Drei von fünf Studenten jobben. In den Semesterferien oder abends nach der Uni. Acht Möglichkeiten

An der Hochschule: Hilfskraft

Viele Überstunden, mäßige Bezahlung, wer will so schon arbeiten? Hiwi, wie die studentischen Hilfskräfte kurz genannt werden, ist auf den ersten Blick kein attraktiver Job. Der Ertrag ist gering, manchmal liegt er nur bei sieben Euro pro Stunde. Überstunden werden häufig stillschweigend vorausgesetzt und nicht bezahlt. Das Abrackern als Hiwi kann sich aber später auszahlen. Etwa wenn sich daraus eine Promotionsstelle ergibt. Der Student kennt sich aus, ist vertraut mit internen Arbeitsabläufen am Institut und den wissenschaftlichen Methoden. Wenn es so weit ist, denkt sich deshalb mancher Prof: Warum sollte ich dem Hiwi nicht den Promotionsplatz geben? Immerhin drei von vier Doktoranden haben zuvor als Hiwi gearbeitet. Aber nicht jede Hiwi-Stelle führt in die Wissenschaft. Wer nur die Bibliotheksbestände neu etikettiert, kann nicht erwarten, dass später eine Promotionsstelle bereitsteht. Wer bei seiner Fakultät nach einer Stelle fragt, sollte das im Hinterkopf haben.

Hinterm Tresen: Kellner und Barkeeper

Tisch 14 möchte zahlen, Tisch 4 zwei neue Pils, und die Hübsche an Tisch 7 winkt schon wieder – keine Zeit, sich kurz hinzusetzen, die Arme schmerzen, und der Bon von Tisch 14 ist spurlos verschwunden. Besonders die ersten Schichten als Kellner sind hart, sie fordern volle Konzentration und viel Geschick. Dann gewöhnen sich die meisten daran: Kellnern gehört zu den häufigsten Studentenjobs überhaupt. Bedienungen werden immer irgendwo gesucht. Die Bezahlung schwankt stark, bei fünf Euro plus Trinkgeld geht es los. Bei Hochbetrieb übersteigt das Trinkgeld den Lohn jedoch häufig um das Vielfache. Die Arbeitszeiten sind angenehm flexibel, von früh am Morgen im Café bis spätnachts in der Bar – für jeden ist etwas dabei. Drankommen: einfach in der Lieblingskneipe fragen. Wie hoch das Trinkgeld letztlich ausfällt, ist aber jeden Tag Glückssache. Wer übrigens hinter dem Tresen als Barkeeper arbeitet, erhält zwar weniger Trinkgeld, dafür aber häufig einen höheren Grundlohn.

Am Steuer: Promi- und Pizza-Chauffeur 

In der Limousine von München nach Berlin fahren, auf der Rückbank einen Promi und dafür 9,50 Euro pro Stunde kassieren – wer beim BMW-Flottenservice arbeitet, kann einen solchen Auftrag durchaus mal bekommen. Der Luxus-Fahrservice von BMW sucht explizit Studenten, die unter anderem zwei Jahre Fahrerfahrung und ein jungfräuliches Punktekonto in Flensburg mitbringen. Die Auswahl ist streng. Andere Fahrjobs sind leichter zu bekommen. Pizzafahrer etwa werden dauernd gesucht; Führerschein und Ortskenntnis reichen häufig schon als Qualifikation. Dank Trinkgeld kommen viele Fahrer auf einen Stundenlohn von mehr als zehn Euro. Anders bei professionellen Eil- und Kurierdiensten: Die schicken ihre Fahrer durch ganz Deutschland, bezahlen sie aber häufig so schlecht, dass sich die Arbeit kaum lohnt. Und Taxifahren? Ist weniger geeignet als weithin angenommen: Meist muss man mehrere Schichten in der Woche fahren – mit einem Bachelorstudium nur schwer zu vereinbaren. 

Der ZEIT Studienführer 2011 © ZEIT Studienführer

Im Ferienclub:Animateur

Animateur sein bedeutet nicht, von morgens bis abends am Südseestrand Volleyball zu spielen. Animateur sein bedeutet aber wohl, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen, dabei flirten zu können und auch ein-, zweimal am Tag Volleyball zu spielen. In den Semesterferien zweieinhalb Monate arbeiten, dann ist das Konto für den Rest des Jahres voll. Weil Bachelor und Master heute weniger Freiraum lassen, kann der Student seiner Hochschule nicht mehr über lange Zeiträume fernbleiben. Bei manchen Reiseveranstaltern kann man sich aber auch dann bewerben, wenn man nur vier bis sechs Wochen Zeit hat. Häufig sind gerade Studenten gefragt, die am Anfang ihres Studiums stehen. Denn wenn sich der Student bewährt hat, kann er mehrere Semesterferien als Animateur eingesetzt werden. Wer weniger Zeit hat, für den bieten sich Kurztrips an. Einmal eingelernt, kann ein Wochenende in Paris als studentischer Reiseführer auf einer Bustour mehr als 300 Euro einbringen.

