Der US-Geheimdienstenthüller Edward Snowden © AP

Edward Snowden soll Ehrendoktor werden. Das plant die Philosophische Fakultät der Universität Rostock. Während einer Sitzung des Fakultätsrates sei der Antrag "einstimmig mit zwei Enthaltungen bewilligt" worden, heißt es in der Pressemitteilung. Nun prüft die Fakultät, ob alle Kriterien für ein Ehrenpromotionsverfahren erfüllt sind. Diese Zeit sollte der Rat nutzen, die Entscheidung zu überdenken.

Denn es ist zwar wichtig, die Leistungen des ehemaligen US-Geiheimdienstmitarbeiters auszuzeichnen. Doch mit einem Ehrendoktor soll herausragende Wissenschaft gewürdigt werden*. Die Enthüllungen Snowdens haben mit Forschung aber nichts zu tun.    

Als Begründung für den Ehrendoktor führt die Universität zwei Argumente an. Beide sind nicht haltbar. Erstens: Snowdens Zivilcourage und zivilen Ungehorsam komme eine "herausragende Bedeutung" zu. So formulierte es Dekan Hans-Jürgen Wensierski im Gespräch mit dem Radiosender NDR 1. Das stimmt zwar, rechtfertigt aber laut der eigenen Promotionsordnung nicht die Ehrenpromotion. Die wird demnach "in Anerkennung hervorragender wissenschaftlicher Leistungen" verliehen. Von Zivilcourage steht in der Ordnung nichts.

Zweites Argument: Snowdens "philosophische Reflexionstätigkeit". Er habe im akademischen Bereich einen "breiten Diskurs" angestoßen. Mag sein, eine wissenschaftliche Leistung ist aber auch das nicht. Weder hat Snowden empirische Daten gesammelt, noch hat er eine Theorie entwickelt.

Es ließe sich einwenden, es sei nicht das erste Mal, dass jemand einen Ehrendoktor bekommt, ohne groß geforscht zu haben. So geschehen etwa beim Unternehmer und Politiker Peter Hartz und beim ehemaligen Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert. Allerdings haben die Hochschulen in beiden Fällen erklärt, sie hätten mit der Auszeichnung lediglich prominente Namen gewinnen wollen.

Dafür ist der Ehrendoktor nicht gedacht. Vor allem in Zeiten von Plagiatsskandalen müssen Universitäten zeigen, dass sie sorgfältig mit ihren Auszeichnungen umgehen und Missbrauch bekämpfen.

Um nicht in den Verdacht zu geraten, sie wolle sich mit Snowden nur schmücken, sollte die Universität Rostock ihm den Titel daher nicht verleihen. Auf seine Verdienste lässt sich mit anderen Mitteln aufmerksam machen. Die Hochschule könnte zum Beispiel Vorträge von Datenschützern organisieren oder Podiumsdiskussionen veranstalten. Dann hätten die Studenten auch was davon.

*In einer frühen Version des Artikels stand, der Ehrendoktor sei ein akademischer Grad. Das ist nun korrigiert.