Geisteswissenschaften Keine brotlose Kunst

Der Studentenforscher Kolja Briedis räumt im Interview mit Vorurteilen gegenüber Geisteswissenschaftlern auf und gibt Tipps für den beruflichen Start nach dem Studium.

Lesen ist des Geisteswissenschaftlers liebste Beschäftigung

Lesen ist des Geisteswissenschaftlers liebste Beschäftigung

ZEIT Studienführer: Ihre jüngste Absolventenbefragung zeigt, dass Geisteswissenschaftler später einen Job finden als andere, weniger verdienen und unzufriedener sind. Sollte man dann nicht gleich Maschinenbau studieren?

Kolja Briedis

Kolja Briedis, 35, studierte Pädagogik. Heute erforscht er beim Hochschul-Informationssystem (HIS), wie Absolventen in den Beruf starten.

Kolja Briedis: So einfach ist es nicht. Beruflicher Erfolg steht für viele Geisteswissenschaftler ja gar nicht an erster Stelle. Viel wichtiger als ein dickes Konto ist ihnen, sich mit interessanten Inhalten auseinanderzusetzen und sich im Studium selbst verwirklichen zu können. Sie wollen nicht unbedingt Karriere machen, sondern verfolgen eher bildungsbürgerliche Ziele. Deshalb bleibt die Zahl der Studienanfänger in den Geisteswissenschaften vom Arbeitsmarkt auch weitgehend unberührt – anders als zum Beispiel bei Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaftlern, die eher Wert auf klare Perspektiven und eine gesicherte Stellung legen.

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ZEIT: Warum dann die Unzufriedenheit im Job?

Briedis: Sie sind nicht in allen Bereichen unzufriedener. Beim Einkommen, bei den Aufstiegschancen und der Beschäftigungssicherheit sieht es zwar nicht ganz so toll aus. Dafür sind sie aber überdurchschnittlich zufrieden, wenn es um die Familienfreundlichkeit, die Arbeitszeitorganisation und die Work-Life-Balance geht. Und diese Faktoren sind ihnen ohnehin oft wichtig. Abgesehen davon, ist ihr Durchschnittsgehalt zwar vergleichsweise niedrig – aber ernüchternd sind rund 50.000 Euro Jahreseinkommen nach zehn Berufsjahren ja nun nicht gerade.

ZEIT: Was können Geisteswissenschaftler tun, um besser in den Beruf zu starten?

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Briedis: Wir beobachten bei Geisteswissenschaftlern eine gewisse Scheu vor der beruflichen Praxis, nicht zuletzt weil häufig ein klar umrissenes Berufsbild fehlt. Sie sollten sich daher früh Gedanken machen, in welche Richtung es gehen könnte. Um das herauszufinden, sind Praktika unabdingbar. Hilfreich sind auch Orientierungsmodule, berufsbezogene Infoveranstaltungen und Hochschulmessen, bei denen Vertreter der unterschiedlichsten Branchen aus der Praxis berichten.

Leser-Kommentare
  1. Auf 2 Seiten Interview ein paar Allgemeinplätze ausgebreitet. Klar muß man Abstriche bei Karriere und Bezahlung machen, wenn man mehr Wert auf Familienleben und work-life Balance legt. Das muß der Wirtschaftswissenschaftler aber auch. Klar, muß ich mich als Geisteswisssenschaftler gut zu verkaufen wissen, um erfolgreich zu sein, das muß aber wohl jeder Bewerber auf einen attraktiven Posten. Und, daß man als Geisteswissenschaftler für alles und auch wieder für nichts eingesetzt werden kann ist auch allgemein bekannt.

  2. Wir haben hier bei uns in der Werbeagentur gerade einen Germanisten eingestellt. Magister frisch in der Tasche. Jetzt ist er fürn Appel & Ei bei uns als Trainee. Und das mit Anfang 30. - Vielleicht doch brotlose Kunst??

  3. Also Kunst und Kultur ist jawohl die einzigste sinnvoll
    Branche für Geisteswisschenaftler von den oben genannten.

    Hier mal ein Exkurs, welche Absolventen für genannte Studiengänge vorgezogen werden.

    "Redaktion, Verlage": (Angewandte) Medienwissenschaften,

    "Schulen...Weiterbildungseinrichtungen": Lehramt

    "Werbung, Public Relations und Unternehmenskommunikation": Kommunikations- und Medienwissenschaften

    Wenn es konjunkturell besser läuft nimmt auch der Bedarf an guten Betriebswirten zu, sicher mehr als an Geisteswissenschafltern.
    Und wie tauglich solche Exoten in der frein Wirtschaft sind, weiß ich auch nicht...

    Immer diese Floskeln bei interdisziplinären Studiengängen...
    Die Absolventen von solchen sind nicht mehr oder weniger flexibel, selbstorganisationsfähig (oder kreativ) als die anderer Studiengänge.

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    >>...kunst und kultur ist jawohl die einzigste sinnvolle
    branche...<<<

    nur interessehalber - hat der urheber dieser formulierung einen anständig bezahlten job?

    >>...kunst und kultur ist jawohl die einzigste sinnvolle
    branche...<<<

    nur interessehalber - hat der urheber dieser formulierung einen anständig bezahlten job?

  4. Wenn ich eins hasse, dann ist es der Spruch: "Man muss sich gut verkaufen können"....Genau diesem Irrtum will man doch entfliehen...Beruflich etwas tun, was nicht vorrangig was mit Geld zu tun hat, wo man Mensch sein kann, wo man nicht wie ein Roboter jeden Tag Höchstleistungen abrufen muss,und vor allem nicht jeden Tag das selbe machen muss (Stichwort Schnittstelle und Interdisziplinarität).

    Ich will mich als Mensch nicht verkaufen, ich bin kein Gegenstand. Ich habe Stärken und Schwächen, und mein Traum ist es, irgendwo eingestellt zu werden, wo der Personalchef um diese Eigenschaften weiß, und genau das will. Dort will ich arbeiten.Dafür nehm ich auch gerne ein nicht so klar definiertes Berufsbild in Kauf, und schaue bei meiner Tätigkeit auch sehr gerne mal über den Tellerrand....

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    In einer wie auch immer gearteten Marktwirtschaft ist Ihre Arbeitskraft nur eine Ware, die Sie auf einem abstrakten Arbeitsmarkt verkaufen müssen.

    Wohlgemerkt: müssen!

    Denn der Markt sieht nur die Produkte. Das tut auch der Arbeitsmarkt.

    "Ich will mich als Mensch nicht verkaufen, ich bin kein Gegenstand. Ich habe Stärken und Schwächen, und mein Traum ist es, irgendwo eingestellt zu werden, wo der Personalchef um diese Eigenschaften weiß, und genau das will. Dort will ich arbeiten."

    Woher aber soll dieser Personalchef wissen, daß Sie diese Fähigkeiten haben, wenn Sie sich nicht verkaufen können?

    Sich verkaufen können muß jeder in der Arbeitswelt, schliesslich verkauf er seine Arbeitskraft und -zeit. Und wer das nicht kann, der wird entweder zu schlecht bezahlt oder erst gar nicht genommen. Das ist bei allen geschäftlichen Transaktionen so - inklusive Arbeitsverträgen - und gilt für Geisteswissenschaftler genauso wie für Wirtschaftswissenschaftler oder (in meinem Fall) Naturwissenschaftler.

    Natürlich können wir uns eine andere Welt wünschen, in der jeder unsere (natürlich vielfältigen) Vorzüge erkennt, ohne daß wir sie extra erwähnen müssen. Aber bloßes Wünschen macht so eine Welt nicht real.

    In einer wie auch immer gearteten Marktwirtschaft ist Ihre Arbeitskraft nur eine Ware, die Sie auf einem abstrakten Arbeitsmarkt verkaufen müssen.

    Wohlgemerkt: müssen!

    Denn der Markt sieht nur die Produkte. Das tut auch der Arbeitsmarkt.

    "Ich will mich als Mensch nicht verkaufen, ich bin kein Gegenstand. Ich habe Stärken und Schwächen, und mein Traum ist es, irgendwo eingestellt zu werden, wo der Personalchef um diese Eigenschaften weiß, und genau das will. Dort will ich arbeiten."

    Woher aber soll dieser Personalchef wissen, daß Sie diese Fähigkeiten haben, wenn Sie sich nicht verkaufen können?

    Sich verkaufen können muß jeder in der Arbeitswelt, schliesslich verkauf er seine Arbeitskraft und -zeit. Und wer das nicht kann, der wird entweder zu schlecht bezahlt oder erst gar nicht genommen. Das ist bei allen geschäftlichen Transaktionen so - inklusive Arbeitsverträgen - und gilt für Geisteswissenschaftler genauso wie für Wirtschaftswissenschaftler oder (in meinem Fall) Naturwissenschaftler.

    Natürlich können wir uns eine andere Welt wünschen, in der jeder unsere (natürlich vielfältigen) Vorzüge erkennt, ohne daß wir sie extra erwähnen müssen. Aber bloßes Wünschen macht so eine Welt nicht real.

  5. In einer wie auch immer gearteten Marktwirtschaft ist Ihre Arbeitskraft nur eine Ware, die Sie auf einem abstrakten Arbeitsmarkt verkaufen müssen.

    Wohlgemerkt: müssen!

    Denn der Markt sieht nur die Produkte. Das tut auch der Arbeitsmarkt.

    Antwort auf "Verkaufen"
    • aha10
    • 05.05.2010 um 12:16 Uhr

    ich bin geisteswissenschaftlerin und kann das nicht mehr hören: gut verkaufen können, überall einsetzbar, PR...
    alles Träumerei.
    Da es zu viele von uns gibt und zu wenig Stellenangebote, werden sogar für unbezahlte Praktika Kompetenzen erwartet, wo man nur denkt: Wenn ich das alles kann, wozu muss ich dann für euch für 0,nix schuften?
    Und gleich antworte ich mir selber: weil du als GW keine andere Chance hast auf einen eventuellen Job zu kommen.
    Dann wird man ausgenutzt, weggeworfen (Wir haben leider keine offene Stelle zu besetzen) und dann wird schon der nächste Student eingeladen einen vollwertigen Arbeitnehmer zu ersetzen.
    Man sollte den Abiturienten noch vor der Bewerbungphase die Augen öffnen. Nur die Kinder der Reichen können es sich leisten ihre ganze Energie für eine brotlose Kunst zu opfern. Aber die gehen bekanntlich BWL studieren...

  6. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich an der Diskussion und achten Sie auf einen respektvollen Umgang mit anderen Diskussionsteilnehmern. Die Redaktion/cs

  7. >>...kunst und kultur ist jawohl die einzigste sinnvolle
    branche...<<<

    nur interessehalber - hat der urheber dieser formulierung einen anständig bezahlten job?

    Antwort auf "naja..."

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