Verlässliche Karriereplanung statt ein Zeitvertrag nach dem anderen: Die Regierung will Kurzzeitverträge für junge Wissenschaftler abschaffen. Schlupflöcher bleiben.

Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Zehntausenden jüngeren Dozenten und Wissenschaftlern an den Hochschulen "verlässlichere Karrierewege" ermöglichen soll. Die Hochschulexperten der schwarz-roten Koalition hatten sich im Juni auf eine Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes geeinigt, das nach Einschätzung vieler Experten zum Missbrauch an den Hochschulen einlädt. Damit soll extrem kurzen Befristungen bei Arbeitsverträgen an den Universitäten entgegengewirkt werden.

Es gebe "keinen sachlichen Grund dafür, dass mehr als die Hälfte der jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihrem ersten Vertrag kürzer als ein Jahr angestellt werden", sagte Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU). "Solchen Fehlentwicklungen in der Befristungspraxis treten wir mit der Reform entgegen, ohne jedoch die in der Wissenschaft erforderliche Flexibilität und Dynamik zu beeinträchtigen." Die Reform sei "Teil des Gesamtkonzeptes für den wissenschaftlichen Nachwuchs", sagte Wanka. Über eine Initiative zur Förderung dauerhafter Karriereperspektiven in der Wissenschaft verhandle sie derzeit mit den Bundesländern.

Laut Gesetz soll sich die Laufzeit von Verträgen an Universitäten und Hochschulen ab sofort  im Wesentlichen daran orientieren, wie lang eine Promotion oder ein Forschungsprojekt dauert. Mit dem Gesetz werde auch unterbunden, dass Uni-Daueraufgaben durch befristet eingestelltes Personal erledigt werden, das gar keine wissenschaftliche Qualifizierung anstrebt. Zusätzliche Änderungen betreffen familien- und behindertenpolitische Aspekte. So verlängert sich die Befristungsdauer etwa bei der Betreuung von minderjährigen Kindern um zwei Jahre pro Kind.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach sich umgehend dafür aus, das Gesetz nochmals zu überarbeiten. Der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller äußerte neben Zustimmung zur Reform auch Kritik. Der Gesetzentwurf lasse weiterhin "zu viele Schlupflöcher für eine Fortsetzung des Hire-and-Fire-Prinzips an Hochschulen und Forschungseinrichtungen". Die "Trippelschritte" der Koalition führten nicht zu der Reform, auf die die Wissenschaftler warteten. Nach GEW-Zahlen haben derzeit bis zu 90 Prozent der Forscher und Dozenten oft nur kurzfristige Zeitverträge.