Alma Mater IndexWähle die Uni, die dich zum Boss macht

Der britische Alma Mater Index weist aus, welche Uni die meisten Unternehmenschefs hervorbringt. Die Antwort: Harvard. Doch wem nutzt das? Und was sagt das Ranking aus? von 

Abschlussfeier von Harvard-Absolventen 2013

Abschlussfeier von Harvard-Absolventen 2013  |  © Paul Marotta/Getty Images

Wer später zum Leiter eines Unternehmens aufsteigen will, sollte sich gut überlegen, an welche Universität er geht. Abgänger der US-Elite-Uni Harvard etwa sind besonders erfolgreich darin, die Chefsessel von großen Firmen zu besetzen. Das zumindest besagt der am Donnerstag veröffentlichte Alma Mater Index

Der Index ist ein neues internationales Hochschul-Ranking und wird vom britischen Wochenmagazin Times Higher Education (THE) veröffentlicht. Seit 2004 erarbeitet das Magazin das angeseheneTimes Higher Education World University Rankingund ordnet Hochschulen aus der ganzen Welt auf einer Liste ein.

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Der Alma Mater Index rankt Universitäten nach einem Kriterium: Wie erfolgreich erklimmen die Abgänger im späteren Berufsleben die Karriereleiter, und zwar bis ganz nach oben? Als Prüfstein dient dem THE-Index wiederum nur ein kleiner Informationsschnipsel: Wie viele Alumni der Universität haben es zum Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens gebracht, das in der Liste der Fortune Global 500 vertreten ist? 

Diese Aufzählung wird jährlich vom US-Wirtschaftsmagazin Fortune veröffentlicht und umfasst die 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Fast alle davon sind börsennotiert. Erfolgreiche Absolventen, deren Firmen nicht auf der Fortune-Liste stehen, werden nicht berücksichtigt. Wer es nur in eine Stellvertreterposition geschafft hat, wird vom neuen THE-Ranking ebenfalls ignoriert. 

Der Index schafft einen Tunnelblick auf erfolgreiche Wirtschaftsbosse

Marianne Kneuer kritisiert diesen engen Fokus. Die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft und Professorin an der Universität Hildesheim sagt: "Der Blick des Index ist absolut reduziert und zusammengeschrumpft auf die Frage, welche Wirtschaftsgrößen eine Universität heranzieht." Der Index vermittele einen falschen Bildungsbegriff. "Bildung lässt sich nicht auf die Frage nach erfolgreichen Unternehmenschefs reduzieren. Das ist vermessen."

Im Alma Mater Index folgt auf die Harvard Universität, die Ausbildungsort von 25 Firmenbossen war, die Universität von Tokio. Dort haben 13 Vorstandsvorsitzende der Fortune-Liste studiert. Auf dem dritten Platz liegt wieder eine amerikanische Universität. An der Stanford University haben elf Chefs studiert. Anders ausgedrückt bedeutet das, dass fünf Prozent der Chefs von Firmen, die auf der Liste der Fortune 500 stehen, in Harvard waren. Von den Top-10-Firmenchefs war dagegen niemand auf der Bostoner Eliteeinrichtung. 

Für das Ranking wurden Informationen zur Ausbildung aller Vorstandsvorsitzenden der 500 Unternehmen gesammelt. So wurden die Firmenchefs den unterschiedlichen Universitäten zugeordnet. Aus einem Pool von nur 500 Einzelbiografien leiteten die Forscher des THE ihre Liste der Top 100 ab.

Dieses Zahlenverhältnis hat Folgen für die Ergebnisliste: Die meisten Universitäten sind im Ranking vertreten, weil sie zwei oder drei Vorstandschefs hervorgebracht haben. Ein absoluter Zahlenwert, der statistisch gesehen auch Zufall sein könnte. Die Unterschiede in der Platzierung ergeben sich dadurch, dass der Umsatz der geführten Unternehmen mit eingerechnet wird.

Leserkommentare
  1. Welche Überraschung

    2 Leserempfehlungen
  2. In Harvard fordert man die Kreativitaet. Hierzuland mobbt man
    diejenigen die kreative sind. Das sind die doofen asozialen egositischen Streber. Man will hier Studenten ausbliden die bereit sind zu konsumieren. Das ist der grosse Unterschied.

    Eine Leserempfehlung
    • Laziali
    • 05. September 2013 19:17 Uhr

    zu schauen, inwieweit nicht eher Netzwerke zu dem Ergebnis beigetragen haben. Man wird ja untertellen dürfen, dass ein deutlich größerer Teil der Studenten sehr gut ist und die Qualifikation besitzt.

    3 Leserempfehlungen
  3. ..., gar nicht in Harvard studiert. Es wird dort mehr oder minder ein Elite-Etikett vermittelt, das freilich jeder dort für sich nutzen kann.

  4. Die Zeit versucht sich ja auch darin, nicht immer mit überzeugendem Ergebnis. Aber es ist ein Gebot der Ehrlichkeit, zuzugeben, daß eben Universitäten beileibe nicht alle dieselbe Qualität haben, genausowenig wie das Abitur.
    Unser Egalitäts-Wahn beschädigt das Leistungsprinzip.

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    Differenzierte Unis und eine Auswahl nach dem Leistungsprinzip sind dort meiner Meinung nach wünschenswert und in Teilen auch in Deutschland schon eine Realität, die man anerkennen und kommunizieren sollte.
    Was aber das Abitur angeht: Die Unterschiede werden nach meinen Erfahrungen massiv übertrieben und so sie denn existieren sollten sie abgebaut werden, da man sich seine Schule bzw das Bundesland in welchem man sein Abitur ablegt, nur höchst selten aussuchen kann. Dann hat das ganze aber eher mit Glück als mit dem Leistungsprinzip zu tun.

    • fox333
    • 06. September 2013 14:10 Uhr

    Man soll doch nicht so viel Gewicht auf den Name der Uni legen. Letztendlich gelten die eigenen akademischen Leistungen als Hauptkriterium fuer die Anstellung. Hervorragende Erfolge kann man irgenwo schaffen, solange man ueber die nowendigen Fertigkeiten verfuegt.

  5. Differenzierte Unis und eine Auswahl nach dem Leistungsprinzip sind dort meiner Meinung nach wünschenswert und in Teilen auch in Deutschland schon eine Realität, die man anerkennen und kommunizieren sollte.
    Was aber das Abitur angeht: Die Unterschiede werden nach meinen Erfahrungen massiv übertrieben und so sie denn existieren sollten sie abgebaut werden, da man sich seine Schule bzw das Bundesland in welchem man sein Abitur ablegt, nur höchst selten aussuchen kann. Dann hat das ganze aber eher mit Glück als mit dem Leistungsprinzip zu tun.

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  • Schlagworte Boss | Unternehmen | USA | Harvard
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