Das Gericht hat schnellen Prozess gemacht. In einer nur wenige Stunden dauernden Verhandlung kamen die Richter des Verwaltungsgerichts Düsseldorf zu ihrem Urteil: Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat in ihrer vor mehr als 30 Jahren eingereichten Doktorarbeit getäuscht. Die Universität Düsseldorf hat ihr wegen einer Vielzahl von Plagiaten zu Recht den Doktortitel entzogen. Die Klage Schavans wurde abgewiesen. Die Uni Düsseldorf darf sich in ihrer Vorgehensweise und Entscheidung bestätigt fühlen.

Die rasche Urteilsfindung in Düsseldorf überrascht angesichts der vielfältigen Vorwürfe und des in Teilen durchaus umstrittenen Verfahrens. Die Anwälte Schavans hatten vor Gericht darauf hingewiesen, dass die Universität weder ihre Mandantin noch ihren Doktorvater persönlich angehört habe, dass kein Fachwissenschaftler die Dissertation begutachtet habe und die Hochschule keinen externen Gutachter hinzugezogen habe. Sie beantragten daher, Schavans Doktorvater als Zeugen zu laden und durch das Gericht ein externes Gutachten zur wissenschaftlichen Zitierweise in den achtziger Jahren einholen zu lassen. Doch die Vorsitzende Richterin wies die Beweisanträge als "unerheblich" zurück. Für das Gericht war offenkundig die hohe Anzahl an Plagiatsstellen maßgeblich, die der Gutachter Stefan Rohrbacher vor Gericht untermauern konnte. Dadurch war das Gericht offenbar davon überzeugt, dass Schavan vorsätzlich getäuscht hat. Das Verfahren erschien den Richtern vor diesem Hintergrund nachrangig.

Das Urteil mag eine Befriedigung für alle Plagiatsjäger sein und auch für all diejenigen, die Annette Schavan im Internet mit Häme und Spott überzogen haben. Der Wissenschaft aber hat das Gericht einen Bärendienst erwiesen. Es macht nämlich deutlich, dass die Universitäten mit möglichen Plagiatoren wie Freiwild umgehen können. Es ist offenkundig egal, wie die Unis dem Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten nachgehen und mit welchem Verfahren sie einen Doktortitel entziehen. Es ist offenbar nicht nötig, einen Fachwissenschaftler mit der Begutachtung zu beauftragen, es ist offenbar auch nicht notwendig, externen Sachverstand zu Rate zu ziehen. Auch die Frage, ob Zitierfehler in mehr als 30 Jahre alte Dissertationen verjährt sein könnten, ist demnach unerheblich. Was zählt, ist allein die Zahl der nicht korrekt zitierten Textstellen. Das Gericht hat mit seinem Urteil nicht nur eine Plagiatorin abgestraft, sondern auch die Willkür der Unis im Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten legitimiert.