Seit Christian Schumann studiert, kann er kostenlos Bahn fahren. Er gehört zur kleinen, aber wachsenden Gruppe dual Studierender und kombiniert Betriebswirtschaftslehre mit einer Berufsausbildung bei der Deutschen Bahn. 2012 hat er mit dem Unternehmen einen Studienvertrag abgeschlossen. Drei Monate ist er im Betrieb, dann drei an der Hochschule. Die Hälfte des sechssemestrigen Studiums hat Schumann bereits hinter sich. Am Ende steht der Bachelor-Abschluss.

Duale Studiengänge sind begehrt. Laut Sabine Behrenbeck, Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung beim Wissenschaftsrat, würde ein Drittel der Studienanfänger gerne im Doppelpack studieren. Aktuell sind es gerade einmal 3,4 Prozent. Der Grund: Dual studieren kann nur, wer einen Betrieb gefunden hat und die Plätze in den Unternehmen sind begrenzt. Aufgrund der hohen Nachfrage erwarten Experten, dass künftig mehr Betriebe dieses Studienformat anbieten werden.

910 duale Studiengänge gibt es an Fachhochschulen, dualen Hochschulen und Berufsakademien in Deutschland. Universitäten halten sich bei diesem Studienformat eher zurück. Schumann ist an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim eingeschrieben: 6.600 Studierende gibt es dort, 1.900 Partner-Betriebe und 1.000 Lehrbeauftragte aus der Praxis.

Beim dualen Studium gibt es eine "große Vielfalt an Formaten und Strukturen", schreibt der Wissenschaftsrat in einem gerade verabschiedeten Positionspapier. Die Räte hätten gerne mehr Klarheit. Für Laura Gersch, die den Ausschuss beim Wissenschaftsrat betreut, ist die Herausforderung bei dualen Studiengängen die Qualitätssicherung: "Es geht um den Erhalt von Wissenschaftlichkeit, gelungenes Praxislernen, die inhaltliche Verzahnung der Lerninhalte und um eine vernünftige Betreuung der Studenten im Betrieb und an der Hochschule." Wissenschaftliche Standards sind dem Rat wichtig. Abteilungsleiterin Behrenbeck zufolge sollten duale Studiengänge so gestaltet werden, dass "nicht allein kurzfristige Unternehmensbedarfe bei der Curriculum-Gestaltung im Vordergrund stehen, sondern eine echte Doppelqualifikation entsteht."

Gerade Kinder von Nicht-Akademikern wollen dual studieren

Student Schumann schätzt besonders die Verzahnung von Theorie und Praxis: "Das läuft nicht einfach nebeneinander her." Auch die Studienbedingungen bewertet er positiv. Gelehrt wird in Gruppen von 30 Studenten. "Wenn ich den Dozenten auf dem Flur treffe, begrüßen wir uns. Wir kennen uns." In den drei Monaten im Betrieb sammelt er Arbeitserfahrung, knüpft Netzwerke und informiert sich über Abläufe im Betrieb. Die Deutsche Bahn legt im Wettbewerb um die besten Köpfe zwei Extras drauf: Neben kostenlosen Bahnfahrten erhalten Studenten einmalig einen Studienbonus von 3.500 Euro.

Gerade Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien interessieren sich für ein duales Studium. Das hat Sirikit Krone, Wissenschaftlerin am Institut für Arbeit und Qualifikation in Essen, in einer Untersuchung herausgefunden. Die Wissenschaftlerin hat auch nach Gründen für die Entscheidung zum dualen Studium gefragt. Zwei Vorteile dominieren: die Beschäftigungssicherheit nach Studienende und das Gehalt während des Studiums.

Die Bezahlung variiert von Betrieb zu Betrieb. Laut Bernd Kassebaum von der IG Metall sind die Vergütungen meist gestaffelt: "Im ersten Jahr werden im Schnitt 900 Euro gezahlt. Das steigert sich dann bis auf 1.200 Euro im dritten Jahr." Damit orientieren sich die Betriebe weitgehend an den Tarifverträgen für Ausbildungsvergütungen. "Eine einheitliche Festlegung gibt es allerdings nicht", sagt Kaßebaum. Allemal sind die Beträge höher als der Bafög-Satz. Ein Kostenfaktor für Studenten können allerdings die Studiengebühren der privaten Hochschulen sein. Die meisten Betriebe übernehmen sie, aber nicht alle.

Als Gegenleistung zum Gehalt verlangen die Betriebe, dass Bachelor-Absolventen ihren ersten Arbeitsvertrag mit dem Ausbildungsunternehmen abschließen. Die Mindestdauer des Vertrages beträgt meist ein Drittel der Studienzeit, bei sechs Semestern Bachelorstudium also ein Jahr. Für Schumann ist das kein Nachteil. Er findet es gut, zu wissen, dass sein erster Arbeitsplatz in der Personalabteilung der Konzernleitung in Berlin sein wird.