Studienbeginn"Ich teste mich"
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 Nicht generell studierunfähig

Was-studiere-ich.de

Dieser Test ist wie das Borakel eine Mischung aus Interessen- und Fähigkeitstest. Jeder, der sich ab dem Wintersemester 2011/12 in Baden-Württemberg einschreiben will, muss nachweisen, den Interessenteil bearbeitet zu haben (die Ergebnisse bleiben aber Privatsache).

Schnell steht fest: Ich brauche mehr Nussschokolade. Drei Stunden lang bearbeite ich Aufgaben, die mich an den Intelligenztest erinnern, den ich als 14-Jährige mal ablegen musste. Als ich wieder und wieder Folgen mit Mustern logisch ergänzen soll, gelangt meine Stimmung an den Tiefpunkt. Ich habe das Gefühl, die Aufgaben falsch zu lösen, und klicke immer öfter einfach auf gut Glück irgendwelche der Dreiecke und Punkte an. Offenbar bin ich darin eine Niete. Aber nein: Mein räumliches Vorstellungsvermögen sei besser als bei 90 Prozent der Gleichaltrigen, wird der Test später befinden. Bei mir, der Mathe-Null!

Die Studienvorschläge fallen ähnlich aus wie in den vorangegangenen Tests, auch hier sind die Interessengebiete »Sprache«, »Forschend« und »Sozial« am stärksten, »Technisch« und »Verwaltend« am geringsten ausgeprägt. Was-studiere-ich.de empfiehlt mir Kultur- und Sprachwissenschaften und Berufe wie Ethnologin, Redakteurin, Theaterwissenschaftlerin. Und wieder: Psychologin, diesmal in der Variante Suchtpsychologin.

Fazit

Ich muss mein Leben nicht neu überdenken! Alle Tests brachten ähnliche Ergebnisse, und die meisten empfohlenen Studienrichtungen ähneln »meiner« Literaturwissenschaft. Meine schlimmste Befürchtung, nämlich dass mir die Tests eine generelle Studierunfähigkeit attestieren könnten, ist nicht eingetreten. Also doch nicht Lappland und die Rentiere! Andererseits ertappe ich mich beim Herumstreichen in der Psychologieecke des Buchladens. Warum nur habe ich nie an Psychologie gedacht? Menschen und ihr Verhalten haben mich doch immer schon interessiert.

Was wäre passiert, wenn ich nach dem Abi nicht blind meiner Liebe zur Literatur gefolgt wäre, sondern erst mal Tests befragt hätte? Meine Gedanken schweifen drei Jahre zurück: Ich sehe mich, die leseversessene Abiturientin, die gerade der Oberstufe eines naturwissenschaftlichen Gymnasiums entronnen ist. Sprachen und Literatur waren in dieser Zeit für mich das Höchste, und ich fieberte der Uni entgegen, wo ich mich ihnen würde widmen können. Plötzlich bin ich mir ganz sicher: Ich hätte mich auf jeden Fall dafür entschieden – ganz egal, was bei den Tests herausgekommen wäre.

 
Leserkommentare
  1. 1. Ohje.

    Wer solche Tests macht, landet doch schlussendlich eh bei Jura oder Internäschnäl Bissness.

  2. ist imho eher so planlos wie der Großteil seiner Generation nach dem Abschluss. Allerdings gab es mal Gerüchte, dass die Tests in den Arbeitsanstalten je nach Bedarf "nachjustiert" wurden.

    Mit dem Explorix durfte ich mich selbst ausführlicher auseinandersetzen und zweifle nur etwas an der Zusammenstellung der Profile der Berufe: nämlich durch "Experten" der Arbeitsanstalten. Allerdings noch vertretbar und der Test ist dafür, dass er von sich selbst sagt, er will primär den Ausfüllenden Wahlmöglichkeiten ihrer Interessensgebiete aufzeigen (das Manual dazu umfasst eine riesige und zumindest im Vorhaben regelmäßig aktualisierte Liste von Berufen), find ich ihn - gerade im Vergleich mit älteren Werkzeugen zur Berufswahl - sehr gelungen, gerade wenn man vom Hauptschulabschluss bis Abitur jede Möglichkeit abdecken möchte. Weiterhin beinhaltet der Test auch die Empfehlung, mit dem Tester (der idR Ahnung haben sollte) die Berufsbilder und das eigene Profil genauer zu besprechen, was bei der Onlineversion nur sehr eingeschränkt geschehen kann.

