Die Universität Gießen hat das Prüfverfahren gegen die Doktorarbeit von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier eingestellt. Es liege kein wissenschaftliches Fehlverhalten vor, teilte die Universität mit. Der zuständige Promotionsausschuss habe daher beschlossen, Steinmeier den Doktorgrad nicht zu entziehen.

Grundlage für die Entscheidung seien zahlreiche Stellungnahmen sowie die Äußerungen Steinmeiers gewesen, hieß es. Die Gremien der Hochschule stellten zwar in einigen Passagen "handwerkliche Schwächen" bei der Zitierpraxis fest, sahen aber keine Täuschungsabsicht. Steinmeier hatte im Jahr 1992 promoviert zum Thema: Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit

Erhoben hatte die Plagiatsvorwürfe der Dortmunder Fachhochschulprofessor Uwe Kamenz. Ende September sagte er dem Focus, er habe mithilfe einer selbst geschriebenen Software mehr als 500 verdächtige Stellen in Steinmeiers Dissertation gefunden. Anonyme Plagiatsjäger hatten die Arbeit auf der Internetplattform Vroniplag ebenfalls untersucht und auf 62 der 395 Seiten verdächtige Stellen entdeckt.

Plagiatsexperten hatten den Bericht als fehlerhaft kritisiert. Außerdem könne eine Software nur Anhaltspunkte geben; für deren Bewertung bedürfe es einer Prüfung durch Wissenschaftler.

In den vergangenen Jahren war mehreren prominenten Politikern der Doktorgrad aberkannt worden, weil sie wissenschaftlich unsauber gearbeitet hatten. Im Februar war deshalb Annette Schavan (CDU) von ihrem Amt als Bundesbildungsministerin zurückgetreten und 2011 der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister.