Die Philosophische Fakultät der Universität Rostock will dem früheren amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden die Ehrendoktorwürde verleihen. Das habe der Fakultätsrat mit 17 von 21 Stimmen entschieden, teilte der Dekan der Fakultät, Hans-Jürgen von Wensierski, mit. Snowden hatte die Überwachungsmethoden der NSA veröffentlicht und hält sich derzeit an einem geheimen Ort in Russland auf.

Snowden werde mit der Ehrendoktorwürde vor allem als Aufklärer gewürdigt, der seine eigene bürgerliche Existenz geopfert hat, um auf gravierende gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen, hieß es zur Begründung. Damit stehe Snowden in der Tradition amerikanischer Bürgerrechtler. Snowden habe sich "für Amerika, die Werte der amerikanischen Verfassung und die weltweiten Menschenrechte" eingesetzt und sich dabei auf uramerikanische Werte und Traditionen berufen.

Die Fakultät hatte zuvor sieben internationale Gutachter beauftragt, die alle die Verleihung der Ehrendoktorwürde bejahten, da Snowdens Veröffentlichungen auch von wissenschaftlicher Bedeutung seien. "Auf eindrucksvolle Weise arbeiten alle Gutachten die wissenschaftliche Bedeutung des von Snowden aufgedeckten Wissens heraus und empfehlen einstimmig die Verleihung einer Ehrendoktorwürde", heißt es in einer Mitteilung.

Die Fakultät wolle ebenfalls die "Zivilcourage" Snowdens und seinen "substanziellen Beitrag zu einem neuen globalen Diskurs über Freiheit, Demokratie, Kosmopolitismus und die Rechte des Individuums" würdigen. Er sei ein "bedeutender Aufklärer unserer Zeit".

Für das Ehrenpromotionsverfahren muss die Fakultät demnächst einen weiteren Beschluss fassen. Bis dahin will sie versuchen, mit Snowden Kontakt aufzunehmen, um zu erfahren, "ob er mit der Verleihung einer Ehrendoktorwürde einverstanden ist".