Leserartikel

HochschulrankingsKlare Ziele für Forschung und Lehre

Hochschulrankings sind überflüssig, schreibt Leser Michael Kersken. Die Universitäten sollten sich andere Ziele setzen als den sinnlosen Wettstreit um Spitzenpositionen. von Michael Kersken

Was bringen die Rankings den Hochschulen? Warum wird erhoben, wer mehr Drittmittel hat? Oder wer bei einem anderen beliebigen Indikator weiter vorne steht? Was sagt dies wirklich über die Qualität von Forschung und Lehre aus?
 
Das Problem an den Rankings: Bei solchen Vergleichen geht es nur darum, wer an der Spitze der Tabelle steht. Die Hochschulen brüsten sich mit dem Erfolg und erhoffen sich mehr Renommee bei Studieninteressierten, Top-Wissenschaftlern und potenziellen Drittmittelgebern.

Um in den Rankings gut abzuschneiden, begeben sich Hochschulen in einen wahnwitzigen Wettstreit, der nie eine dauerhaft erfolgreiche Einrichtung hervorbringen wird. Rankings bilden bisher beispielsweise nur die absolute Höhe von Drittmitteln oder deren Höhe in Relation zur Anzahl der Professorenstellen ab. Dieser Erhebung fehlt aber ein klares Ziel. Wenn zum Beispiel die Lehre eines Fachbereichs sehr gut ist, landet er im Ranking trotzdem im unteren Bereich, wenn andere Institutionen dank höherer Drittmittel-Zahlen besser eingestuft werden. 

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Zunächst sollte festgelegt werden, welche Höhe an Drittmitteln überhaupt erforderlich ist, um qualitativ hochwertige Forschung zu betreiben; und wie viel Personal notwendig ist für eine anspruchsvolle Lehre. Eine nach oben hin offene Erhebung verführt die Hochschulen dazu, Ressourcen in den Wettstreit zu investieren, die an anderer Stelle dringender benötigt werden. Statt immer neue und ziellosere Vergleiche anzustellen, sollten Wissenschaftsorganisationen, Denkfabriken und Hochschulen – aber auch die Politik! – sich ernsthaft fragen, wohin das Ganze führen soll.
 
Erste Hochschulen haben sich dem sinnfreien Wettstreit bereits verweigert, weitere werden ihnen hoffentlich folgen. Aber statt nur das bestehende System zu bemängeln, ist es auch notwendig, Alternativen aufzuzeigen. Wir brauchen klare Ziele für unsere Hochschulen. Eines davon sollte beispielsweise lauten: Hochschulstellen müssen zu je fünfzig Prozent von Frauen und Männern besetzt sein.

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Leserkommentare
  1. "Eines davon sollte beispielsweise lauten: Hochschulstellen müssen zu je fünfzig Prozent von Frauen und Männern besetzt sein."

    Irgendwie ergibt sich mir der Zusammenhang da überhaupt nicht.
    Die Hochschulen haben zu lehren und zu forschen. Und das ist das Ziel. Das ist in etwa so, als ob sie Grundschullehrern das Ziel geben den Kindern Fallschirmspringen beizubringen. Das bringt den Kindern auch nichts bei der Matheklausur und damit hätten die Lehrer ihren Auftrag einfach verfehlt und Geld und Zeit in etwas anderes investiert.

    Irgendwie erscheint es mir, als ob der Artikel länger war und dann plötzlich ganze Passagen zwischen allem und dem letzten Satz ersatzlos gestrichen wurden.

    6 Leserempfehlungen
  2. ""Eines davon sollte beispielsweise lauten: Hochschulstellen müssen zu je fünfzig Prozent von Frauen und Männern besetzt sein."

    Irgendwie ergibt sich mir der Zusammenhang da überhaupt nicht."

