Wer nach dem vierten Semester nicht die nötigen Leistungsnachweise vorlegt, bekommt kein Bafög mehr. ZEIT ONLINE erklärt, was zu tun ist, damit man wieder Geld erhält.

"Ich konnte nach dem vierten Semester nicht die erforderlichen Leistungsnachweise erbringen und schaffe die Regelstudienzeit nicht. Deshalb bekomme ich seit dem fünften Semester kein Bafög mehr. Kann ich wieder Geld erhalten, wenn ich die fehlenden Credits nachgeholt habe?", fragt Agrarwirtschafts-Studentin Kerstin Wilhelm.

Liebe Kerstin Wilhelm,

normalerweise fördert das Bafög-Amt bis zum Ende der "Förderungshöchstdauer", das ist meist die Regelstudienzeit. Jetzt kommt das Aber: Nach dem vierten Semester wird das Formblatt 5 verlangt. Auf diesem Dokument ist vermerkt, ob die zum vierten Fachsemester üblichen Leistungen erbracht wurden. Welche das sind, wird wiederum von der jeweiligen Universität festgelegt.

Fehlen die Nachweise, stellt das Amt die Zahlungen ein. Diese Bafög-Vorgabe findet sich zwar online und auf den Merkzetteln vieler Beratungen, trotzdem kommt das Ende für viele Studierende überraschend.

Der Zahlungsstopp muss aber nicht endgültig sein. Sie haben die Möglichkeit, die Leistungen nachzuholen. Das müssen Sie allerdings parallel zu den Kursen machen, die für das aktuelle Semester vorgeschrieben sind. Es reicht nicht, am Ende des fünften Semesters wieder auf dem Stand des vierten Semesters zu sein. Sie müssen am Ende des fünften Semesters alle Leistungen des fünften, im sechsten die des sechsten erbracht haben. Peter Deutschmann ist Anwalt für Hochschulrecht und sagt: "Bafög gibt es erst wieder ab dem Aufholungszeitpunkt." Das bedeutet: Wer erst im sechsten Semester aufholt, erhält keine Nachzahlung für das fünfte.   

Doch das Aufholen ist für viele Studenten schwierig. Fälle wie Ihrer, Frau Wilhelm, gibt es sehr oft. "Vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern sind die Vorgaben schwierig", sagt Diana Kaufmann, die für den Asta der Universität Kiel Bafög-Empfänger berät. "Das Gesetz geht davon aus, dass Prüfungen jederzeit wiederholbar seien, aber oft ist das nur alle zwei Semester möglich", sagt sie. Eine Ausnahme gibt es, aber die ist kompliziert. Sie gilt für Prüfungen, die einmalig nicht bestanden wurden, aber nötig sind, um weitere Kurse zu besuchen. Ein Beispiel dafür ist die Zwischenprüfung in Medizin.

In anderen Fächern sei es schwierig, die Regelung durchzusetzen, sagt Diana Kaufmann. Wichtig sei zunächst, ob es ein Wahl-oder Pflichtmodul sei. Doch auch im Falle nicht bestandener Pflichtmodule gebe es keine Garantie für eine Weiterzahlung des Bafög.

Andere Ausnahmen sind Krankheit, eine Behinderung oder die Arbeit in Gremien oder aber, falls die Schuld bei den Universitäten liegt, also Klausuren zu spät korrigiert wurden oder ein Professor erkrankt ist.  

Kaufmann empfiehlt, eine unabhängige Beratungsstelle aufzusuchen, um eine Lösung für den Einzelfall zu finden. Für alle Studenten gilt, am besten so früh wie möglich einen Experten fragen, sobald sich abzeichnet, dass sie Prüfungen nicht bestanden haben. Oft bietet der Asta der Universität eine Bafög-Sprechstunde an.

Falls die Bafög-Zahlungen bei Ihnen im Bachelor weiter ausbleiben, gibt es zumindest für den Master eine gute Nachricht, sagt Peter Deutschmann. Da können Sie auf jeden Fall wieder gefördert werden.