  3. Ich habe selbst ein, zwei Tests gemacht und ebenfalls Ergebnisse vor die Füße geworfen bekommen, die auch ungefähr meinen tatsächlichen Studienwünschen schmeichelten. Aber eben nur ungefähr! Ich lasse mein Leben nicht von Diagrammen und Statistiken bestimmen, dafür hasse ich Mathe und liebe Cicero und Seneca viel zu sehr!

    • AMD
    • 10.05.2011 um 10:21 Uhr

    Ich bin mir nicht sicher, inwieweit solche Online-Tests tatsächlich bei der Studien- resp. Berufswahl weiterhelfen. Vielmehr bin ich überzeugt, (auch und vor allem nachdem ich selbst solche Tests bestritten habe) dass es sich bei diesen Tests nicht um einen allgemeinen Finder von geeigneten Berufs- und Studienfeldern handelt, sondern vielmehr einem Vorfühlen dient, ob der angestrebte Studien- und Berufswunsch, den man hegt, sich durch einen solchen FähigkeitenTest erhärten lässt. Dafür sind solche Tests dienlich; selbstverständlich stürzt sich eine Literaturwissenschaftlerin wie Judith Blage (oder jmd, der einer werden will) auf den sprachlch-kreativen Teil des Tests und ist eher nachlässig nach gefühlten 389 Zahlen- und Dreiecksreihen. Und selbstverständlich wäre es bei Max Mustermann genau andersherum, wenn er Informatik studiert. Das ist ja nicht schlimm. Doch wer zwischen Pädagogik, Mathedidaktik und Veterinärmedizin schwankt (überspitzt ausgedrückt), wird solchen Tests wohl nicht den nötigen wegweisenden Gehalt abringen können.

  4. Also ich selber habe nie solche Tests gemacht, sondern bin rein nach Neigung vorgegangen, bin dann bei Jura gelandet und mit der Ausbildung und dem klassischen Berfusfeld nicht unbedingt ein Herz und eine Seele. Gleichwohl habe ich jetzt eine sehr interessante Tätigkeit, die ohne juristischen Sachverstand nicht möglich wäre.

    Das Problem der Tests ist, dass sie einem einen Spiegel vorhalten. Die Persönlichkeit muss man aber selber entwickeln. Ein weiteres Problem ist die Verknüpfung von Tests und Werbemaßnahmen (z.B. Uni Bochum). Das traurigste Problem ist allerdings, dass die Tests zunehmend wichtiger werden, da das Abitur alleine keine hinreichende Aussage (mehr) zur Studierfähigkeit trifft. Über die Gründe kann ich nur spekulieren...

    • Saciel
    • 13.05.2011 um 15:49 Uhr

    Beim damaligen Borakel (so lange kam mir der Test gar nicht vor!) kam bei mir "russische Kultur", "Psychologie" und "Mathematik" am besten weg, irgendwo im Mittelfeld Geschichte.

    ich habe dann Sinologie und Religionswissenschaft sehr erfolgreich studiert. In Mathematik bin ich in Wahrheit eine Niete, und jeder den ich kenne hatte Psychologie im Profil - da scheint wohl jeder reinzupassen.

    Was mich wirklich verblüfft hat war das stärkste Ergebnis für so etwas obskures wie russische Kultur. Auch wenn Sinologie sicher nicht alltäglich ist.

    • 7x7-7
    • 18.12.2012 um 0:08 Uhr

    Wieso drängt sich mir eigentlich der Verdacht auf, dass derartige Portale für Unentschlossene möglicherweise die Fähigkeiten und Wünsche der User unberücksichtigt lassen? Es wäre ein Leichtes, derartige Portale manipulativ so anzuwenden, dass auch Aspiranten in die weniger beliebten Studiengänge umgelenkt werden, damit politische Vorgaben erfüllt sind und die Fördergelder fließen.
    Gute Nacht

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