Claudia Bruns, 41, Professorin für Kulturwissenschaft, Gender Studies und Geschichte an der HU Berlin

Am wichtigsten ist mir, dass die Studierenden mit Begeisterung dabei sind. Sie sollten für sich herausbekommen, was sie interessiert, und das dann weiterverfolgen. Ich freue mich über alle, die sich in ihr Studium stürzen, die sich durchbeißen, auch wenn das manchmal hart ist, und dann den nächsten Entwicklungsschritt machen, sich fachlich verbessern. Natürlich freue ich mich über gute Noten in Prüfungen. Wenn jemand es schafft, sich viel Wissen anzueignen, mit diesem Wissen weiterdenkt und am Ende eine eigene, kritische Position bezieht, ist das auch für mich als Professorin sehr schön.

Was ich dagegen überhaupt nicht leiden kann, sind Halbherzigkeiten. Ich finde es schade, wenn sich Studierende in Vorlesungen und Seminaren einfach nur berieseln lassen. Ein solch passives Verhalten ist auch für die Kommilitoninnen und Kommilitonen frustrierend.

Streitbarkeit und Engagement bei Studierenden finde ich toll. Aber es macht mich ratlos, wenn ich erlebe, wie Auseinandersetzungen in Seminaren manchmal ablaufen. Gerade beim Thema Rassismus sind die Debatten oft hitzig und dann eben auch verletzend. Deshalb wünsche ich mir eine bessere Streitkultur und vor allem Respekt vor dem Menschen, der einem gegenübersitzt, selbst dann, wenn er eine aus eigener Sicht unhaltbare Position vertritt. Mal ehrlich: Wie können wir gemeinsam eine bessere Gesellschaft entwickeln, wenn wir einander nicht respektvoll begegnen?

Der ZEIT Studienführer 2011 © ZEIT Studienführer

Bei der Korrektur von Hausarbeiten stoße ich mitunter auf die immer gleichen formalen Fehler. Manche halten es einfach nicht für nötig, sich mit den Regeln für Fußnoten und Literaturangaben auseinanderzusetzen. Für die Lehrenden ist das bisweilen eine Zumutung. Auch wenn es sicher Spannenderes gibt, muss man sich nun einmal mit dem Handwerkszeug herumschlagen und es beherrschen lernen.

Wenn in Vorlesungen ein Kommen und Gehen herrscht, wie es mitunter vorkommt, empfinde ich das als anstrengend. Ich würde aber nicht Einzelne vor versammelter Mannschaft darauf ansprechen. Ich setze eher auf die Eigenverantwortung der Studierenden und die Rücksichtnahme auf andere.

Überrascht bin ich über die Schüchternheit, die mir bei den Studienanfängern, vor allem aber bei den Studienanfängerinnen begegnet. Sie trauen es sich häufig nicht richtig zu, sich selbstbewusst vor anderen zu äußern. In Gruppen übernehmen oft die jungen Männer die Wortführung. Das mag daran liegen, dass viele Studentinnen sehr jung sind, wenn sie starten (das gilt im Übrigen auch für einen großen Teil der Studenten). Vielleicht aber auch daran, dass Frauen seltener ermutigt werden, sich und die eigene Position wichtig zu nehmen. Möglicherweise wirken am Anfang auch der Prüfungsdruck und die Stofffülle im Bachelor verunsichernd.

Ich finde es wichtig, von den Studierenden zu erfahren, wo sie stehen. Neulich hat mich mal jemand gefragt: Was bedeutet eigentlich »heroisch«? Da war ich schon recht überrascht. Ich gebe zu, dass ich manchmal ein bisschen erschrocken bin und mich wundere, was alles nicht gewusst wird. Aber das holt mich wieder zurück auf eine Basis, von der aus man erst gemeinsam starten kann. Und darum geht es ja schließlich: Um das Beschreiten eines gemeinsamen Weges, denn der Prozess des gemeinsamen Forschens und Lernens ist im Grunde das Großartige an der Universität! Deswegen sollten die Studierenden mir unbedingt sagen, wenn sie etwas langweilt oder sie etwas nicht begriffen haben. Was nützt es, wenn ich meine Lehre über ihre Köpfe hinweg mache? Damit ich mich aber auf meine Zuhörerinnen und Zuhörer einstellen kann, ist es hilfreich, wenn ehrlich kommuniziert wird und keiner aus Angst, sich zu blamieren, schweigt. Ich achte das sehr, denn ich weiß: Zu so einer Ehrlichkeit gehört Mut.