereuen werden...

  5. müssen wir noch von diesen drei lesen? Toll, da hat jemand beschlossen, seine Studienzeit auf keinen Fall als Zeit menschlicher Reifung zu betrachten. Gerade in vielen Magisterstudiengängen war die Scheinzahl auch so beschränkt, dass man nach 2 Jahren locker hätte durch sein können. Fachlich kompetent wäre man aber noch lange nicht gewesen, und gewissenhafte Dozenten hätten einen nicht zur Prüfung zugelassen. Sowieso stand in meiner Studienordnung, dass Prüfung vor dem 7. Semester nur in Ausnahmefällen zugelassen ist. Jetzt arbeitet man bei einer Bank und promoviert nebenher - die Qualität solcher nebenher geschriebener Promotionen ist meist sehr bescheiden. Ich verstehe einfach nicht, warum Qualitätszeitungen solchen Leuten ein Forum bieten.

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    da es sich hierbei um verkappte werbung für den ghostwritingservice gwriters handelt, mehr nicht ;-)

    wie so die zeit gutenberg verurteilte, und gleichzeitig solchen leuten mit werbung hilft.

  6. Als wirtschaftsingenieur hab ich schon alleine 58 Klausuren in meinem Bachelor-Studium geschrieben...Dazu kann ich auch sagen, dass die BWL Klauseren in meinem Studium sicherlich die einfachsten waren, die zu meist auch mit einer Vorbereitungszeit von wenigen Tagen gut bestaden werden konnten.

    Im nachhinein muss ich sagen, dass es auf jeden Fall locker möglich gewesen wäre, ein "einfaches" BWL Studium weit unter Regelstudienzeit zu schaffen.

    Aber in 20 Monaten bis zum Master, trotzdem dicken Respekt!!

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    Das Studium des Wirtschaftsingenieurwesen ist allerdings auch ein ganz anderes Kaliber, als ein reines BWL-Studium. In der Regel haben die Absolventen eines solchen Studiengangs zuvor eine solide handwerkliche Ausbildung gemacht und sind sehr nah an der Praxis dran. Wer als Chef ein Unternehmen erfolgreich führen will, muss eben auch wissen, was und wie in dem Unternehmen gearbeitet ist. Ich habe einige Unternehmen kennengelernt, die nach der Übernahme der Leitung durch schöselig und großspurig auftretende BWLler sang und klanglos den Bach runter gegangen sind:

    Zuerst ging das Betriebsklima in den Keller, danach gab's zunehmend größere Probleme mit der Qualität, daraus bedingt massiven Ärger mit der Kundschaft, die Besten Leute wanderten zur Konkurrenz ab und danach kam die Insolvenz. Ich habe auch schon erlebt, wie Jungspunds der Kategorie U-30 der Meinung waren, man könne ein Unternehmen vom Surfbrett und von der Strandbar aus leiten - schließlich sei man ja wer. Das ganze wurde dann als "Hart Arbeitend" etikettiert. Der schwere Schiffbruch war schon lange vorher absehbar.

    Sicherlich gibt es Ausnahmen - aber die Regel ist die, dass es zum Führen eines Unternehmens EINES braucht: Lebenserfahrung und ein gehöriges Maß an Gelassenheit. Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre - diese alte Weisheit erweist sich immer und immer wieder als wahr.

  7. ...ist die Lehre von der Religion der Marktgläubigkeit.
    In manchen Sekten geht die Ausbildung zum Wanderprediger auch innerhalb weniger Monate.

    Vielleicht hätten sich die "Turbo-Studenten" besser an etwas Anspruchsvollem, also echter Wissenschaft versucht, zB Physik, Biologie oder Chemie....

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  • Schlagworte Commerzbank | Ausbildung | Fachhochschulen | Studiengang
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