Dissertation"Schavan hat abgeschrieben, aber sie ist ein Grenzfall"

Auch bei VroniPlag, das mehrere Plagiatoren entlarvte, wurde die Doktorarbeit der Bundesbildungsministerin geprüft. Das Fazit: Der Fall Schavan sei nicht so gravierend. von Amory Burchard

Hat sie bei ihrer Dissertation geschummelt? Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)

Hat sie bei ihrer Dissertation geschummelt? Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)  |  © John MacDougall/AFP/Getty Images

Frage: Frau Weber-Wulff, was wissen Sie über schavanplag , die Plattform, die jetzt Plagiate in Schavans Dissertation beanstandet?

Debora Weber-Wulff: Der Autor ist offensichtlich jemand, der sich bei VroniPlag , wo ich mitarbeite, auskennt. Das ist aber kein Problem, denn die Diskussion über Schavans Arbeit ist frei zugänglich, ein Fachmann kann darauf jederzeit zugreifen.

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Frage: VroniPlag, die Plattform, die schon mehrfach Plagiatoren entlarvt hat, beschäftigt sich also auch mit Schavan?

Weber-Wulff: Ja, wir diskutieren seit Monaten über die Arbeit. Doch VroniPlag hat strenge wissenschaftliche Maßstäbe, nach denen wir die Kritik an Schavans Arbeit bislang nicht öffentlich machen wollten. Nach meiner Auffassung müssen dafür mindestens zehn bis zwanzig Prozent des Textes plagiiert sein, das ist bei Schavan nicht der Fall.

Frage: Aber freisprechen können Sie die Ministerin auch nicht?

Debora Weber-Wulff

Debora Weber-Wulff ist Professorin an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Die Spezialistin für Plagiatssoftware arbeitet bei VroniPlag mit.

Weber-Wulff: Nein, von mir bekommt sie keinen Persilschein. Teile ihrer Arbeit hat sie tatsächlich abgeschrieben, es gibt etliche Stellen, die nicht in Ordnung sind. Für mich ist sie ein Grenzfall, es gibt gravierendere Fälle, um die sich VroniPlag kümmert.

Frage: Tun die Universitäten genug, um sich vor Plagiatoren zu schützen?

Weber-Wulff: Sie können es nicht alleine. Bund und Länder müssen eine "Bundesberatungsstelle Plagiat" einrichten, wie ich sie auch schon im Bundestag vorgeschlagen habe. Dort sollten die Universitäten beraten werden, wie sie gegen Plagiatoren vorgehen können. Es könnten Veröffentlichungsplattformen für Dissertationen in digitaler Form aufgebaut werden. Und wir sollten eine Stichprobe der Dissertationen der vergangenen fünf Jahre untersuchen.

Erschienen im Tagesspiegel

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