Welche Uni bleibt Exzellenzuni? © Sean Gallup/Getty Images

Wer in den vergangenen Tagen mit Bildungspolitikern sprach, konnte den Eindruck bekommen: Alles schon klar mit der Fortsetzung der Exzellenzinitiative. Warten wir noch kurz das Votum der Imboden-Kommission ab, da wird es keine großen Überraschungen geben. Und dann geht es Schlag auf Schlag mit den Beschlüssen.

Von wegen. Selbstbewusst liefert der Bericht, über die Evaluation hinaus, ziemlich detaillierte Vorschläge, wie es denn nun weitergehen soll. Imboden kam, sprach – und die Politik muss neu denken. Zwar schlagen auch die internationalen Experten vor, die erste Förderlinie (Graduiertenschulen) mit der zweiten (Exzellenzcluster) verschmelzen zu lassen. Und sie wollen längere Laufzeiten. Ganz auf einer Linie mit Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG), Wissenschaftsrat und anderen. Aber der große Aha-Effekt folgt bei der dritten Förderlinie, den bisherigen Zukunftskonzepten. Imboden will komplett raus aus der kurzatmigen Antragslogik und schlägt eine Exzellenzprämie vor.

Die Idee klingt bestechend einfach: Statt ständig neue Konzepte für die Galerie zu schreiben und der Politik den Himmel zu versprechen, sollen die Hochschulen sich an dem messen lassen, was sie bereits geleistet haben. Wie viele DFG-Drittmittel pro Professor haben sie eingeworben? Wieviele ihrer Forscher haben ERC-Grants? Zwei mögliche Beispiele unter vielen. Über die richtigen Kriterien, sagen die Experten, müsse man noch reden. Solange bereits gezeigte Forschungsstärke belohnt werde. Die besten (vielleicht) zehn Universitäten sollen dann für sieben oder acht Jahre eine Extraförderung kommen. Sie wären die neuen Exzellenzuniversitäten.

Fast exakt dasselbe Modell hatte im Oktober Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer in die Diskussion gebracht. Dass die Idee besonders den Ländern nicht schmeckt, deren Unis schon beim bisherigen Wettbewerb das Nachsehen hatten, liegt auf der Hand: Ein solcher Prämienautomatismus würde den Einfluss der Politik auf Null runterregeln. Ganz im Gegensatz zu den "Spitzenstandorten", Verbünde mehrerer Universitäten als Exzellenzuni-Ersatz, mit denen Bund und Ländern zuletzt immer stärker liebäugelten.

Genau das macht den Vorschlag möglicherweise komplizierter und weniger politikfern, als man zunächst denkt. Man kann sich das Geschacher vorstellen, mit dem jedes Land versuchen wird, die für seine Standorte und Unis jeweils günstigsten Kriterien herauszuholen.

Fest steht: Im Oktober hatten die meisten von Bauers Ministerkollegen den Vorschlag noch geflissentlich ignoriert. Das können sie jetzt nicht mehr. Aber sind sie auch so flexibel, all das, was sie schon für gesetzt hielten, noch einmal neu zu denken? Mehr Zeit dafür immerhin hätten sie: Die Imboden-Kommission will den Neustart um zwei Jahre auf 2020 verschieben und bis dahin die bisherigen Formate weiterlaufen lassen. Zumindest dafür ist ihr der Beifall aus der Wissenschaft schon mal sicher.

Dieser Text stammt aus unserer CHANCEN-Newsletter-Spezialausgabe zur Exzellenzinitiative.