Berliner Demonstranten an der Humboldt-Uni © Linda Dietze/ZEIT ONLINE

Die Sonne strahlt, Hunderte Studenten liegen auf der Wiese vor der Humboldt Universität in Berlin. Am Wetter kann es nicht liegen, dass so wenige mitdemonstrieren. Es werden Flugblätter verteilt, Plakate bringen die Probleme der Hochschulen auf den Punkt. "Exzellent unterfinanziert", heißt es zum Beispiel auf einem. Dann greift Jasper Stange zum Megafon: "Wer Lust hat, kann mitmachen. Wir gehen gleich los."  Ein letzter Motivationsversuch für den Bildungsstreik 2014. Ein letztes Mobilmachen – ohne Erfolg. 

Knapp 150 Studenten ziehen los, quer durch das Universitätsgelände. "Ein kreativer Rundgang" ist angekündigt, doch dieser wird vor allem laut. Es ist ein typischer Protestzug mit Trillerpfeifenkonzert und Konfettiregen. "Unsere Aktion ist darauf angelegt, dass sie auch mit weniger Teilnehmern funktioniert", sagt Jasper Stange. "Ein Wake-up-call für weitere Aktionen." Ein erstes Wachrütteln also.  

Denn die Situation an den Hochschulen ist prekär. Überfüllte Seminare, der Abbau von Stellen bis hin zur drohenden Streichung von ganzen Studiengängen. In Bremen zum Beispiel will man bis 2020 die Zahl von Erstsemesterplätzen radikal zusammenstreichen, das Fach Psychologie soll gestrichen werden. An der Humboldt-Uni in Berlin wird Finnisch nicht mehr in den Lehrplänen auftauchen. Besonders bedroht sind die Hochschulen im Osten, dort sollen ganze Institute, vielleicht sogar Fakultäten geschlossen werden. 

"Das ist ein Einschnitt in der Bildung. Das darf nicht sein", sagt Studentin Lisa entsetzt. Ihre Flyer für den Bildungsstreik habe sie nur mit Mühe losbekommen. "Da wurde meist gleich abgeblockt",  so die 23-Jährige. Doch warum? Gerade bei Studenten ist die Protestkultur tief verankert. "Viele interessiert es erst, wenn sie auch betroffen sind", so die Studentin. Über soziale Netzwerke hat die Studentenschaft der HU Berlin mehr als 1800 Einladungen zur Protestaktion verschickt. Nur 75 Zusagen. Oft wird gesagt, der Student von heute hätte keine Zeit mehr zum Protestieren – zu hoch sei der Leistungsdruck in den Studienfächern.

2009 noch bewegte man aber Hunderttausende. Damals hat man gegen Studiengebühren und die Bachelor-/Masterreform protestiert – griffige Forderungen. Und heute? Bachelor und Master gibt es noch immer, Studiengebühren jedoch vielerorts nicht, aber auf der Forderungsliste der Studenten kein Wort zu Bologna. Natürlich ist man für die Abschaffung des umstrittenen Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern in Sachen Bildung. Doch dann hört es auf mit konkreten Argumenten. Stattdessen will man die Umverteilung von oben nach unten oder die Abschaffung der Schuldenbremse. Damit lassen sich diesmal nur wenige hinterm Ofen vorlocken – auch bei schönstem Sommerwetter.