    Nun, es geht darum, dass Professorinnen an sämtlichen Universitäten extrem in der Minderzahl sind, obwohl bei Masterabschlüssen ungefähr 50:50 bei den Geschlechtern herrscht. Dies war schon immer so, Männer werden anscheinend immer noch stark bevorzugt.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dth
    • 19. April 2012 15:39 Uhr

    Zunächst einmal dürften deutlich mehr Professorenstellen auf technische Gebiete entfallen, da da ja mehr Geld zur Verfügung steht. Und da sind die Absolventenverhältnisse keineswegs bei 50:50.
    Frauen mögen es mancher Orts schwieriger haben. Manchmal werden sie allerdings mittlerweile auch bevorzugt, weil man aus verschiedenen Gründen gerne mehr Frauen unter den Professoren technischer Fakultäten hat.
    Ein ausgeglichenes Verhältnis jedenfalls wäre kein sinnvolles Ziel, da es einfach noch andere entscheidende Faktoren gibt, außer einer möglichen Benachteiligung.

    Die Professur ist kein Job bei McKinsey, wo man sich mit einem Master bewerben kann. Dementsprechend:

    Dann will ich das bitte per detaillierter Statistik haben:

    1) Masterabschlüsse
    2) Promotionen
    3) Post-Docs
    4) Profs

    Das dann aufgeschlüsselt nach Fächern.

    Zusätzlich bitte noch die Anzahl Bewerbungen m und Anzahl Bewerbungen w.

    Da bin ich mal gespannt. Auf die hier ausgeschriebene letzte Professur hat sich genau eine Frau beworben. Sie eine der qualifiziertesten Personen, die sich beworben haben. Also ist sie in der engeren Auswahl.

    Und dennoch haben Sie damit nicht den Zusammenhang zum Artikelthema hergestellt.

    • Bastie
    • 19. April 2012 19:04 Uhr

    weibliche Bewerber auf Professorenposten haben eine leicht höhere Erfolgsquote als Männer. Die Einstellungspolitik der Unis ist klar Pro-Frau, sieht man auch in den Ausschreibungen und das deckt sich auch mit meiner (nicht sehr großen) Erfahrung aus Berufungsverfahren.
    Es gibt wesentlich mehr weibliche Profs im Verhältnis zu männlichen, als es weibl Spitzenforscher im Verhältnis zu männlichen gibt. Das sollte zu denken geben, denn im Moment sieht es eher so aus, als ob man als Frau erheblich bessere Karten hat als als Mann.

    Ein 50:50 Quote ist reine Klientelpolitik und widerspricht absolut dem Leistungsprinzip. Man schadet der Forschung und der Ausbildung, wenn man andere als fachliche Kriterien zur Auswahl heranzieht. SO einfach ist das nunmal.

    • ribera
    • 20. April 2012 1:07 Uhr

    Dann fordere ich, dass 50% der Studienplätze in Tiermedizin für Männer reserviert und auch durch diese besetzt werden müssen!

    • bayert
    • 20. April 2012 8:14 Uhr

    und ähnlich gelagerte Studien. Mit einer 50% Quote wären viele technische Hochschulen nicht mehr funktionsfähig, da sich einfach fast keine Frauen bewerben.

  3. Was durchaus heißen mag, dass hier nicht nach der qualitativen Eignung entschieden wird.

    3 Leserempfehlungen
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    • Repec
    • 19. April 2012 15:22 Uhr

    "Was durchaus heißen mag, dass hier nicht nach der qualitativen Eignung entschieden wird."

    Oder sich die Lebensplanung unterscheidet.

    • Repec
    • 19. April 2012 15:22 Uhr

    "Was durchaus heißen mag, dass hier nicht nach der qualitativen Eignung entschieden wird."

    Oder sich die Lebensplanung unterscheidet.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Ergänzung:"
    • pestei
    • 19. April 2012 15:30 Uhr
    5. [...]

