An internationalen Universitätsrankings mangelt es nicht. Und meist zeigen die Hochschulvergleiche ein ähnliches Ergebnis, ob sie nun Shanghai-Ranking oder Times-Higher-Education-Ranking heißen: Angloamerikanische Eliteuniversitäten besetzen die ersten Plätze, Europas Hochschulen findet man eher auf den mittleren Plätzen. Nun hat die Europäische Union einen eigenen Hochschulvergleich in Auftrag gegeben. U-Multirank heißt das Vorhaben, das in Brüssel veröffentlicht wurde.

Es umfasst Informationen zu Hochschulen aus 74 Ländern für die Fächer Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik, Physik und Betriebswirtschaft. 2015 sollen Psychologie, Informatik und Medizin dazu kommen. Aus Deutschland sind 63 Hochschulen, Universitäten wie Fachhochschulen dabei.

Bei U-Multirank  werden nicht die "besten Hochschulen" gekürt. Vielmehr werden die Hochschulen je nach Fach in verschiedenen Qualitätsdimensionen bewertet. U-Multirank lasse die "herkömmlichen simplifizierenden Ranglisten hinter sich" und reagiere damit auf eine Reihe von "berechtigten Kritikpunkten" gegenüber den herkömmlichen globalen Rankings, sagt Frans van Vught vom Center for Higher Education Policy Studies in den Niederlanden. Zusammen mit dem deutschen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat das CHEPS das U-Multirank federführend entwickelt. CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele erklärt im Interview die Ergebnisse. 

ZEIT ONLINE: Gefühlt werden monatlich neue Hochschulranglisten veröffentlicht, vergangene Woche erst das Ranking von CHE und ZEIT. Warum braucht es nun ein weiteres Ranking der Europäischen Union?

Frank Ziegele: U-Multirank ist im Gegensatz zum deutschen Hochschulranking ein weltweiter Vergleich. Und die bisherigen internationalen Rankings haben einen entscheidenden Nachteil: Sie nehmen nur die großen Forschungsuniversitäten in den Blick. Die internationale Hochschullandschaft ist aber extrem vielfältig. Dem versucht U-Multirank Rechnung zu tragen, indem es verschiedene Qualitätsmerkmale einer Hochschule abbildet. Es bezieht neben der Forschung auch die Lehre ein, aber auch den Wissenstransfer, die Internationalität sowie die Einbettung der Hochschule in die Region. 

ZEIT ONLINE: Wie lassen sich solch vielfältige Ansätze auf einen Nenner bringen?

Ziegele: Gar nicht. U-Multirank verzichtet bewusst auf die eine große Ranking-Tabelle, die alle Qualitätskriterien miteinander verrührt. Vielmehr sollen sich Studierende, Hochschulen, Politik im Internet jeweils ihre Rangliste zusammenstellen können, und zwar für die untersuchten Fächer. Zum Auftakt sind das Physik, Maschinenbau, Elektrotechnik und BWL.

ZEIT ONLINE: Bestätigen die Resultate denn diese Vielfalt?

Ziegele: Tatsächlich liegen bei jeder Dimension andere Hochschulen vorn. Schaut man sich etwa die deutschen Unis an, dann schneidet zum Beispiel die TU München bei der Forschung gut ab. Die Uni Erlangen-Nürnberg punktet beim Wissenstransfer und die TU Dortmund beim regionalen Engagement. In der Kategorie Internationalität findet man unter anderem die Jacobs University ganz oben.