Hostess, Werbeträger und Proband

Auf der Messe: Hostess und Security

Die meisten Studentenjobs auf Messen sind auf Frauen zugeschnitten – und zwar auf junge Frauen von mindestens 1,65 Meter Körpergröße mit maximal vollschlanker Figur. Fremdsprachenkenntnisse sind von Vorteil, geschliffene Umgangsformen Pflicht. Studentinnen, die diese Voraussetzungen erfüllen, können sich direkt bei einer Messegesellschaft bewerben oder bei einer Agentur, die Engagements vermittelt. Der Stundenlohn von meist mehr als zehn Euro wird fürs Stehen bezahlt: ob an der Garderobe oder an einem Stand als Blickfang. In jedem der vielseitigen Einsatzbereiche steckt die Hostess im adretten Zweiteiler. Meist geht es darum, den Kunden Auskunft zu geben und nett zu lächeln. Das können männliche Bewerber zwar auch, aber im Alltag sind Hosts selten. Wenn überhaupt, kommen Männer im Bereich Security zum Einsatz. Doch meist arbeiten dort Vollzeitkräfte, Studenten sind in diesem Bereich eher selten. Messearbeit ist eben eher eine Frauendomäne.

Im Kostüm: Werbeträger

Arbeiten, mal anders. Für ein paar Stunden in der Woche als Getränkedose durch die Fußgängerzone laufen. Am Wochenende als Maskottchen des Zweitligavereins am Spielfeldrand auf- und abspringen. Im Dezember als Weihnachtsmann kleine Kinder beschenken. Klingt eigentlich gut. Kann aber sehr anstrengend sein. Viele Kostüme sehen nicht nur heiß aus – sie sind verdammt heiß, wenn man drinsteckt. Selbst im Winter kommt man gerade im überheizten Kaufhaus schnell ins Schwitzen. Wer als Maskottchen etwa für einen Eishockey- oder Fußballverein herumhampelt, sollte überdies sportlich sein: Oft drückt das Kostüm auf die Schultern; sich elegant darin zu bewegen kostet Kraft. Aber die Anstrengung kann sich lohnen. Meist sind die Jobs gut bezahlt, mehr als zehn Euro pro Stunde sind drin, die Arbeitseinsätze sind oft am Wochenende. Leider gibt es nur wenige Stellen. Den Job als Weihnachtsmann vermitteln übrigens das Arbeitsamt und viele Studentenwerke.

Im Labor: Proband für Studien

6.000 Euro, wenn man sich sechs Wochen lang in eine Klinik begibt und ein Antidepressivum schluckt; 3.300 Euro für 14 Tage als Proband für Tests mit einem Appetitzügler: Für die Teilnahme an medizinischen Studien winkt oft ein phänomenales Entgelt. Meist kann man dabei sogar tagsüber am Schreibtisch sitzen und in Ruhe seine Hausarbeit schreiben – wenn Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit nicht zu stark sind. In der Regel gehen die Probleme über Begleiterscheinungen solcher Art nicht hinaus. Die Medikamente sind in Tierversuchen getestet, die Studien an menschlichen Probanden werden erst zugelassen, wenn sie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als gefahrlos einstuft. Letztlich ganz ausschließen lassen sich lebensgefährliche Wirkungen aber nur auf dem Papier. Harmlos dagegen sind psychologische Studien. Hier geht es lediglich darum, Fragen zu beantworten und Einschätzungen abzugeben. Der Lohn ist entsprechend niedriger.

Am Grill:Verkäufer

Die Sache lohnt sich allenfalls abends und nachts. Denn um diese Zeit ist der karge Lohn im deutschen Einzelhandel, der meist bei etwa sieben Euro in der Stunde liegt, normalerweise wenigstens ein, zwei Euro höher als tagsüber. Wer als Verkäufer arbeiten will, sollte sich also bei Tankstellen oder lange geöffneten Supermärkten umsehen. Auch im Fachhandel sind die Löhne niedrig. Doch wenn das Geschäft zum Studienfach passt, lässt sich wenigstens noch etwas für die Uni mitnehmen: Die Arbeit einer Literaturstudentin in der Buchhandlung beispielsweise kann für beide Seiten ein Gewinn sein. Abgesehen davon, gibt es endlos viele Arten von Verkäuferjobs. Wer etwas Ausgefallenes sucht, kann sich als "Grillrunner" bewerben. Das sind mobile Bratwurstverkäufer in Berlin, die eine ganze Grillstation umgeschnallt haben und über den Alexanderplatz laufen. Das ist am ehesten etwas für Menschen mit guter Kondition – für fitte Sportstudenten zum Beispiel.