Hochschulpolitik spielt im Bundestagswahlkampf kaum eine Rolle. Das liegt vor allem daran, dass Bildung seit der Föderalismusreform Ländersache ist. Akzente setzen konnten deshalb weder die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan noch ihre Nachfolgerin Johanna Wanka: Aus Schavans Amtszeit wird vor allem das Deutschlandstipendium in Erinnerung bleiben, Wanka beschränkte sich darauf, ihre Hausaufgaben zu erledigen wie etwa die Aufstockung des Hochschulpaktes.

Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte sieht einen weiteren Grund dafür, dass weder Angela Merkel noch Peer Steinbrück mit hochschulpolitischen Ideen Wahlkampf machen. Korte hält die Bildungspolitik für nicht strittig genug: "Jeder Politiker fordert mehr Bildung und will mehr Geld in die Bildung investieren. Politiker brauchen Kontroversen, um damit zu polarisieren." 

Tatsächlich könnte der Eindruck entstehen, es sei hinsichtlich hochschulpolitischer Themen nicht ganz so wichtig, welche Partei man am Sonntag wählt. Unsere Übersicht zeigt, dass es durchaus sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, wie es mit Deutschlands Universitäten weitergehen soll.

Bologna-Reform

Seit die Bologna-Reform im Jahr 1999 umgesetzt wurde, steht sie immer wieder in der Kritik. Zuletzt erklärte Horst Hippler, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, die wichtigsten Ziele der Reform für gescheitert.

Die CDU und FDP können die Kritik an der Reform nicht nachvollziehen. Die FDP ist zufrieden mit der Reform und sieht den Bologna-Prozess "in ruhigem Fahrwasser". Auch die CDU sieht die Reform "positiv". Vor allem die steigende Auslandsmobilität und die hohe Anerkennung des Bachelor-Abschlusses hätten sich verbessert. 

Die SPD, die Linke, die Piratenpartei und die Grünen kritisieren die Reform. Sie bemängeln vor allem die vielen Prüfungen, mangelnde Anerkennung der Studienleistung, fehlende Flexibilität der Studiengänge und Probleme beim Übergang zwischen Bachelor und Master. Die Parteien streben Veränderungen an: Die Studienordnungen sollen abgespeckt, die Studienpläne gelockert und eine stärkere Interdisziplinarität ermöglicht werden.