Die größte Hochschule Deutschlands betritt nur selten ein Student. Die meisten der rund 85.000 Eingeschriebenen kennen die Fernuniversität Hagen nur aus der Broschüre. Die Unterrichtsmaterialen kommen per Post. Nur für die Prüfungen müssen die Studenten zur Uni – allerdings nicht zu einer bestimmten. Geprüft wird zeitgleich an verschiedenen Orten in Deutschland.

Ein Fernstudium reizt immer mehr Studenten. Mittlerweile gibt es mehr als 300 Fernstudiengänge in Deutschland. Längst richten sich diese nicht mehr nur an Berufstätige. Auch für junge Menschen ist das Fernstudium eine Alternative.

Zum Beispiel für Daniel Döringer. Der 22-Jährige studiert im vierten Semester Wirtschaftswissenschaften in Hagen. Hauptberuflich ist er Innenverteidiger bei einem Drittligaverein. "Ich weiß, dass es wichtig ist, eine gute Ausbildung zu machen", sagt er. "Aber meine Fußballkarriere wollte ich dafür nicht aufgeben."

Döringer trainiert jeden Tag vier bis fünf Stunden. Nur montags hat er manchmal frei. "Trotz des Studiums habe ich die Freiheit, die ich fürs Training brauche", sagt er. Zwar falle es ihm manchmal schwer, sich abends zum Lernen zu motivieren, "aber spätestens, wenn die Prüfungen vor der Tür stehen, nutze ich jede freie Minute". In Regelstudienzeit studiert Döringer nicht. Das mache ihm aber nichts aus. "Fußball spiele ich ja auch noch eine Weile."

Laut einer Erhebung der Fernuniversität Hagen schätzen die Studenten am Fernstudium die Vereinbarkeit mit dem Beruf, die Ortsunabhängigkeit und die freie Zeiteinteilung.

Die zeitliche Flexibilität war der Grund, warum sich Stefanie Stich für ein Fernstudium entschieden hat. Die 24-Jährige ist Mutter einer dreijährigen Tochter. Als sie von der Schwangerschaft erfuhr, studierte sie Theologie in Tübingen. Damit hörte sie bald auf. "Ich wollte meine Tochter nicht den ganzen Tag in eine Kita stecken." Die erste Zeit blieb sie zu Hause, nach sechs Monaten schrieb sie sich in Hagen für Bildungswissenschaften ein. "Als meine Tochter noch kleiner war, kam ich kaum zum Lernen", sagt Stich. "Eigentlich nur abends und nachts." Bald wird ihre Tochter in den Kindergarten gehen. "Dann werde ich auch wieder mehr Kurse belegen und mein Pflichtpraktikum absolvieren."