Die Debatte um die Doktorarbeit von Bundestagspräsident Norbert Lammert hat eine zweite Dimension bekommen. Wer ist der anonyme Plagiatsjäger, der sich selbst Robert Schmidt nennt? Was treibt ihn an, erst die Doktorarbeit der ehemaligen Bildungsministerin Annette Schavan zu durchforsten und nun die von Norbert Lammert?

Er habe ein "Allerweltspseudonym", sehe sich als "Anwalt des gewöhnlichen Bürgers" und sei zweifellos ein "Korinthenzähler", schreibt der Tagesspiegel in einem "Versuch einer Annäherung an einen Anonymus". Andere Plagiatsjäger beschreiben die Arbeitsweise von Robert Schmidt als "sauber, akribisch und sehr sachlich". Das alles sind Mutmaßungen, gesicherte Informationen gibt es kaum. Jetzt hat Robert Schmidt sich zum ersten Mal etwas ausführlicher zum Fall Lammert geäußert. Per Fax beantwortete er Fragen des Spiegels.

Er schreibt, er habe etwa 250 Stunden mit Lammerts Dissertation verbracht. Ihn treibe ein sportlicher Ehrgeiz an. Dieser ist nun offenbar befriedigt: Er wolle in diesem Jahr keine weiteren Doktorarbeiten untersuchen. Wie er die Arbeit finanziert, verrät er nicht. Nur so viel: "Ich beziehe (…) keinerlei Sozialleistungen." Über seine wahre Identität schweigt er. Ob er aus parteipolitischer Motivation handele, fragt der Spiegel. Schmidt antwortet: "Nein, ich bin Wechselwähler."

Ende Juli hatte Robert Schmidt auf einem Wordpress-Blog namens Lammertplag dem CDU-Politiker wissenschaftliches Fehlverhalten vorgeworfen. Stichprobenartig hat er die Arbeit mit dem Titel Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung – Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet aus dem Jahr 1975 untersucht. In dem Blog heißt es: "Ich meine jetzt genug problematische Belegstellen gefunden zu haben, die eine umfassende offizielle Untersuchung der Arbeit rechtfertigen."

Lammert hält sich bedeckt

Robert Schmidt wirft Lammert unter anderem vor, Sekundärliteratur nicht richtig zitiert zu haben. Außerdem habe Lammert beispielsweise ein Originalwerk mit ungenauem Titel beziehungsweise falscher Seiten- oder Jahreszahl angegeben. Ob das ein Plagiat ist oder eher als Zitierfehler einzustufen ist, muss nun die Ruhr-Universität Bochum prüfen.

Lammert ist um Transparenz bemüht, hält sich aber bedeckt. Nachdem er von einem Journalisten über die Vorwürfe informiert worden war, stellte er seine Dissertation ins Internet und sagte, er habe sie "nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt" und sei "von ihrer wissenschaftlichen Qualität überzeugt". Die Universität Bochum, an der er als Mittzwanziger promoviert hatte, bat er, die Vorwürfe zu prüfen. Da Lammert dort als Honorarprofessor tätig ist, will die Universität externe Gutachter mit der Prüfung beauftragen.

Wissenschaftler sind sich uneinig, wie schwer Lammerts Verstöße wiegen. Der Plagiatsexperte und Münchener Rechtsprofessor Volker Rieble sagte ZEIT ONLINE, er halte die dokumentierten Stellen nicht für Plagiate. Unterstützung erhält Lammert auch von den Forschern, die er angeblich nicht korrekt zitiert haben soll. Der Politologe Manfred Schmidt warnte davor, zu behaupten, in den siebziger Jahren hätten laxere wissenschaftliche Standards gegolten. "Fußnoten und Zitate mussten auch damals stimmen."