Die Richterin Sonya Sotomayor wurde an den Elite-Unis Princeton und Yale aufgenommen, weil sie aus Puerto Rico stammt. Weiße Schüler mit besseren Noten schafften das nicht. Fälle wie dieser seien ungerecht, fanden die Bürger von Michigan und stimmten für ein Gesetz, dass Universitäten verbietet, die Ethnie als Kriterium bei der Aufnahme zu berücksichtigen. Nun sollte der Oberste Gerichtshof, der Supreme Court, entscheiden, ob das Gesetz der Verfassung entspricht. Sotomayor, mittlerweile Richterin am Supreme Court, dem obersten Gerichtshof, wurde von ihren Kollegen überstimmt.  

Das ist ein Schritt in die falsche Richtung. Das Urteil schwächt die Bildungschancen von Minderheiten und stärkt Amerikas weiße bürgerliche Schicht. Die liest ihren Kindern ohnehin fleißig aus Büchern vor und kann sich viel häufiger Nachhilfeunterricht leisten, um die besten Voraussetzungen für den Zugang an die Elite-Universitäten zu sichern.

Diese weißen Mittelklasse-Eltern aber haben Angst, dass es trotz der Top-Noten nicht reicht. Denn an vielen Unis in den USA ist es weiterhin so: Wenn es hart auf hart kommt, kann das sozial benachteiligte Kind eine Chance bekommen, selbst mit schlechteren Noten.  

Es ist deshalb ein Vorwand, wenn die besorgten Eltern auf die Verfassung der Vereinigten Staaten verweisen. In der steht: Jeder Menschen soll gleich sein. Was sie eigentlich meinen: Mein weißes Kind soll gleich sein, also genauso behandelt werden wie alle anderen Kinder. Ein richtiger Ansatz – in einer schönen heilen Welt, in der auch die benachteiligten Kinder gleich wären. Das sind sie aber nicht.

Besonders afroamerikanische junge Menschen, aber auch Latinos, sind an amerikanischen Universitäten in der Minderheit. Sie haben nicht immer Eltern, die ihnen aus Klassikern vorlesen, bei den Hausaufgaben helfen. Sie wissen nicht einmal genau, wie so eine Universität überhaupt funktioniert. Sonya Sotomayor wuchs in der Bronx auf, ihr Vater starb am Alkohol, als sie noch ein Kind war. Armut ist in den Vereinigten Staaten alles andere als gleich verteilt, die Folgen einer Zeit, als nur weiße Menschen nach dem Gesetz gleich waren.

Historisches Ungleichgewicht schwächen

Affirmative action, zu deutsch positive Diskriminierung, sollte helfen, dieses historische Ungleichgewicht zu schwächen. Gerade deshalb sollten in den USA benachteiligte Gruppen weiterhin bevorzugt werden. Fair ist das nicht, aber eben die fairste Lösung, damit Gleiches wirklich gleich wird. 2006 stimmten die Bürger von Michigan gegen diesen Ansatz. Amerikanische Medien berichten, dass nach dieser Entscheidung die Zahlen afroamerikanischer Studenten noch einmal um bis zu 30 Prozent gefallen sind.

Die weißen Eltern in Michigan und einigen anderen Bundesstaaten können sich freuen. Endlich sind ihre Kinder wieder gleich. An vielen Unis sogar ein bisschen gleicher, man könnte auch sagen bevorzugt. Da haben die Sprösslinge von Absolventen auch offiziell bessere Chancen, weil ein weiteres Auswahlkriterium ist, ob schon die Eltern an der selben Uni studiert haben. Und die sind an den Spitzenunis meistens reich und weiß.