Hochschulrankings sind überflüssig, schreibt Leser Michael Kersken. Die Universitäten sollten sich andere Ziele setzen als den sinnlosen Wettstreit um Spitzenpositionen.
Was bringen die Rankings den Hochschulen? Warum wird erhoben, wer mehr Drittmittel hat? Oder wer bei einem anderen beliebigen Indikator weiter vorne steht? Was sagt dies wirklich über die Qualität von Forschung und Lehre aus?
Das Problem an den Rankings: Bei solchen Vergleichen geht es nur darum, wer an der Spitze der Tabelle steht. Die Hochschulen brüsten sich mit dem Erfolg und erhoffen sich mehr Renommee bei Studieninteressierten, Top-Wissenschaftlern und potenziellen Drittmittelgebern.
Um in den Rankings gut abzuschneiden, begeben sich Hochschulen in einen wahnwitzigen Wettstreit, der nie eine dauerhaft erfolgreiche Einrichtung hervorbringen wird. Rankings bilden bisher beispielsweise nur die absolute Höhe von Drittmitteln oder deren Höhe in Relation zur Anzahl der Professorenstellen ab. Dieser Erhebung fehlt aber ein klares Ziel. Wenn zum Beispiel die Lehre eines Fachbereichs sehr gut ist, landet er im Ranking trotzdem im unteren Bereich, wenn andere Institutionen dank höherer Drittmittel-Zahlen besser eingestuft werden.
- Leserartikel auf ZEIT ONLINE
ZEIT ONLINE präsentiert regelmäßig ausgewählte Leserartikel, die unsere eigenen Inhalte um zusätzliche Meinungen, Erfahrungsberichte und Sichtweisen bereichern. Vor der Veröffentlichung nehmen wir mit den Autoren Kontakt auf und sprechen über den Text, anschließend wird der Leserartikel von uns redigiert und bebildert. Auch bei Leserartikeln, die unter Pseudonym veröffentlicht wurden, kennt die Redaktion Namen und Anschrift des Autors. Alle weiteren Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.
- Leserartikel schreiben
-
Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Was freut, ärgert oder verwundert Sie? Welches Buch, welche Musik oder welchen Film würden Sie gerne einmal auf ZEIT ONLINE rezensieren? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihren Leserartikel. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie alle wichtigen Hinweise, wie Sie beim Verfassen Ihres eigenen Artikels für ZEIT ONLINE vorgehen sollten.
- Der ZEIT-ONLINE-Wald
-
© BeneA / photocase.comAls symbolisches Dankeschön pflanzen wir für jeden Leserartikel, den wir veröffentlichen, einen Baum. Dabei arbeiten wir mit iplantatree.org zusammen. Zum Start des neuen Leserartikel-Projekts haben wir schon 1000 Bäume in Berlin Friedrichshagen gepflanzt und hoffen, dass daraus im Lauf der Jahre ein ganzer ZEIT-ONLINE-Wald wird. Mehr Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.
Zunächst sollte festgelegt werden, welche Höhe an Drittmitteln überhaupt erforderlich ist, um qualitativ hochwertige Forschung zu betreiben; und wie viel Personal notwendig ist für eine anspruchsvolle Lehre. Eine nach oben hin offene Erhebung verführt die Hochschulen dazu, Ressourcen in den Wettstreit zu investieren, die an anderer Stelle dringender benötigt werden. Statt immer neue und ziellosere Vergleiche anzustellen, sollten Wissenschaftsorganisationen, Denkfabriken und Hochschulen – aber auch die Politik! – sich ernsthaft fragen, wohin das Ganze führen soll.
Erste Hochschulen haben sich dem sinnfreien Wettstreit bereits verweigert, weitere werden ihnen hoffentlich folgen. Aber statt nur das bestehende System zu bemängeln, ist es auch notwendig, Alternativen aufzuzeigen. Wir brauchen klare Ziele für unsere Hochschulen. Eines davon sollte beispielsweise lauten: Hochschulstellen müssen zu je fünfzig Prozent von Frauen und Männern besetzt sein.









Das ist natürlich überspitzt. Es ist aber nicht so, dass die Hochschulen chronisch überfinanziert wäre.
Und Forschung ist nun mal zeit und kostenintensiv. Einige Beispiele aus meinem Studiengang (Chemie):
Die Gerätschaften zur Analyse sind sehr teuer. Dabei fängt es mit 10.000€ an und kann durchaus in Millionen gehen. Hinzu kommt Wartungs- und Betriebskosten (z.B. für flüssiges Helium zur Kühlung), Kosten für Standarts zur Kalibrierung (die Herstellung ist wegen der Anforderungen sehr aufwendig, sodass diese durchaus einige tausend Euro kosten können) etc. Dies hat zur Folge, dass man durchaus einen Monat warten muss, bis man Zugriff auf das Gerät bekommt.
