ZEIT ONLINE: Manche Professoren sagen: Die Verlage nehmen unsere fertigen Manuskripte, übernehmen Druck und Vertrieb und kassieren ordentlich ab. Stimmt das?  

Bertram Salzmann: Das Publizieren eines Buches kann sehr aufwendig sein. Bei Lehrbüchern reichen Autoren oft erst ein Konzept ein, in dem Eckpunkte der Buchidee skizziert werden. Ist der Verlag an dem Thema interessiert, prüft er das inhaltliche Konzept. Nur wenn der Verlag mit dem Konzept zufrieden ist, liest er überhaupt das Manuskript.

ZEIT ONLINE: Wie entsteht die Idee zu einem Buch?

Salzmann: Manche Lehrbuchverlage suchen gezielt nach Themen, die vom Markt noch nicht bedient werden. Dafür suchen sie Autoren. Der andere Weg ist, dass ein Dozent sich an der Hochschule mit einem Thema beschäftigt und dann beschließt, meist für eine Vorlesung, die er regelmäßig hält, ein Lehrbuch zu schreiben. Das bietet er dann einem Verlag an.

ZEIT ONLINE: Lehrbücher kosten meist zwischen 30 und 40 Euro. Wieso sind sie so teuer?   

Salzmann: Die Preise für Lehrbücher schwanken stark je nach Studienfach. Bei uns liegt der Durchschnittspreis knapp über 20 Euro, bei Verlagen mit naturwissenschaftlichem oder medizinischem Schwerpunkt zum Teil deutlich darüber. Wenn ein Student ein Lehrbuch kauft, gehen zunächst unter anderem sieben Prozent Mehrwertsteuer, der Handelsrabatt und Remissionsgebühren ab, falls Bücher zurückgeschickt werden. Das macht ungefähr die Hälfte des Kaufpreises aus. Dazu kommen dann die Kosten des Verlages: Satz- und Druckkosten, Lagerhaltung und Logistik, Rechnungswesen und Marketing, das Lektorat und das Honorar des Autors.

ZEIT ONLINE: Wie viel Prozent macht dieses Honorar aus? Einige Professoren sprechen von rund 20 Prozent.  

Salzmann: Nicht unbedingt. Der Anteil ist Verhandlungssache. Je nachdem, wie gut das Werk eines Autors ist und wie bekannt dessen Arbeit.

ZEIT ONLINE: Wie hoch ist nach Abzug des Autorenhonorars und der eigenen Kosten dann der Gewinn des Verlags? 

Salzmann: Der Gewinn des Verlags ist umso höher, je höher die Auflage eines Titels ist. Aber die Absatzzahlen von Lehrbüchern gehen trotz steigender Studierendenzahlen seit Jahren zurück – und damit steigen die Kosten pro Exemplar. Bei einer Erstauflage kalkulieren Verlage oft so, dass man bei null rauskommt, wenn alle Exemplare verkauft werden. Bei der zweiten Auflage fällt ein Teil der Kosten einer Erstauflage weg, weil man es nicht mehr redigieren und setzen muss. Die Folgeauflagen haben also geringere Stückkosten und rechnen sich eher. Deshalb arbeiten wir mit Autoren, bei denen wir hoffen, dass sich ihre Bücher über lange Zeit gut verkaufen.

ZEIT ONLINE: Bei unserer Umfrage haben Studenten ein Buch genannt, das 149 Euro kostet. Wie kann das sein?

Salzmann: Lehrbücher sollten sich eigentlich am Geldbeutel von Studenten orientieren. 150 Euro sind da sicher eine Ausnahme und kein typisches Lehrbuch. Wenn Verlage Preise festsetzen, achten sie auf zwei Kriterien: Was muss ein Buch mindestens einbringen, um die Kosten zu decken? Und prüfend dagegen: Was kann ich nehmen, damit es sich auch verkauft? In diesem Korridor muss ein Preis gefunden werden, sonst lohnt es sich nicht, das Buch zu machen.