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

    • Nevil
    • 19. April 2012 15:36 Uhr

    Als Wissenschaftlerin bin ich weiß Gott nicht gegen ein fifty-fifty-Verhältnis bei den Lehrenden, aber das ist bei diesem Artikel, s. meine Vorredner, überhaupt nicht der Punkt.
    Der Punkt ist eine vernünftige materielle und personelle Ausstattung der Institute, um eine ordentliche Lehre und Forschung zu gewährleisten. Bei den heutigen Verhältnissen kommt eine Seite immer zu kurz.
    Dieses unselige Akquirieren-Müssen von Drittmitteln ist doch kein Indikator für Spitzenleistung in der Forschung, sondern schlechtenfalls und leider nicht selten nur ein Indiz für einen guten Draht zu den Gutachtergremien und das Bestreben, viel Papier mit immer denselben Standpunkten vollzuschreiben, die zudem noch von einer großen Anzahl von Graduierten in die Welt getragen werden sollen.

    5 Leserempfehlungen
  4. ...von den Gender-Streitereien, gebe ich dem Artikel recht.

    Allerdings wird mit den Drittmitteln durchaus ein Ziel verfolgt, man spart Staatsausgaben und privatisiert damit die Forschung. Und das ist doch genau das was zur neoliberalen Doktrin und dem sinnlosen und kontraproduktiven weltweiten Wettbewerb der Volkswirtschaften passt.

    Erst kürzlich im Interview (SWR2/DLF) wurde klar, in welchem Ausmaße das bereits geschieht, heute kommen im Durchschnitt auf 1 Euro Drittmittel noch 0,80 Euro Staatsgeld, in den 90igern waren es noch über 2 Euro.

    4 Leserempfehlungen
    • dth
    • 19. April 2012 15:39 Uhr

    Zunächst einmal dürften deutlich mehr Professorenstellen auf technische Gebiete entfallen, da da ja mehr Geld zur Verfügung steht. Und da sind die Absolventenverhältnisse keineswegs bei 50:50.
    Frauen mögen es mancher Orts schwieriger haben. Manchmal werden sie allerdings mittlerweile auch bevorzugt, weil man aus verschiedenen Gründen gerne mehr Frauen unter den Professoren technischer Fakultäten hat.
    Ein ausgeglichenes Verhältnis jedenfalls wäre kein sinnvolles Ziel, da es einfach noch andere entscheidende Faktoren gibt, außer einer möglichen Benachteiligung.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Erklärung"
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    • gorgo
    • 25. April 2012 8:32 Uhr

    Die Mär, dass Männer einfach häufiger oder inhaltlich besser qualifiziert seien, erübrigt sich mit Blick auf die Zahlen - wird aber immer noch gerne verbreitet - ersetzen Sie einfach mal probeweise Männer durch Frauen - ich möchte nicht wissen, welcher Shitstorm durch die Welt fegen würde, würde man Männer zu den Anteilen verdammen, zu denen Frauen jetzt ganz zufrieden zu sein scheinen...:

    "Mehr als zwei Drittel der Studierenden der Geisteswissenschaften sind weiblich, 72
    Prozent der Absolventen sind Frauen (2005). In den anderen Fachrichtungen ist die
    Relation genau umgekehrt: Dort sind 60 Prozent der Studierenden und 57 Prozent
    der Absolventen männlich. Unter den Professoren haben sich die Frauen noch
    nicht durchsetzen können: Von vier Professorenstellen in den Geisteswissenschaften
    ist im Durchschnitt eine mit einer Frau besetzt. Das sind 2.186
    Professorinnen in den Geisteswissenschaften (2005). Damit liegt die Frauenquote
    dort zwar höher als in den anderen Fächern, in denen durchschnittlich nur 14
    Prozent der Professoren weiblich sind. Das sind aber immer noch wenige
    angesichts der hohen Frauenquote unter den Absolventen eines geisteswissenschaftlichen
    Fachs."

    http://www.abc-der-mensch...

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Hochschule | Forschung | Personal | Qualität | Oder
Service