Die einen wollen eine Rückkehr zum Altexamen, die anderen auf Bachelor/Master umstellen. Unsere Autoren präsentieren ein Konzept, das Wackelkandidaten hilft.

Dies ist der letzte Text unserer Serie zur Zukunft des Jurastudiums. Alle Plädoyers, Geschichten und Interviews finden Sie hier.

Muss das Jurastudium reformiert werden? Diese Frage erscheint angesichts der Resonanz auf die ZEIT ONLINE-Serie bereits beantwortet. Entscheidend – und seit 50 Jahren offen – bleibt hingegen die Frage des Wie.

Der Gesetzgeber versuchte sich in den 90ern an größerer Praxis- und Anwaltsorientierung. Zuletzt wurden im Zuge des Bolognatrubels 2003 die Schwerpunktbereiche (SPB) geschaffen. Studenten können nach ihrem echten Interesse wählen. Die dazugehörige Prüfung zählt zu 30 Prozent in die Endnote des staatlichen Abschlusses "Erste juristische Prüfung" und tritt neben den Teil des Staatsexamens, der 70 Prozent ausmacht.

Der Bedarf nach Reformen bleibt. Die einen wollen die Rückkehr zum Altexamen – andere gleich abschaffen und auf Bachelor/Master umstellen. Wir wollen als starke Mitte einen Post-Bologna-Bachelor vorstellen. Das Staatsexamen bleibt, die Schwerpunkte werden aufgewertet.

Das hilft der Doppelstruktur des Jurastudiums, das einerseits akademische Bildung ermöglichen soll, andererseits Teil der juristischen Ausbildung ist.

Das Examen ist in seiner Härte und Prüfungsdichte ein Gütesiegel, allerdings fließen Leistungen während des Studiums nicht in die Endnote ein. Der Bologna-Prozess könnte das zwar ändern, drängt aber gewachsene Hochschulsysteme in ein einheitliches Korsett. Ohne Rücksicht auf Studieninhalte wird das Prinzip form follows function dabei umgedreht. Modularisierung und Verschulungstendenz engen die Freiheit des Studiums und die wissenschaftliche Bildung ein. Und interessanterweise zweifeln nunmehr auch Firmen an der Praxisqualität dieser Ausbildung.

Vor diesem Hintergrund erscheint uns ein neuartiger Bachelor of Laws empfehlenswert, der Leistungsanreize setzt, statt Leistungszwang im Bolognastil auszuüben, bewährte Abschlüsse nicht leichtfertig ersetzt, sondern ergänzt und dabei Bildung und Ausbildung vereint.

Unser Konzept

Im Grundstudium werden die Studenten wie bisher in die Rechtsmaterie eingeführt. Hierzu finden Grundkursvorlesungen in den Kernfächern statt, die mit Anfängerübungen verknüpft sind, in denen der gelesene Stoff fallbezogen vertieft und durch Hausarbeiten sowie Klausuren geprüft wird. Dabei werden die Studenten durchgehend in Arbeitsgemeinschaften (AG) in der Falllösung geschult und lernen so in Kleingruppen, den Stoff selbstständig zu erarbeiten. Im Übrigen sind Veranstaltungen frei wählbar, jedoch muss bis zur Zwischenprüfung je eine Grundlagenvorlesung wie Rechtsgeschichte, -philosophie oder –soziologie, ein Sprachkurs und eine Methodikvorlesung wie die Fallbearbeitung oder Stilübung bestanden werden.

Während des Hauptstudiums findet eine Vertiefung in den Hauptrechtsgebieten mit Verfahrensrecht und Nebengebieten statt. Dazu treten drei Fortgeschrittenenübungen, die für die Zulassung zur Studienarbeit abzuschließen sind. Um das kritische Denken zu fördern und den akademischen Horizont zu erweitern, müssen Studenten einen interdisziplinären Kurs in einer Geistes- oder Naturwissenschaft belegen. Nach Wahl des SPB sind in diesem wissenschaftliche Methodik (Logik, normatives/empirisches Forschen) sowie die Schlüssel- und Zusatzqualifikationen (Rhetorik, Mediation, Moot Court, Pro-bono-Beratung) zu belegen. Abgeschlossen wird mit der SP-Prüfung, bestehend aus Studienarbeit (zugleich Bachelorarbeit), Klausur und mündlicher Prüfung.

Der Bachelor setzt sich aus Teilen des Grundstudiums und des Hauptstudiums zusammen; die Examensvorbereitung und die Regelstudienzeit von neun Semestern bleiben unberührt. Besonderer Fokus wird auf den SPB und eine Aufwertung von Grundlagen, Methodik und Interdisziplinarität gelegt. Es handelt sich beim integrierten SP-Bachelor um eine Doppelimmatrikulation in die Fächer Rechtswissenschaften mit Abschlussziel Staatsexamen und Bachelor des Rechts (LL.B.), wobei die SP-Prüfung zugleich als Bachelorprüfung fungiert.