Ein Gramm eines Proteins kann ebenfalls Kosten in sechsstelligen Bereich verursachen. Das ist natürlich ein Extrembeispiel. Allerdings müssen sehr viele Chemikalien gekauft werden, was nicht ganz billig ist. Auch die Ausrüstung im Labor kann je nach Fragestellung beliebig teuer werden.
Die naturwissenschaftliche/technische Forschung ist von Drittmittel abhängig, wegen den Kosten und den Know-how der Industrie.
... und Männern liegt doch ca. bei 50:50. Wieso gibt es denn dann deutlich weniger Professorinnen als Professoren, oder weniger Gabelstaplerfahrerinnen als Gabelstaplerfahrer oder sonst irgendwas weniger???
Also manchmal frag ich mich, woher die Leute ihre Logik nehmen. Wenn die aus der Schule kommt, dann gute Nacht Deutschland.
...es gibt halt wahrscheinlich doch angeborene Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Aber pssst....nicht sein kann, was nicht sein darf.
...es gibt halt wahrscheinlich doch angeborene Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Aber pssst....nicht sein kann, was nicht sein darf.
Danke Herr Kersken. Ich dachte schon, ich wäre der einzige, der Hochschulranking unsinnig findet...
Dann fordere ich, dass 50% der Studienplätze in Tiermedizin für Männer reserviert und auch durch diese besetzt werden müssen!
und ähnlich gelagerte Studien. Mit einer 50% Quote wären viele technische Hochschulen nicht mehr funktionsfähig, da sich einfach fast keine Frauen bewerben.
Ich denke das Uni Rankings durchaus Sinn machen. Sie spiegeln zwar hauptsächlich den Forschungsbetrieb wieder und machen weniger Aussagen zur Qualität der Lehre, aber ieso sollten forschungsstarke Unis keine gute Lehre bieten? Studenten profitieren von einem starken Forschungsbetrieb, werden früh mit eingebunden und können dabei lernen. Auch profitieren sie von renommierten Professoren, die eben durch einen guten Platz im Ranking angelockt werden.
Die Frauenquote halte ich nicht für sinnvoll. In vielen Bereichen, wie dem Ingenieurwesen studieren numal weniger Frauen, weshalb auch bei den Mitarbeitern dei Frauen unterdurchschnittlich repräsentiert sind.
Sie haben sicher recht, dass es auch Vorteile bietet, wenn eine Uni Forschungsstark ist.
Allerdings ist das per se kein positiver Einfluss auf die Lehre. Es kann auch negativ sein, wenn Dozenten größtenteils Narrenfreiheit haben und sich nur ihrer Forschung widmen, weil sie Drittmittel einwerben.
Dann werden Vorlesungen über ganze Semester immer wieder von anderer Vertretern gehalten, Arbeiten und Klausuren harren Monate auf Korrektur etc.
Für den Studienanfänger ist es daher ein zweitrangiger Indikator
Sie haben sicher recht, dass es auch Vorteile bietet, wenn eine Uni Forschungsstark ist.
Allerdings ist das per se kein positiver Einfluss auf die Lehre. Es kann auch negativ sein, wenn Dozenten größtenteils Narrenfreiheit haben und sich nur ihrer Forschung widmen, weil sie Drittmittel einwerben.
Dann werden Vorlesungen über ganze Semester immer wieder von anderer Vertretern gehalten, Arbeiten und Klausuren harren Monate auf Korrektur etc.
Für den Studienanfänger ist es daher ein zweitrangiger Indikator
Der Autor beklagt zu Recht sinnlose Diktate (Beispiel Drittmittel) als Kriterien zur Ansehenssteigerung. Ebenso zu Recht wird angemerkt, dass die Wirkungsweise einer schlichten Tabelle überbewertet wird.
Leider verheißt die Alternative, die er bietet (Geschlechterparität), nichts als ein neues sinnloses Diktat. Eines, das halt gerade dem Zeitgeist entspricht.
Selbstverständlich ist es für die Hochschulen von großem Vorteil, nicht mit Tunnelblick in die Welt zu schauen und in beiden Geschlechtern sowie international nach guten Köpfen zu suchen. Letztendlich ist jedoch die einzig brauchbare Strategie für Universitäten, um mit Ranking oder ohne "exzellent" zu werden, jene, dass man bei herausragenden Professoren Klinken putzt. Damit kann man dann bei herausragenden Studenten Klinken putzen - und mit ihnen wieder bei herausragenden Professoren...
...es gibt halt wahrscheinlich doch angeborene Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Aber pssst....nicht sein kann, was nicht sein darf.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren