Zeit Studienführer : Kristina, Sie machen im nächsten Jahr Abitur und wollen danach studieren. Ihr Vater und Ihre Mutter haben deshalb einen Infoabend an der Aachener Uni besucht. Fanden Sie das seltsam?

Kristina Raupach : Nein, eigentlich nicht. Der Infoabend richtete sich ja direkt an Eltern. Sie haben mir an dem Tag gesagt, dass sie da hingehen. Das war kein großes Thema.

Zeit Studienführer : Frau Raupach, wer soll sich denn nun für ein Fach entscheiden, Sie oder Ihre Tochter?

Irmtraud Raupach : Meine Tochter natürlich. Von dem Infoabend habe ich zufällig in der Zeitung gelesen. Ich habe dann zu meinem Mann gesagt: "Mensch, das ist alles so unübersichtlich. Lass uns da mal hingehen." Das Bachelor-Master-System, die vielen neuen Studiengänge, die komplizierten Bewerbungsverfahren – es hat sich so viel verändert. Als Mutter ist man da verunsichert.

Zeit Studienführer : Herr Loggen, Sie leiten die Aachener Studienberatung und haben den Elternabend initiiert. Mal ehrlich, eine Studienberatung für Eltern, das ist doch absurd!

Wolfgang Loggen : Nein, ganz im Gegenteil. Das Thema ist ein Renner, mittlerweile gibt es solche Veranstaltungen an mehreren Hochschulen. Die Sache ist doch die: Immer mehr Eltern begleiten ihre Kinder zur normalen Studienberatung. Das wollen wir aber nicht. Weil wir die Mütter und Väter nicht wegschicken können, versuchen wir, Angebote speziell für sie zu schaffen.

Zeit Studienführer : Wie viele Ratsuchende kommen denn normalerweise zu Ihrem Elternabend?

Loggen : Bei der Premiere vor vier Jahren waren es 30, da reichte ein Seminarraum für alle. Heute füllen 200 Eltern den Hörsaal.

Zeit Studienführer : Ist es den Abiturienten nicht peinlich, wenn ihre besorgten Eltern die Unis stürmen?

Loggen : Nein, jedenfalls nicht generell. Viele junge Menschen spüren eine stärkere Bindung zu ihrer Familie, als das noch bei meiner Generation der Fall war. Damals wollte man sich abgrenzen. Heute werden Mutter und Vater eher als Partner wahrgenommen.

Zeit Studienführer : Was erfahren die Eltern beim Infoabend?

Loggen : Erst einmal geht es um das System Uni, um Bachelor und Master, um Zulassungsverfahren und Finanzierungsmöglichkeiten. Dann können die Eltern Fragen stellen.

Zeit Studienführer : Was ist Ihre Botschaft an die Zuhörer?

Loggen : Erst mal wollen wir ihnen vermitteln: Sie sind mit ihren Fragen nicht allein. Die eigenen Sorgen werden kleiner, wenn man sieht, dass andere Eltern in einer ähnlichen Situation sind.