Überfüllte Hörsäle oder lange Wartezeiten, so sieht die Erfahrung vieler Studenten in Deutschland aus. Abhilfe soll möglicherweise auf Kosten von derzeit mehr als 200.000 Gaststudenten aus dem Ausland geschafft werden. Das schlug jedenfalls der Präsident der Technischen Universität München (TUM), Wolfgang A. Herrmann, in einem Interview mit dem Münchner Merkur vor. 

Ob in Amerika, Australien, England oder der Schweiz – in aller Welt nehmen Hochschulen hohe Gebühren, auch von deutschen Studenten. Deshalb werden sich internationale Bewerber "nicht einmal beschweren", wenn sie hierzulande zur Kasse gebeten werden, sagt Herrmann. Dabei denkt er an Studenten ohne EU-Pass, die Mehrheit der Ausländer an seiner Uni. Für EU-Bürgergilt hingegen gleiches Recht wie für deutsche Abiturienten, die ab kommendem Wintersemester in keinem Bundesland mehr Studiengebühren zahlen müssen. 

Herrmann ist nicht der Erste und nicht der Einzige, der für eine Ausländermaut auf dem Campus plädiert. Die fordert ebenfalls sein Amtskollege von der Technischen Hochschule Aachen, Ernst Schmachtenberg, im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Und schon vor einem Jahr warb auch die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im baden-württembergischen Landtag für Gebühren. 

Der TUM-Präsident zielt jetzt auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Darin heißt es: "Bis zum Ende des Jahrzehnts wollen wir dafür sorgen, dass die Zahl ausländischer Studierender um rund ein Drittel auf etwa 350.000 gesteigert wird." Dabei bleibt strittig, wer das bezahlen soll. Schon jetzt ist die Betreuung von Ausländern an deutschen Unis oft mangelhaft. Für die hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsopposition in Bayern, Isabell Zacharias, steht fest: Herrmann soll nicht "Studenten aus der Türkei oder China zur Kasse bitten, sondern seinen Ministerpräsidenten Seehofer", also den Steuerzahler.

Mehr als zwanzig Prozent der Studenten sind Ausländer

Hermann bleibt skeptisch, wie viel Geberlaune von der Politik zu erwarten ist. Mehr als zwanzig Prozent seiner Studenten sind  Ausländer, die Interessenten "aus Erding, Garmisch, Fürstenfeldbruck", der Region oder ganz Deutschland verdrängen. Er fürchtet die Frage nach einer Quote, wenn Nicht-EU-Bürger in Deutschland weiterhin unentgeltlich studieren würden.

Der Präsident der Münchener Ludwigs-Maximilians-Universität teilt diese Sorge nicht, an seiner Uni studieren allerdings auch relativ wenige Ausländer. Deshalb möchte Herrmann, dass jede Hochschule selber in der Gebührenfrage entscheiden soll. Die TUM jedenfalls brauche die große Zahl internationaler Talente und eine exzellente Ausstattung, um als Forschungsuniversität in der Weltspitze mithalten zu können.