Der Wahlkampf dümpelt vor sich hin und die Parteien übertreffen sich mit mehr oder weniger schlichten Lösungen. Die Ideenarmut betrifft leider auch die Zukunft unseres Wissenschaftssystems. Doch ohne Forschung und Ausbildung werden wir die anstehenden Herausforderungen nicht lösen: dass immer weniger Junge immer mehr Alte finanzieren müssen; dass Arbeitsplätze jederzeit ins Ausland abwandern können; dass unser Gesundheitssystem finanzierbar und die Umwelt bewohnbar bleibt.

In den vergangenen zehn Jahren hat die deutsche Wissenschaft durch kluge Ideen wie etwa die Exzellenzinitiative international an Boden gewonnen. Viele unserer Universitäten und Forschungseinrichtungen sind für Spitzenwissenschaftler aus der ganzen Welt attraktiv geworden. Dieser Erfolg steht aktuell auf dem Spiel.

In den nächsten Jahren laufen diverse Pakte aus: der Hochschulpakt für mehr Studienplätze, der Pakt für Forschung und Innovation, die Exzellenzinitiative und die Hochschulbauförderung im Umfang von jährlich etwa vier Milliarden. Bricht das weg oder wird es nicht adäquat fortgeführt, sind die Erfolge des deutschen Wissenschaftssystems dahin.

Bis 2020 braucht es neue Impulse für die Finanzierung und Organisation des deutschen Wissenschaftssystems: Die Hochschulen müssen so finanziert werden, dass sie sich eine international konkurrenzfähige Forschung und steigende Studentenzahlen leisten können. Das geht nur, wenn sie dauerhaft Geld von den Ländern und vom Bund bekommen. Gleichzeitig muss die Ausdifferenzierung des Wissenschaftssystems weiter vorangetrieben werden. Diese Neuordnung, die Lehre und Forschung im nächsten halben Jahrhundert prägen wird, fällt in die kommende Legislaturperiode.

Um den großen Wurf hat sich keine Partei bemüht

Was hört man von den Parteien dazu im Wahlkampf? Allgemeine Absichtserklärungen ohne konkrete Vision. CDU und SPD versprechen mehr Geld für vieles. Die FDP will nachgelagerte Studiengebühren, die Grünen 1.000 Juniorprofessuren und die Linken ein Anschubprogramm des Bundes für 100.000 unbefristete Stellen. Um den großen Wurf hat sich keine Partei bemüht.

Alle Wissenschaftsorganisationen – die Max-Planck-Gesellschaft, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Helmholtz Gemeinschaft – haben Vorschläge unterbreitet. Die Politik dagegen scheint in der Diskussion um die Zukunft des deutschen Wissenschaftssystems ihre Stimme verloren zu haben. Auch im Wissenschaftsrat hat die Politik ihre Chance verpasst, der Diskussion eine Richtung zu geben. Am Ende kam nur ein laues Kompromisspapier heraus, das fast ohne jede Resonanz geblieben ist.

Was zu tun ist

Im Masterplan Wissenschaft 2020 habe ich dargestellt, was aus meiner Sicht zu tun wäre. Wir brauchen für die Wissenschaft sofort nach der Bundestagswahl eine verbindliche Zusage, dass sie finanzpolitischer Schwerpunkt deutscher Politik sein wird. Denkbar wäre eine Zusicherung, dass die Wissenschaftshaushalte über die nächsten 10 Jahre höhere Wachstumsraten als die jeweiligen Gesamthaushalte haben werden – und mindestens die Höhe der jeweiligen Inflationsrate. Ebenso sollte die Bundesregierung garantieren, dass sie unabhängig von möglichen Verfassungsänderungen auch nach 2020 mindestens in gleicher Höhe wie heute sich an der Studienplatzfinanzierung beteiligen wird.

Breiten- und Spitzenförderung sind keine Gegensätze, vielmehr bedingen sie sich gegenseitig. Deshalb brauchen wir von der Politik eine Entscheidung, wie beides in Zukunft gewährleistet sein wird. Für die Spitzenforschung könnten Universitätscluster, die in einem Wissenschaftsbereich Ausbildung und exzellente Forschung zusammenführen, realisiert werden.

Deutschland hat keine Rohstoffe, die leichten Reichtum verschaffen, seine Bevölkerung schrumpft und wird älter. Es muss daher das beste Wissenschaftssystem haben, mit der besten Ausbildung für seine Studenten und der besten Forschung. Nur dann werden wir mit den finanziellen und inhaltlichen Herausforderungen – von denen wir heute vielleicht noch gar nicht wissen – fertig werden.