A dream. Ein Traum. Ali Patrik Eid sitzt zu Hause in der jordanischen Hauptstadt Amman und spricht per Skype über sein Studium. Er rollt das "r", redet ganz langsam, aber die Floskeln, die sind schon typisch amerikanisch. Der 34-Jährige habe solange gewartet auf irgendetwas, irgendeine Möglichkeit. Any opportunity. In Jordanien, so sagt er, würde ein Semester 2.000 Dollar kosten. Nun zahlt er nur den Internetanschluss und die Stromkosten für seinen Rechner.

Eid wird einer der ersten sein, einer von sieben, die im April an der University of the People ihren Abschluss machen. Und seit ein paar Tagen steht fest: Die Hochschule ist akkreditiert, damit hat er einen staatlich anerkannten Abschluss.  

Wer an Eids Uni studieren will, der braucht nur einen Computer mit Internetzugang. Und muss in der Lage sein, Dokumente als PDF- oder Office-Datei zu speichern. So schreibt es die University of the People auf ihrer Homepage. Einige Studenten, erzählte Gründer Shai Reshef der New York Times, lernen aber auch auf dem Smartphone.

Der israelische Unternehmer hat seine Hochschule mit Sitz in Kalifornien 2009 gegründet. Die erste Non-Profit-Uni sollte es werden, ohne Studiengebühren, mit Online-Kursen. Reshef wollte zeigen: Bildung kann für alle möglich sein, auch ohne großes Budget. Dafür hat er selbst Millionen investiert. Aktuell studieren nach Angaben der Universität ungefähr 1.700 Studenten aus 142 Staaten an der University of the People, ein Drittel kommt aus Afrika, ein Viertel aus den Vereinigten Staaten. Dazu gehören auch Überlebende des Erdbebens in Haiti oder eine Rollstuhlfahrerin aus Peru

Die University of the People ist altmodischer

Die Studenten können entweder Business Administration oder Computer Science studieren. Ali Patrik Eid hat sich für Business Administration entschieden, also BWL, und zwar mit einem klaren Ziel. Er will nach Dubai. Dort möchte er Menschen helfen, die zum Beispiel ein Auto suchen oder ein Versicherungsunternehmen. Er träumt von einem globalen Unternehmen. Nun grübelt er über grundsätzliche Fragen. Wie soll er sich als guter Manager verhalten? Wie entwickelt er eine Strategie? Wie soll er überhaupt eine Firma gründen?

Als seine beiden Töchter geboren wurden, da hat er ausgesetzt. Sonst lernt er während der Kurse jeden Tag, mehrere Stunden, immer abends nach der Arbeit. Anderen Studenten ist Eid nie begegnet. Er und seine Kommilitonen haben sich über Skype geholfen, Nachrichten auf Facebook getippt und in Foren diskutiert.

Uni-Kurse im Internet, das ist kein neues Prinzip. In den letzten Jahren haben vor allem die Massive Open Online Courses (Moocs) einen Hype erfahren, mal hochgelobt, mal heftig kritisiert. In Videos erklären Professoren oft Tausenden von Studenten die Welt. Die University of the People ist altmodischer. Gelernt wird an Texten. Keine Videos, keine Audios. Denn das Material soll an Computern laufen mit noch so langsamen Internetverbindungen. Und es muss günstig sein.