Für Psychologen gibt es nicht genügend Master-Studienplätze, der Bachelor allein ist aber praktisch wertlos. Ein großer Teil der Absolventen wird im Stich gelassen.

Wir Absolventen des Bachelors in Psychologie befinden uns zurzeit in einer misslichen und ungerechten Lage, weil es an deutschen Universitäten nicht genügend Master-Studienplätze gibt. An der Universität des Saarlandes, wo ich studiert habe, lag der Numerus Clausus für den Master-Studiengang in Psychologie diesen Herbst bei 1,9 im Hauptverfahren. Auch im ersten von drei Nachrückverfahren wurden nur Bewerber mit der Note 1,9 berücksichtigt. Der Rest ging leer aus.

Das Problem ist: Für Bachelor-Psychologen gibt es keine Jobs. Mit einem Bachelor allein können wir uns nicht Psychologen nennen, können keine therapeutische Zusatzausbildung machen, was die absolute Mehrheit anstrebt, und generell keinen Beruf ausüben, der nach einem vollwertigen Psychologen verlangt. Der Master hingegen ermöglicht den Einstieg in einen vielfältigen Arbeitsmarkt mit sehr guten Job-Aussichten.

Wer als Psychologe nach dem Bachelor keinen Master-Platz bekommt, muss sich also akademisch und beruflich umorientieren. Nicht jeder hat die Möglichkeit, für den Master ins Ausland zu gehen. Diese Situation ist besonders bitter, wenn man bedenkt, dass schon die Bachelor-Studiengänge in Psychologie mit einem sehr hohen NC bzw. langen Wartezeiten belegt sind. Hinzukommt, dass man mit einem abgeschlossenen Bachelor als Zweitstudienbewerber gilt, sobald man sich für einen anderen Bachelor-Studiengang bewirbt. Viele von uns haben nach einem Einser-Abitur drei Jahre lang Psychologie studiert und stecken nun in der Falle eines ungerechten Bildungssystems.

Bestünde wenigstens die Möglichkeit, bei der Bewerbung auf den Master-Studiengang Wartezeiten anzurechnen, dann könnte man beispielsweise ein längeres Praktikum absolvieren oder jobben, bis man das Studium weiterführen kann. Doch stattdessen sinken mit der Wartezeit auf einen Masterplatz die Chancen, weil die Zahl der Bachelor-Absolventen im gleichen Zeitraum steigt. Das ist für mich der Höhepunkt der Ungerechtigkeit dieses Systems.

An manchen Universitäten werden diesen Herbst voraussichtlich nur die Hälfte der Bachelor-Absolventen einen Master beginnen können. Derzeit wird uns von keiner Seite eine Perspektive geboten. Unser Land ist dabei, einen großen Teil sehr gut ausgebildeter Psychologie-Absolventen im Stich zu lassen.

Die Bologna-Reform wird so gerade für uns Psychologen zum Albtraum. Wir träumen von den alten Zeiten der Diplom-Studiengänge, als man noch mit einem Vordiplom von 4,0 eine Garantie hatte, sein Studium an der gleichen Uni fortsetzen zu können. Heute reichen teilweise schon Einserschnitte nicht mehr aus.

Mir ist bewusst, dass die Zahl der Studienbewerber in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Dennoch hat es der deutsche Staat schlicht und einfach versäumt, genügend Masterplätze für Psychologen zu schaffen. Das System wird deshalb in den nächsten Jahren immer brutaler werden. Die NC werden immer höher werden, der Notenkampf schärfer und Anwaltsklagen gegen die Universitäten werden sich häufen. Von den vielen frustrierten und verzweifelten Studenten ganz zu schweigen.