Anwesenheitslisten fälschen, in der Prüfung ein leeres Blatt abgeben und die Turbostudenten auslachen: Ein Professor erklärt, wie man sich durch Bologna mogelt.

Der Student von heute muss ein Spion sein. Ein Freiheitskämpfer. Er muss mogeln. Er muss das System unterlaufen.

Das Szenario, das Professor Birger Priddat in seinem Buch Wir werden zu Tode geprüft darstellt, klingt aufregend und bedrohlich zugleich. Er erzählt von einem Ort, der junge Menschen einengt und die Wissenschaft bedroht.

Das System, das er beschreibt, klingt manchmal wie eine Diktatur. Deckname "Universität".

Deshalb sei gleich gesagt: So schlimm ist es nicht! Zumal der Autor Priddat an der Privatuni Witten-Herdecke lehrt und staatliche Unis schon allein deshalb nicht so gut wegkommen. Er übertreibt, spitzt zu, und sein Lieblingswort ist "früher". In vielen Punkten hat er aber recht. Verschulte Stundenpläne, zugemüllte Powerpoint-Folien und der Prüfungsmarathon am Ende jedes Semesters bremsen die Neugier vieler Studenten. Diese Geschichte von Bologna und der Massenuniversität wurde allerdings schon oft erzählt.   

Wersolche Passagen überliest und dazu das Pathos, die Nostalgie ("früher reisten wir noch den Professoren hinterher und studierten sieben verschiedene Fächer") und die Werbung für Privatunis verzeiht, der findet einBuch voller Ausrufezeichen und Aufforderungen, erstaunlich nah dran am Alltag der Studenten.  

"Studieren Sie Universität, nicht Bologna!" ist das Leitmotto. Hinter diesem großen Satz verbergen sich pragmatische Tipps. Eine Auswahl:

  • "Wenn in den Seminaren und Vorlesungen Anwesenheitspflicht besteht, na gut, dann füllen Sie eben die Namen Ihrer Kommilitonen auf den Bögen aus."Der Tipp mag nicht ganz neu sein. Erstaunlich ist aber, dass auch ein Professor so etwas empfiehlt, denn andere Dozenten überprüfen gar die Unterschriften auf Echtheit. Priddat empfiehlt, Kleingruppen zu bilden, die gemeinsam lernen und diskutieren. Nur einer aus der Gruppe werde als "Spion" in die Vorlesung geschickt, falls es doch einmal etwas Wichtiges gibt. "Man darf ruhig ein bisschen mogeln", sagt Priddat im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Wenn Freiheit und Selbstbestimmung ausgetrieben werden, dann erinnere ihn das eher an Schulunterricht als Universität.
  • "Besorgen Sie sich alte Prüfungen (vom Asta oder von Kommilitonen oder im Netz.)" Es sei wichtig, herauszufinden, wie der Professor ticke. Und dann genau darauf zugeschnitten zu lernen. Das klingt, als müssten Studenten in diesem Punkt vor dem System kapitulieren. Ja, sagt Priddat, aber da könne er nichts anderes raten. Durch effizientes Lernen könnten Studenten "Gelände gewinnen für das, was sie wirklich interessiert" und sich auch in Vorlesungen anderer Fächer setzen.